1. FC Union Berlin
: Köpenicker erreichen die Bundesliga-Sensation

Es ist vollbracht. Der 1., FC Union Berlin hat am Dienstagabend durch einen 1:0-Erfolg in der Alten Försterei über Mitaufsteiger SC Paderborn den noch fehlenden Sieg für den Klassenerhalt eingefahren.
Von
Uwe Wuttke
Berlin
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Klassenerhalt: Union Berlins Spieler bejubeln über ein weiteres Jahr in der Bundesliga.

Kay Nietfeld/dpa

Trainer Urs Fischer setzte beim seiner Aufstellung durchaus auf eine sehr kontrollierte Offensive, wollte damit wohl vermeiden, dass sich seine Mannschaft wie beim 1:3 in der vergangenen Aufstiegssaison daheim wieder vom schnellen Umkehrspiel der Paderborner übertölpeln lässt. Jedenfalls rückte für den Offensiv-Akteur Yunus Malli der defensivstärke Robert Andrich nach seine abgesessenen Gelbsperre in die Startelf. Er bildete mit Grischa Prömel die doppelte Absicherung im defensiven Mittelfeld, während Christian Gentner hinter die einzige Spitze Sebastian Andersson rückte. Und für Anthony Ujah rückte der Däne Marcus Ingvartsen in die erste Elf, der beim 1:1 im Hinspiel den Treffer der Köpenicker erzielt hatte, während auf Paderborner Seite Trainer Steffen Baumgart auf seinen Schützen Kai Pröger verzichtete.

Die Partie begannen die Unioner weniger zögerlich und hätten nach gut einer Minute schon in Führung gehen können, aber Andersson bekam in aussichtsreichen Position zu wenig Druck auf den Ball, um SCP-Schlussmann Leopold Zingerle gefährlich zu werden. In der Folgezeit spielten die Paderborner munter mit, während  die Platzherren Chancenwucher betrieben.

Chancenwucher nicht bestraft

Prömel (9.) und Ken Reichel (14.) konnten Zingerle ebenfalls nicht überwinden und Marius Bülters Kopfball nach Andersson-Flanke landete am linken Außenpfosten (24.). Als fast schon zu befürchten war, dass sich dies wie so oft im Fußball – rächen würde, fiel doch das 1:0 für die Eisernen. Nach einem Freistoß von Christopher Trimmel verlängerte Paderborns Angreifer Ben Zolinski den Ball per Kopf ins eigene Netz (27.). Die Führung war verdient, weil die Unioner einen konzentrierten Auftritt hinlegten, offensiv agierten, ohne sich in der Defensive eine Blöße zu geben.

Gleichwohl tigerte Trainer Fischer an der Seitenlinie zwar nicht so viel herum wie Kollge Baumgart, aber dafür ziemlich lautstark. Nicht ohne Grund, denn die Gäste lauerten auf ihre Chance. Die kam als der frühzeitig für den muskelverletzten Christian Strohdiek eingewechselte Mohamed Dräger gegen Reichel das Laufduell gewann, aber nur den Außenpfosten traf (38.).

Auch nach dem Wechsel blieben die Unioner Herr im eigenen Haus und hätten durchaus frühzeitig den Klassenerhalt festmachen können. Doch Andrich scheiterte am Pfosten (72.) und Andersson traf nur das Außennetz und Ingvartsen zielte drüber (90.). So mussten Präsident Zingler, Trainer Fischer, die Spieler und einige erneut singende Fans hinter der Tribüne an der Waldseite bis zum Abpfiff von Steinhaus zittern, ehe sich der Jubel über die „Sensation“ Bahn brach und die Spieler sich die vorbereiteten Trikots mit der Aufschrift „Schluss Endlich – Saison 2019/20Klasse gehalten“ überstreiften.

Eine Anspielung an Trainer Urs Fischer und dessen Lieblingswort. Und Robert Andrich fand die Stimmung nach dem Abpfiff „irgendwie komisch, aber wir sind glücklich, den Klassenerhalt geschafft zu haben.“ In Bezug auf seinen Trainer hoffte er auf andere Worte als schlussendlich. „Vielleicht sagt er so etwas wie – macht morgen frei, aber das wird wohl nicht passieren, denn wir haben ja Sonnabend das nächste Spiel.“ Der Schweizer sprach nach dem Abpfiff von einem „tollen Gefühl. Wir haben uns nie runterkriegen lassen. Es war eine tolle Saison.“ Paderborns Trainer Steffen Baumgart sah es etwas anders. „Es ist traurig, dass der Abstieg besiegelt ist.“ Aber der Ex-Unioner blieb Realist. „20 Punkte reichen einfach nicht für die 1. Liga.“