zur US-Einreisesperre für Europäer
: Neuer Tiefpunkt von Trumps Präsidentschaft

Donald Trump fällt den europäischen Regierungen im Kampf gegen das Corona-Virus in den Rücken. Das ist ein neuer Tiefpunkt seiner Präsidentschaft.
Von
Guido Bohsem
Berlin
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Guido Bohsem über die Einreisesperre in den USA.

Thomas Koehler/photothek.net

Mit seinem abendlichen Fernsehauftritt hat Trump seinen Anhängern endlich und hoffentlich unmissverständlich klar gemacht, was Corona für Leib und Wohlstand bedeuten kann. Wer es zuvor für einen Witz gehalten hat, kann es zumindest nicht mehr unter Berufung auf das Staatsoberhaupt der USA tun. Das ist gut. Schlecht ist, dass dieser Punkt so ziemlich der einzige gute in der gesamten Ansprache blieb. Trump hat mit seinen Worten einen unglaublich großen Schaden angerichtet, der vielen Menschen das Leben kosten kann.

Der Präsident verbot nahezu allen Europäern die Einreise in die USA. Warum das beim Eindämmen der Krankheit helfen sollte, bleibt sein Geheimnis, wo sich das Virus doch seit Wochen in rasender Geschwindigkeit im Land ausbreitet. Der Präsident biegt eben gerne die Wahrheit, um von seinen eigenen Fehlern abzulenken, und noch lieber schiebt er anderen die Verantwortung zu, die er eigentlich zu tragen hat.

Doch diesmal hat selbst sein Niveau einen neuen Tiefpunkt erreicht. War er sich doch nicht zu schade, die Einreisesperre mit dem, so Trump, katastrophalen Management der Corona-Krise durch die europäischen Regierungen zu begründen. Er stellt damit Länder an den Pranger, die ausnahmslos Verbündete, Partnerländer und Freunde der USA sind, und er fällt ihren frei gewählten Regierungen ohne Vorwarnung in den Rücken, die im Kampf gegen die Corona-Krise auf das Grundvertrauen ihrer 400 Millionen Einwohner setzen. Rücksichtslos setzt er damit den Grundkonsens außer Kraft, wonach Demokraten in der Krise zusammenstehen müssen und die Abrechnung erst später kommt. Denn im Augenblick der Krise kann Uneinigkeit zu Panik, irrationalem Verhalten und damit zu Toten führen.

Das könnte man ihm noch nachsehen, wenn es tatsächlich sein Anliegen wäre, die holprige Anti-Corona-Politik in den europäischen Ländern auf ein höheres Niveau zu heben. Doch weit gefehlt. Trump will einzig davon ablenken, dass er selbst noch weniger auf die Reihe gekriegt hat. Nur so ist zu erklären, dass er die erste seiner gigantischen Wahlkampfveranstaltungen erst nach seiner Rede absagte und nur seine Sorge, dass ihn die Krise die Wiederwahl kosten könnte, hat ihn überhaupt aufs Feld gerufen. Ansonsten würde er immer noch Twitter-Witzchen über Corona reißen. Trump hat erneut demonstriert, dass er der schäbigste und verachtenswerteste US-Präsident seit dem amerikanischen Bürgerkrieg ist. Weil die Amerikaner von einem solchen Mann durch die Corona-Krise geführt werden, müssen sie uns aus tiefstem Herzen leidtun.