Energie Cottbus: Steffen Ziesche verrät - das kann der FCE vom Eishockey lernen

Wechsel vom Eishockey zum Fußball: Ex-Nationalspieler Steffen Ziesche ist neuer Teammanager bei Energie Cottbus.
Imago/EibnerDieser Wechsel fällt aus dem Rahmen: Steffen Ziesche kommt nicht aus dem Fußball, sondern aus dem Eishockey. Beim FC Energie Cottbus übernimmt der 54-jährige Ex-Nationalspieler nun die neue Rolle des Teammanagers und soll das Trainerteam entlasten. Im Interview spricht er über neue Perspektiven, den Umgang mit Druck, seine Aufgaben beim FCE und die besondere Verbindung zu Claus-Dieter Wollitz.
Steffen Ziesche, Sie kommen aus einer Eishockey-Familie. Was sagt Ihre Familie zum Wechsel in den Profifußball?
Überrascht war sie nicht, weil sie in die Überlegungen involviert war. Grundsätzlich freut sich meine Familie für mich. Wir sind von Hause aus sportbegeistert und waren auch immer fußballaffin. Insofern gibt es überhaupt keine Berührungsängste.
Sind Sie privat ebenfalls Fußballfan?
Ja, ich war schon immer Fußballfan. In meiner Kindheit bin ich in Berlin am Sportforum praktisch Tür an Tür mit den Fußballern vom BFC Dynamo aufgewachsen. So hat sich mein Interesse entwickelt. Im Laufe der Jahre sind auch Freundschaften mit Fußballern entstanden, die ich während meiner Laufbahn kennengelernt habe. Fußball ist ein toller Sport, darüber müssen wir nicht reden.
Der Wechsel vom Eishockey in den Fußball ist eher ungewöhnlich. Fühlt er sich auch für Sie persönlich ungewöhnlich an?
Fußball ist natürlich eine komplett andere Sportart. Es gibt teilweise große Unterschiede bei den Abläufen. Unterm Strich bleibt es aber eine Mannschaftssportart, in der es um die gleichen Werte geht. Deshalb glaube ich, dass der Unterschied letztlich gar nicht so groß ist.
Was reizt Sie an diesem Wechsel zu Energie Cottbus?
Ich kann meinen Horizont erweitern, etwas Neues sehen und lernen, wie der Fußball funktioniert. Mich interessieren die Abläufe, aber auch der Umgang mit Drucksituationen und die Frage, wie resilient die Menschen im Fußball sind. Fußballer stehen noch stärker in der Öffentlichkeit und müssen mit innerem und äußerem Druck umgehen. Dieses gesamte Paket kennenzulernen, ist für mich sehr interessant.
Was kann der Fußball vom Eishockey lernen?
Sicherlich bestimmte Abläufe. Im Eishockey haben wir durch die hohe Zahl an Spielen eine andere Belastungssteuerung. Dabei geht es immer wieder um Resilienz: Wie geht man mit bestimmten Situationen um? Wie organisiert man aufeinanderfolgende Spiele, den Trainingsrhythmus, Reisen und die Regeneration? Das sind Punkte, bei denen die Sportarten voneinander lernen können.
Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Unterschiede zwischen dem Alltag einer Eishockey- und einer Fußballmannschaft?
Vor allem in der Spieltaktung und den daraus resultierenden Abläufen. Im Eishockey folgen die Spiele häufig sehr schnell aufeinander. Das hat Auswirkungen auf das Training, die Reisen und die Regeneration. Dennoch gibt es viele Gemeinsamkeiten, weil es in beiden Fällen um professionellen Mannschaftssport geht.
Besondere Verbindung zu Trainer Claus-Dieter Wollitz
Ein wichtiger Faktor bei diesem Wechsel war Claus-Dieter Wollitz, mit dem Sie schon seit vielen Jahren befreundet sind. Was schätzen Sie an ihm besonders?
Seine Authentizität und seine Ehrlichkeit. Er ist so, wie er ist. Ich schätze seine loyale und ehrliche Art. Er lebt und brennt für den Fußball und versucht, dieses Gefühl auf die Mannschaft zu übertragen. Bei seinen bisherigen Stationen hat man immer wieder gesehen, mit welcher Leidenschaft und Konsequenz er arbeitet und dass dadurch langfristig Erfolg entstanden ist.
Womit konnte er Sie für diesen Wechsel gewinnen?
Er weiß, dass die Organisation beim FC Energie den nächsten Schritt gehen muss, und wollte dafür auch einen Impuls von außen. Wir haben uns in den vergangenen Jahren oft über viele Themen ausgetauscht. Am Ende sind wir aber immer wieder beim Sport gelandet, egal ob es um Eishockey oder Fußball ging. In beiden Sportarten geht es um ähnliche Dinge: Menschenführung, Inhalte und Methodik. Die menschliche Schnittstelle zwischen uns war schon immer vorhanden. Dazu kam nun auch die fachliche Komponente.

Steffen Ziesche spricht im Interview über seine Rolle bei Energie Cottbus: „Ich soll dem Trainerteam und anderen Bereichen Arbeit abnehmen, damit der Fokus auf der Mannschaft liegen kann.“
FC Energie CottbusSie hatten bereits Vertrag als neuer Trainer der Heilbronner Falken unterschrieben, diesen aber aus privaten Gründen aufgelöst. Spielte die Nähe zu Berlin bei Ihrer Entscheidung eine Rolle?
Es war ein Vorvertrag. Und ja, die Nähe zu meiner Familie war definitiv ein wichtiger Faktor. Dann kamen die Gespräche mit Energie Cottbus und diese Möglichkeit hat sich ergeben.
Was genau umfasst Ihre Aufgabe als Teammanager beim FC Energie?
Es geht vor allem um organisatorische Aufgaben. Ich soll dem Trainerteam und anderen Bereichen Arbeit abnehmen, damit der Fokus auf der Mannschaft liegen kann. Darüber hinaus werde ich beobachten, hinschauen und Feedback geben.
Wie viel Zeit brauchen Sie, um den Verein, die Mannschaft und sämtliche Abläufe kennenzulernen?
Das kann ich noch nicht genau sagen. Ich habe keine Glaskugel. Es wird sicherlich eine gewisse Zeit dauern, bis sich die Abläufe automatisiert haben. Aber auch im Eishockey gibt es viele Prozesse, die vielleicht nicht identisch sind, aber grundsätzlich ähnlich funktionieren. Am Ende bleibt es Profisport.
Werden Sie im Trainingslager in Österreich dabei sein?
Ja, ich bin sogar schon in Österreich. Die Mannschaft kommt am Sonnabend nach. Wir schauen vor Ort, ob alles organisiert und vorbereitet ist.
Das ist Steffen Ziesche – ehemaliger Nationalspieler und Meistermacher
Steffen Ziesche (54) arbeitete zuletzt als Co-Trainer bei den Krefeld Pinguinen. Mit dem Traditionsclub gewann er in der vergangenen Saison die Meisterschaft in der DEL2 und schaffte den Aufstieg in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL).
Ziesche wurde 1972 im Osten Berlins geboren und begann seine Karriere bei Dynamo Berlin, aus dem später die Eisbären Berlin hervorgingen. Als Spieler lief er unter anderem für die Frankfurt Lions, die Cardiff Devils, die Krefeld Pinguine und die Kassel Huskies auf.
Der frühere deutsche Nationalspieler absolvierte 344 Partien in der DEL. Seinen größten Erfolg feierte Ziesche 2003, als er die Krefeld Pinguine als Kapitän zur Deutschen Meisterschaft führte.
Steffen Ziesche kommt aus einer sportbegeisterten Familie: Sein Vater Joachim Ziesche war eine Eishockey-Legende in der früheren DDR. Er nahm an neun Weltmeisterschaften und den Olympischen Winterspielen 1968 teil. Sein Sohn Philip spielte auch schon für die Lausitzer Füchse in Weißwasser. Bruder Dr. Jens Ziesche ist langjähriger Mannschaftsarzt der Eisbären Berlin.

