zum schwachen Wirtschaftswachstum: Gefahr für das deutsche Jobwunder

Tanja Wolter
SWPAuch für die nächsten Monate erwarten Arbeitsmarktexperten keine Dellen. Im Gegenteil: Die meisten Unternehmen bauen ihre Belegschaft weiter aus, wenn auch etwas verhaltener. Klingt nach „verkehrter Welt“, ist es aber nicht. Die Auftragsbücher sind nach wie vor voll. Hinzu kommt der Fachkräftemangel in bestimmten Berufen, vor allem aber die Angst, im einsetzenden demografischen Wandel den begehrten Nachwuchs an Konkurrenten zu verlieren. Für das nächste Hoch, das auf die womöglich nur kurze Schwächephase folgt, will man schließlich gewappnet sein.
Gerät Deutschland jedoch in eine Rezession, sieht es für viele Beschäftigte alles andere als rosig aus. Die gut eine Million Leiharbeiter würde es voraussichtlich zuerst treffen. Ihr Risiko, arbeitslos zu werden, ist deutlich höher. Die zweite Gruppe, die es schnell erwischen kann, sind die Befristeten: Rund acht Prozent aller Arbeitnehmer haben nur einen Zeitvertrag. Gruppe Nummer drei sind die Älteren: Mit großen Entlassungswellen müssen sie zwar vorerst nicht rechnen, viele Unternehmen bevorzugen erst einmal den „freiwilligen“ Abschied gegen Geld. Aber anschließend fehlt nicht nur Know–how, auch die Rentenkassen werden belastet.
Die größte Gefahr für den Arbeitsmarkt ist indes die Kombination aus Abschwung und tiefgreifendem Strukturwandel, egal ob es um E–Mobilität, Robotereinsatz oder Künstliche Intelligenz geht. Um nicht abgehängt zu werden, müssen gerade in den nächsten Jahren Milliarden in Forschung, Entwicklung, Aus– und Weiterbildung fließen. Wer da auch nur kurz zögert, kann schnell zu den Verlierern gehören – mitsamt seinen Mitarbeitern.
