zur Arbeitswelt: Wenn Arbeit tötet

Tanja Wolter
SWPWenn heute die Internationale Arbeitsorganisation ILO bei einem Festakt in Berlin ihr 100–jähriges Bestehen feiert, ist Selbstbeweihräucherung also fehl am Platz. In vielen Teilen der Welt werden Arbeiter nach wie vor ausgebeutet, gibt es Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Menschenhandel und Diskriminierung. Unternehmen und Verbraucher verschließen oft die Augen vor dem Leid. Die einen von Profit getrieben, die anderen aus Geiz, Ignoranz oder Unwissenheit.
Bei ihrer Gründung nach dem Ersten Weltkrieg hatte die ILO den Traum, die Welt sozial gerecht und friedlich zu machen, durch gute Arbeit. Viele Normen wurden auf den Weg gebracht, seit 1946 unter dem Dach der Vereinten Nationen. Doch es sind in erster Linie nur Empfehlungen. Echte „Konventionen“, von denen die ILO immerhin 189 auf den Weg gebracht hat, sind zwar auf nationaler Ebene zu ratifizieren. Aber auch das muss nichts heißen. Die UN–Menschenrechtskonvention etwa gilt fast in der ganzen Welt. Menschenrechtsverletzung sind trotzdem trauriger Alltag.
Europa kann sich übrigens nicht zurücklehnen und auf die anderen zeigen. Auf dem Balkan etwa leben Roma–Familien vom Müllsammeln, weil sie kaum Chancen auf einen Job haben. Selbst Deutschland ist nicht frei von Mängeln: 2017 gab es 451 Tote bei Arbeitsunfällen, Tausende starben und sterben an den Folgen von Asbest. Weltweit betrachtet ist Arbeiten mit 2,3 Millionen Todesfällen pro Jahr gefährlicher als alle bewaffneten Konflikte zusammen. Nur Hungern ist tödlicher. Klingt zynisch? Man muss dies leider so oft wie möglich sagen, um das ganze Ausmaß zu begreifen.
