zum Strukturwandel
: Klima ist mehr als nur Privatsache

Mit individuellem Goodwill ist die Klimawende nicht zu erreichen. Dafür braucht es die Politik und Reformen.
Von
Igor Steinle
Berlin
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Igor Steinle

Thomas Koehler/photothek.net

Oder lieber den heimischen, der durch das Aufbewahren in Kühlhäusern allerdings auch nicht klimaneutral ist. Je hitziger der Klimawandel diskutiert wird, desto mehr Menschen zerbrechen sich den Kopf darüber: Was kann ich tun, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten? Die Antwort lautet: allein relativ wenig. Auch der aktuelle Emissionsrückgang hat wenig mit lobenswerten Ambitionen Einzelner zu tun, sondern mit Reformen und Witterung.

Mehr als elf Tonnen Kohlenstoffdioxid verursacht der Deutsche durchschnittlich im Jahr. Der weltweite Durchschnitt liegt bei sechs Tonnen. Doch selbst wenn ein Mensch sich nur noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad fortbewegt, die Wohnung höchstens auf Pullovertemperatur beheizt und sich zudem saisonal und regional ernährt, schafft er höchstens eine Reduktion auf vier Tonnen. Wobei eine einzige Flugreise dieses Budget schon sprengen würde. Ziel des Pariser Klimaabkommens ist es jedoch, die Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts auf eine Tonne pro Kopf zu begrenzen.

Die Zahlen machen klar, dass das nicht mit dem gutem Willen Einzelner zu erreichen ist. Wer Klimaschutz ins Private abschieben will, der kann es damit nicht ernst meinen. Die Klimaziele können nur eingehalten werden, wenn eine kritische Masse an Menschen beginnt, ihr Verhalten umzustellen. Das jedoch erreicht man ausschließlich mit Politik. Andere Länder haben das vorgemacht. 4,5 Tonnen der persönlichen CO2–Bilanz gehen hierzulande auf den Verkehr zurück. In Norwegen hingegen werden inzwischen mehr Elektroautos angemeldet als Verbrenner. Das liegt daran, dass massiv in die Infrastruktur investiert wurde, E–Auto–Halter Vorteile genießen und dank einer Kaufprämie der Umstieg erleichtert wurde — ganz ohne Verbote.

Nur so kann ein klimagerechter Weg aussehen: indem man zuerst Alternativen bereitstellt, bevor etwa Benzin verteuert wird. Klimaschonendes Verhalten muss für die Masse der Menschen bezahlbar bleiben. Wenn das geschafft ist, dann darf man auch Privatpersonen für ihr Klimaverhalten verantwortlich machen.