zur City-Maut: Es geht um den Nutzen

Dorothee Torebko
NBRNun folgt der nächste Schlag: Berater der Bundesregierung haben sich für eine City-Maut ausgesprochen. Die Idee: Wenn Autofahrer zahlen müssen, steigen sie aus Kostengründen auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel um. Die Folge: weniger Staus, weniger Lärm, weniger Abgase. Nun werden viele Fahrer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Doch damit verkennen sie das Potenzial der Maut.
In anderen Ländern wirkte sich die Abgabe positiv auf den Verkehrsfluss aus. 80 000 Londoner ließen dank City-Maut täglich ihr Auto stehen und stiegen auf alternative Verkehrsmittel um. In Stockholm fuhren in der Testphase von sieben Monaten ein Fünftel weniger Autos. Das brachte Zeitersparnis und eine Verbesserung der Lebensqualität: Die Wartezeit im Auto sank morgens um ein Drittel und zum Feierabend um die Hälfte.
Natürlich ist es mit der Maut allein nicht getan. Wer sein Auto stehen lässt, muss attraktive Möglichkeiten zum Umstieg haben. In London und Stockholm waren diese vorhanden. Deutsche Städte hinken in Sachen attraktivem Nahverkehr hinterher. In Berlin bleibt Pendlern angesichts der Masse an Fahrgästen teils die Luft zum Atmen weg. In Stoßzeiten stehen deshalb Tausende lieber im Stau, als sich in Bus und Bahn zu quetschen. Im Gegensatz zu Metropolen wie Moskau, wo die Bahnen im Minuten-Takt verkehren, schaffen es Verkehrsbetriebe hierzulande nicht, mehr Züge auf die Schiene zu bekommen. Wie soll das werden, wenn noch mehr Fahrgäste in die Bahnen drängen?
Deshalb fordern die Wissenschaftler und Berater der Regierung, dass die Einnahmen durch die City-Maut in den Ausbau des ÖPNV und von Radwegen gesteckt werden. Zudem könnten die Städte mit dem Geld Park-and-Ride-Angebote ausbauen, digitale Sammeltaxis in der Stadt fördern und Tickets für den Nahverkehr billiger anbieten. Dass günstige Busse und Bahnen ein Erfolgsmodell sind, zeigt derzeit die Universitätsstadt Tübingen, die knapp ein Jahr lang kostenlosen Nahverkehr testete. Den Stadtbus nutzten an Sonnabenden ein Drittel mehr Fahrgäste, die Zahl der Radfahrer stieg ebenfalls an, während die Autofahrer ihr Gefährt immer häufiger stehen ließen.
Damit dieser Effekt eintritt, muss auch an die soziale Verträglichkeit mit gedacht werden. Wenn – wie die Wissenschaftler vorschlagen – die Maut am Schadstoffausstoß bemessen wird, sind einkommensschwächere Autofahrer, die sich kein neues, emissionsärmes Auto leisten können, im Nachteil. Hier müsste es eine Ausnahmeregelung geben. Andernfalls erfährt die City-Maut in der Bevölkerung keine Akzeptanz. Befragungen in Stockholm haben ergeben, dass die Abgabe nur deshalb gut ankommt, weil die Menschen sie als sinnvoll ansehen. Auch in Deutschland muss der Nutzen erkennbar sein – sonst fühlt sich der gebeutelte Autofahrer noch mehr abgestraft und steigt nie um.
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