zum Auschwitz-Besuch der Kanzlerin: Merkel in Auschwitz

Unser Autor André Bochow
Thomas Koehler/photothek.netAngela Merkel war in Auschwitz. Wie vor ihr die Kanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl. Nach Auschwitz fährt man nicht jeden Tag und nicht einfach so. Ein Jubiläum steht an. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager befreit. Für eine Million Menschen kam die Befreiung zu spät. Auschwitz steht für das rassistische und mörderische Agieren des Nazi-Regimes, das zu diesen Untaten nicht in der Lage gewesen wäre, wenn sich nicht so viele Deutsche an ihnen beteiligt hätten.
Es hat lange gedauert, bis die Deutschen sich wirklich bewusst machten, was in der Nazizeit geschehen war, wie groß die Zahl jener war, die sich auch ganz individuell schuldig gemacht hatten. Und wie wichtig es ist, den Anfängen zu wehren, weil andernfalls aus Bürgern ganz schnell Mörder werden können.
Irgendwann schien die Lektion gelernt. Zu der gehörte, dass nachfolgende Generationen natürlich nicht schuldig der Verbrechen in der Vergangenheit sind, aber Verantwortung für das „Nie wieder“ tragen. Doch mittlerweile haben jene wachsenden Einfluss, die von „Schuldkult“ sprechen, die eine 180-Grad-Wende in der Geschichtsbetrachtung wollen und die NS-Zeit zum Vogelschiss während der angeblich so glorreichen 1000 deutschen Jahre erklären.
Auch deswegen musste die Kanzlerin nach Auschwitz. Merkels Verbeugung am Ort des Grauens war auch eine der Scham über das, was in unserem Land wieder gesagt und getan wird. Sie ist aber auch eine Erneuerung des Versprechens, dass die Mehrheit in Deutschland ihre Verantwortung tragen wird – für das Erinnern und für die richtigen Schlussfolgerungen daraus.
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