DFB-Pokal
: Rassismus-Eklat bei Lok Leipzig – Fifa-Chef Infantino schaltet sich ein

Die rassistische Beleidigung gegen Schalke-Spieler Christopher Antwi-Adjei im DFB-Pokalspiel bei Lok Leipzig beschäftigt auch den Fußball-Weltverband.
Von
Peter Mertes
Leipzig
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Lok Leipzig - Schalke / DFB-Pokal: Leipzig, 17.08.2025, Bruno-Plache-Stadion, Fußball, DFB-Pokal, 1.Hauptrunde , 1.FC Lok Leipzig vs. FC Schalke 04 , Im Bild Spielunterbrechung von Schiedsrichter Max Burda. Christopher Antwi-Adjei  18, Schalke. , Nur zur redaktionellen Nutzung. Only editorial use. , DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. , *** Leipzig, 17 08 2025, Bruno Plache Stadion, Soccer, DFB Pokal, 1 Hauptrunde , 1 FC Lok Leipzig vs FC Schalke 04 , Im Bild Spielunterbrechung von Schiedsrichter Max Burda Christopher Antwi Adjei 18, Schalke , Nur zur redaktionellen Nutzung Only editorial use , DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video , Picture Point

Schalke-Spieler Christopher Antwi-Adjei wurde im DFB-Pokalspiel gegen Lok Leipzig rassistisch beleidigt. Jetzt meldet sich auch der Fifa-Chef Gianni Infantino zu Wort.

Imago/Picture Point/S. Sonntag
  • Rassistische Vorfälle bei DFB-Pokal: Spieler von Schalke und Kaiserslautern betroffen.
  • Christopher Antwi-Adjei bei Lok Leipzig beleidigt, Spiel kurz unterbrochen, Ermittlungen laufen.
  • Schalke-Trainer kritisiert Pfiffe Leipziger Fans gegen Antwi-Adjei trotz Beleidigungsvorfalls.
  • In Potsdam wurde Täter nach rassistischer Beleidigung durch Fans schnell identifiziert.
  • Fifa-Chef Infantino fordert Aufklärung und Bestrafung, DFB untersucht die Vorfälle.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dass Rassismus auch im Fußball noch immer ein Problem ist, zeigten am Wochenende zwei Vorfälle im DFB-Pokal. Bei der im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion ausgetragenen Erstrundenpartie zwischen dem RSV Eintracht Stahnsdorf und dem 1. FC Kaiserslautern (0:7) wurde ein FCK-Spieler, der sich gerade hinter dem Tor aufwärmte, rassistisch beleidigt. Im Spiel zwischen Lok Leipzig und Schalke 04 (0:1 n.V.) wurde der Schalker Spieler Christopher Antwi-Adjei Opfer einer rassistischen Beleidigung.

Antwi-Adjei hatte bei einem Einwurf in der 12. Minute dem Schiedsrichter eine rassistische Beleidigung von der Tribüne gegen ihn kenntlich gemacht. Schiedsrichter Max Burda unterbrach die Partie beim Stand von 0:0 für wenige Minuten. Antwi-Adjei berichtete nach dem Spiel, dass von der Tribüne das „N-Wort“ gerufen wurde. Mit dem Begriff „N-Wort“ wird heute eine früher gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben.

Pfiffe von Lok-Fans gegen den zuvor beleidigten Spieler

Nach einem Hinweis durch den Stadionsprecher, dass diskriminierende Rufe zu unterlassen seien, wurde die Begegnung fortgesetzt. Der Schalke-Profi wurde bei Ballkontakten anschließend von vielen Leipziger Zuschauern ausgepfiffen. Antwi-Adjei hat mittlerweile Anzeige erstattet, und die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen.

Lok Leipzig hatte in der Halbzeitpause zunächst noch berichtet, dass eine Beleidigung „nicht verifiziert“ werden konnte, sich mittlerweile aber bei Antwi-Adjei und Schalke 04 entschuldigt. Gäste-Coach Miron Muslic kritisierte in deutlichen Worten die Reaktion der Lok-Fans, die Antwi-Adjei auspfiffen, obwohl sie wussten, was geschehen war. „Ich glaube, was heute passiert ist, hat nirgends etwas verloren“, sagte der Schalke-Trainer. „Das Schlimmste für mich ist dann: Chris wird danach über 120 Minuten vom Publikum ausgepfiffen. Das kotzt mich an.“

„Das ganze Stadion hat gepfiffen", ärgerte sich Muslic. „Es ist keine Einzelperson. Aber leider Gottes ist das so gang und gäbe, dass man das verharmlost und dann abschiebt als ‚ein Idiot‘. Das sehe ich nicht so und das möchte ich betonen.“ Er habe größten Respekt vor dem Spieler, „dass er auf dem Platz bleibt und bis zum Schluss Leistung bringt.“ Den Schalker Siegtreffer in der Verlängerung (107.) hatte Antwi-Adjei mit einem kurz und schnell ausgeführten Einwurf eingeleitet.

In Potsdam-Babelsberg identifizieren Fans den Täter

Ganz anders als in Leipzig fiel die Reaktion der Fans im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion nach der rassistischen Beleidigung im Spiel des RSV Eintracht Stahnsdorf gegen den 1. FC Kaiserslautern aus. Durch ein schnelles Eingreifen von Zuschauern und Sicherheitsdiensten konnte der Täter ermittelt werden. Beide Fanlager skandierten „Nazis raus“.

„Irgendein Vollidiot ist immer dabei“, sagte Lauterns Trainer Torsten Lieberknecht, der das vorbildliche Eingreifen der Stahnsdorfer Fans lobte: „Es ist nicht das Sinnbild, für das Stahnsdorf steht, und wie wir hier empfangen wurden.“

Fifa-Präsident Infantino erwartet Aufklärung und Bestrafung

Die beiden Rassismus-Vorfälle bereiten auch dem Fußball-Weltverband Fifa große Sorgen. Fifa-Präsident Gianni Infantino hat die Ereignisse in Leipzig und Potsdam scharf verurteilt und den betroffenen Spielern Unterstützung zugesagt. „Ich wiederhole mich und werde dies weiterhin tun: im Fußball gibt es keinen Platz für Rassismus oder jede andere Form der Diskriminierung“, sagte der Weltverbandschef nach den Ereignissen am Sonntag.

Vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) wie der deutschen Polizei erwartet Infantino nun Aufklärung und eine Bestrafung der Täter. „Die Fifa, das Spieler-Gremium und die gesamte Fußballgemeinde stehen fest an der Seite der von diesen Vorfällen Betroffenen – wir sind fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass Spieler respektiert und geschützt werden und dass die Wettbewerbsorganisatoren sowie die Strafverfolgungsbehörden entsprechenden Maßnahmen treffen.“ Diese Ermittlungen sollen beim DFB in Kürze beginnen. „Der Kontrollausschuss untersucht die Vorgänge und leitet Ermittlungen gegen die jeweiligen Vereine ein“, sagte ein Verbandssprecher.

Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat sich mit einem Statement auf der Homepage des Fußballverbandes zu Wort gemeldet. „Rassismus und Diskriminierung, Hass und Ausgrenzung haben im Fußball keinen Platz“, heißt es darin. Wir stehen für Vielfalt und Respekt. Und an der Seite der Betroffenen sowie derjenigen, die sich für unsere Werte einsetzen.“ Der Chef des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes NOFV relativierte die Ereignisse hingegen: Er habe „keine fremdenfeindliche Stimmung wahrgenommen“, sagte Hermann Winkler. Der 62-Jährige forderte: „Bei aller Notwendigkeit einer zügigen Aufarbeitung dieses ernsten Themas, hört auf mit Spekulationen und Schuldzuweisungen, bevor nicht Spielbericht und Ergebnisse der polizeilichen Befragungen ausgewertet sind.“ (mit dpa)