zum Diesel
: Der Diesel ist tot? Von wegen: Er wird gebraucht.

Der Diesel wird immer noch verteufelt. Dabei ist er eine gute Übergangslösung und Baustein für die Verkehrswende.
Von
Dorothee Torebko
Berlin
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Dorothee Torebko

MOZ/Josephin Hartwig

Dass der Diesel in Verruf geraten ist, hat die Autoindustrie selbst zu verschulden. Sie hat mit Manipulationen von Abgaswerten im Realbetrieb ihr eigenes Produkt kaputt gemacht. Doch nach drei Jahren der Diskussionen ist es nun an der Zeit, inne zu halten und zu schauen: Was hat sich seitdem getan?

Das ist eine Menge: Die neuesten Generationen belasten die Umwelt dank Harnstoff–Einspritzung wesentlich weniger als ältere Versionen des Selbstzünders. Dem aktuellen Ecotest des ADAC zufolge sind Diesel mit den Abgasnormen Euro 6d–Temp sogar sauberer als vorgeschrieben. Sie halten die von der EU festgeschriebenen Stickoxid–Grenzwerte ein. Bei einigen Autos gehen die Emissionen sogar gegen Null. In Sachen Feinstaubbelastung und CO2–Ausstoß stand der Diesel sowieso besser da als der Benziner — und das tut er noch immer.

Der Diesel kann auch gegenüber dem Elektromobil punkten. Denn derzeit sind die Lieferfristen für E–Fahrzeuge viel zu lang, die Reichweite zu gering, und es gibt zu wenig Strom–Ladepunkte. Außerdem ist die Herstellung der Batterien eine ökologische Katastrophe, sofern sie nicht aus regenerativem Strom erzeugt werden.

Doch der saubere Diesel ist nur eine Übergangslösung, um die Luft in Städten auf Dauer stickoxid–, feinstaub– und CO2–freier zu machen. Denn kein Auto wird die Verkehrsprobleme lösen können. Das liegt daran, dass der Individualverkehr an Grenzen stößt. Das erleben Pendler täglich, wenn sie stundenlang im Stau stehen. Deshalb braucht es mehr innovative Konzepte wie digitale Sammeltaxis und flexible Rufbusse. Nur dann kommt die Verkehrswende. Um diese zu schaffen, kann auch der Diesel seinen Beitrag leisten. Er sollte deshalb nicht verteufelt werden. Der Diesel ist nicht tot, er lebt und das zurecht — noch.