Die Wahlbeteiligung war nicht nur hierzulande mit fast 60 Prozent, sondern in vielen europäischen Ländern viel höher als 2014. Europa interessiert die Menschen doch mehr als befürchtet. Es wird klar: Die Deutschen schätzen Europa als Friedensgarant, als Freiheitshüter, als Wirtschafts- und Arbeitsplatzsicherer. Und das Ergebnis der eindeutigen Gewinner von den Grünen zeigt, die Menschen erwarten in Sachen Klima gemeinsame Wege und Lösungen. Sie wissen: National ist hier nichts auszurichten.
Tatsächlich sind allein die Grünen verantwortlich für den pro-europäischen Wahlausgang. Sie setzen ihren positiven Trend fort und profitieren von der "Fridays for Future"-Kampagne und wohl auch von Youtuber Rezo, der ihnen, wenn auch teils auf zweifelhafte Weise, Wähler zugetrieben haben wird.
Eine Katastrophe sind die Verluste der SPD. Zum vorhergesagten Desaster bei der Europawahl kommt die historische Niederlage in Bremen. Das kann nicht ohne personelle Konsequenzen bleiben. Andrea Nahles ist gescheitert – mit Folgen für die Bundesregierung.
Auch historisch schlecht, weil bei einer  bundesweiten Wahl nie schwächer, schneidet die Union ab. Frontfrau AKK räumte sogleich ein, man habe keine überzeugenden Antworten auf die Fragen der Menschen zu Europa gehabt. Doch mit dem Wahlsieg in Bremen kaschierten die CDU-Oberen am Sonntagabend die europäische Blamage.
Und die AfD? Sie gewinnt bei der Europawahl hinzu, verliert aber zwei Prozent zur Bundestagswahl 2017. Die Populisten und Nationalisten haben es also in Deutschland nicht geschafft, Europa in die Fresse zu hauen, wie von Christian Ehler befürchtet.