zum Klimaschutz: Eine Frage des Geldes

Igor Steinle
Thomas Koehler/photothek.netDoch Umweltministerin Schulze zeigte sich zuletzt immer wieder kämpferisch. Sie hat die Bevölkerung auf ihrer Seite. Noch? Bisher nehmen die meisten Klimaschutz vor allem als Windrad in der Landschaft oder als EEG–Umlage auf der Stromrechnung wahr. Hier wie dort nicht besonders schön, aber man kann damit leben. Die Konsumgewohnheiten der Menschen jedoch wurden kaum angetastet. Zu brisant ist den meisten Politikern das Thema.
Sogenanntes „Nudging“, zu deutsch „Anstupsen“, ist immer wieder ein Renner, wenn es um Maßnahmen gegen umweltschädigendes Verhalten geht. Das Höchste, was man dem Konsumenten diesem Konzept zufolge antun will, ist, ihn durch psychologische Anreize zu umweltfreundlicherem Verhalten anzutreiben. Der Erfinder dieser vermeintlichen Wunderwaffe für den Umweltschutz wurde mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Doch um zu wissen, dass das bei weitem nicht ausreicht, um die Erderwärmung zu stoppen, braucht man keinen Nobelpreis. Die große Frage lautet vielmehr: Sind die Bürger auch dann noch für mehr Klimaschutz, wenn ihr Fleisch, ihr Benzin und ihre Flugreisen teurer werden? Denn in den Kosten für diese Annehmlichkeiten sind die Schäden, die sie an Umwelt und Klima anrichten, nicht ausreichend eingepreist.
Man muss kein Prophet sein um vorauszusehen, dass die Zustimmung zum Klimaschutz rasch schwindet, wenn das Leben der Menschen teurer wird. In der Schweiz wird dieses Dilemma gelöst, indem den Eidgenossen Mehreinnahmen aus einer dort erhobenen CO2–Steuer über eine Gutschrift zurückerstattet werden. Das allein wird jedoch nicht ausreichen — vor allem im Verkehr. Dieser könnte sich als Schlüsselsektor erweisen. Individuelle Mobilität ist für viele Menschen unverzichtbar: „My car is my castle“ gilt noch immer, vor allem auf dem Land, wo urbane Mobilitätslösungen an Grenzen stoßen. Wenn Sprit teurer wird, muss Elektromobilität in Anschaffung und Haltung günstiger werden. Wenn der Staat die Zustimmung zum Klimaschutz nicht verlieren will, muss er die Verkehrswende viel stärker fördern und bezuschussen.
