Freestyle-Motocross
: Interview: Luc Ackermann ist jüngster Weltmeister

Der 21-Jährige Luc Ackermann gewinnt als erster Deutscher die WM im Freestyle-Motocross. In Zukunft will der Thüringer noch weitere Rekorde brechen.
Von
Lukas Grybowski
Frankfurt (Oder)
Jetzt in der App anhören

Endlich geschafft: Im vergangenen Jahr kosteten Luc Ackermann kleine Fehler den Titel. So wurde er 2018 hinter Maikel Melero nur Vize-Weltmeister. In diesem Jahr gewann er mit großem Vorsprung auf den Spanier.

Edgar Nemschok

Im Gespräch blickt er bereits auf das kommende Jahr voraus, erzählt, wie er zum Sport kam und wie er über die Feiertage abschalten kann.

Herr Ackermann, seit dem 16.12 sind Sie offiziell Motocross-Freestyle Weltmeister. Haben Sie schon verarbeitet, was da in Sofia passiert ist?

So ganz realisiert habe ich das alles noch nicht. Es war immer ein Lebenstraum von mir, aber durch den Titel hat sich bei mir nichts geändert.

Wie groß wurde danach gefeiert?

Ehrlich gesagt, bin ich gar nicht mehr feiern gegangen. Es war ein intensiver Tag, ich habe beim Event 110 Prozent gegeben und ich war einfach nur müde. Aber wir haben schon noch kurz angestoßen. Ich bin am Sonnabend auch schon wieder in München und habe nächste Woche auch noch ein Event, da bleibt nicht viel Zeit zum Feiern.

Hatten Sie trotzdem vorher den Gedanken im Kopf, was es sein würde, wenn es schief geht?

Ich hatte genug Vorsprung auf meinen ersten Verfolger, also stand es mehr oder weniger schon vorher fest. Ich bin momentan in guter Form und habe das einfach ausgeblendet. Da darf man nicht zu viel drüber nachdenken, sonst verkrampft man.

Haben Sie ein bestimmtes Ritual vor jedem Rennen?

Ich bin da nicht so der Typ für. Wenn im Training alles klappt, dann bin ich sicher, dass es am Abend auch so ist. Vor dem Rennen brauche ich nur eine halbe Stunde Ruhe, um mich zu konzentrieren und noch mal alles durchzugehen.

Ihr Bruder Hannes ist auch Profi-Freestyle-Motocrosser. Sie sitzen auf dem Motorrad, seit Sie drei Jahre alt sind. Also war relativ früh klar, dass Sie das auch machen wollen?

Es stand relativ schnell fest, dass ich die Schule fertig mache und dann versuche, Profi zu werden. Wie es bisher läuft, ist natürlich wirklich schön, aber es ist ein Extremsport und ich weiß, dass mit einem Sturz alles vorbei sein kann. Aber es ist einfach meine Leidenschaft. Nach jeder Verletzung will ich einfach nur schnell zurück aufs Motorrad.

Wie sehen Sie die generelle Entwicklung des Sports?

Sie ist wahnsinnig rasant. Es geht immer schneller voran und ist auf der einen Seite natürlich gut, wenn es immer spektakulärer wird, aber auf der anderen Seite wäre es auch cool, wenn sich mehr Leute dafür interessieren würden.

Im Februar treten Sie mit ihrem Bruder und dem Berliner Kai Haase bei der Night of the Jumps Team-WM an. Ziel kann nur die Titelverteidigung sein, oder?

Auf jeden Fall. Wir haben den Titel dieses Jahr schon geholt und sind drei sehr gute Fahrer, die alle ihre besonderen Stärken haben. Da pusht man sich natürlich gegenseitig auch zu noch besseren Leistungen. In Berlin sind auch immer viele Freunde und Bekannte da.

Bleiben Sie zur Vorbereitung in Deutschland?

Zur Zeit bin ich wenig auf dem Motorrad und viel im Fitnessstudio. Aber ich habe auch ein Motorrad in Spanien und Anfang kommenden Jahres fahre ich mit meinem Bruder für mindestens eine Woche mit dem Auto dort hin, um zu trainieren und das Motorrad wieder mitzunehmen.

Können Sie über die Feiertage überhaupt abschalten?

Ich bin immer viel auf Reisen und genieße es, Zeit mit der Familie zu verbringen. Wenn ich zu Hause bin, versuche ich viel mit meinen Freunden zu machen. Ich bin auch keiner, der dann 24/7 über seinen Sport redet. In meiner Freizeit will ich eigentlich möglichst wenig darüber nachdenken.

Sie sind mit 21 Jahren Weltmeister, Europameister, Team-Weltmeister und der einzige Freestyle-Motocross-Fahrer, der von RedBull gesponsert wird. Was haben Sie überhaupt noch für Ziele?

Ach, ich habe noch so einige Ziele. Ich würde schon gern noch ein paar Rekorde brechen (lacht). Außerdem will ich eine Medaille bei den X-Games (größte und wichtigste Extremsportserie der Welt in den USA, Anm. d. Red.) gewinnen. Und ich will noch die eine oder andere Serie gewinnen – und natürlich trainiere ich auch gerade ein paar neue, verrückte Tricks.

Erster Rückwärtssalto mit zwölf Jahren

Luc Ackermann stammtaus Niederdorla, einer kleinen Gemeinde in Thüringen. Über seinen Bruder Hannes kam er 2005 zum Freestyle-Motocross. Als jüngster Freestyler überhaupt, schafft er mit 12 Jahren 2010 einen Rückwärtssalto mit dem Motorrad. 2017 gelang ihm als jüngster Fahrer und erster Deutscher ein doppelter Backflip.