Fußball Bundesliga
: Gibt es für Union Berlin eine Normalität ohne Max Kruse? – „Ich erfülle keine Wünsche“

Union Berlin wartet weiter auf das erste Tor und das erste Erfolgserlebnis ohne Max Kruse. Wie sehr der bisherige Offensiv-Regisseur fehlt, zeigt auch die Niederlage gegen Borussia Dortmund. Deshalb bleibt Kruse weiterhin ein brisantes Thema in Köpenick.
Von
Frank Noack
Berlin
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  • Union Berlin (hier Torjäger Taiwo Awoniyi/M.) kassierte in der Fußball-Bundesliga gegen Borussia Dortmund eine 0:3-Niederlage.

    Union Berlin (hier Torjäger Taiwo Awoniyi/M.) kassierte in der Fußball-Bundesliga gegen Borussia Dortmund eine 0:3-Niederlage.

    Andreas Gora/dpa
  • Union Berlin musste zum ersten Mal in dieser Saison zwei Niederlagen in Folge hinnehmen. Trainer Urs Fischer warnt: „Niederlagen sollen nicht zur Gewohnheit werden.“

    Union Berlin musste zum ersten Mal in dieser Saison zwei Niederlagen in Folge hinnehmen. Trainer Urs Fischer warnt: „Niederlagen sollen nicht zur Gewohnheit werden.“

    Andreas Gora/dpa
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Der Weg des 1. FC Union Berlin unter Trainer Urs Fischer führte in den vergangenen dreieinhalb Jahren vor allem in eine Richtung – nach oben. Mit der 0:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund machten der Schweizer und sein Team jetzt eine ganz neue Erfahrung in der laufenden Saison der Fußball-Bundesliga: Die Eisernen haben zum ersten Mal zwei Spiele in Folge verloren.

Was diese beiden Niederlagen mit seiner Mannschaft machen, wurde Urs Fischer nach dem Duell mit dem Tabellenzweiten gefragt. „Wir werden alles daransetzen, dass sie gar nichts mit uns machen und wir wieder in die Spur kommen“, erklärte der 55-Jährige und warnte: „Niederlagen sollen nicht zur Gewohnheit werden.“

Union Berlin und Europa

Der Blick auf die Tabelle macht deutlich: Mit Platz sieben liegt der 1. FC Union immer noch ziemlich weit oben. Allerdings sind die Eisernen zum ersten Mal seit Wochen aus den Rängen für die internationalen Startplätze gerutscht. Das ist aber nicht der Hauptgrund für die Sorgenfalten, die so mancher neuerdings in Köpenick auf der Stirn trägt. Und die am Sonntag unter anderem in teilweise unflätige Schmährufe gegen Doppeltorschütze Marco Reus mündeten. Vielmehr schwant auch den größten Optimisten, dass sich der Substanzverlust aufgrund von Abgängen mehrerer Leistungsträger spätestens mit dem Wechsel von Max Kruse zum VfL Wolfsburg zu einem veritablen Problem ausgeweitet hat.

Dass die Statik im Spiel der Rot-Weißen nachhaltig erschüttert ist, zeigt eine Aussage, die Christopher Trimmel nach dem Spiel gegen Dortmund scheinbar beiläufig fallen ließ. „Wir haben zwar oft Bälle gewonnen, aber die Vorwärtsbewegung danach war nicht ideal“, räumte der Kapitän ein. Genau dieses Pressing war allerdings in vielen Spielen die Basis für den Erfolg der Eisernen. Balleroberung im Mittelfeld, Pass von Max Kruse auf Taiwo Awoniyi – Tor. So holte die Mannschaft viele Siege und Punkte. Und sie stürmte von Köpenick aus nach Europa.

Im Prinzip hat Union Berlin in jedem Mannschaftsteil einen Leistungsträger verloren. Vize-Kapitän Marvin Friedrich verteidigt seit einigen Spielen im Trikot von Borussia Mönchengladbach. Robert Andrich räumt seit Sommer im Mittelfeld von Bayer Leverkusen ab. Und Max Kruse schlägt seine Pässe jetzt in Wolfsburg. Mehr Aderlass geht eigentlich nicht.

Max Kruse fehlt Union Berlin

Ohne Offensiv-Regisseur Kruse konnten die Eisernen noch kein einziges Tor erzielen. Torjäger Awoniyi habe laut Fischer zwar eine „tolle Erfahrung“ mit Nigeria beim Afrika-Cup gemacht, aber: „Er war lange Zeit weg und gewöhnt sich jetzt langsam wieder an uns.“ Seinem neuen Sturmpartner Sven Michel habe noch ein wenig „die Bindung gefehlt“, räumte der Union-Coach ein. Zumal der Neuzugang vom SC Paderborn zwar genau wie Kruse die Rückennummer 10 trägt, aber ein anderer Spielertyp ist.

Natürlich wurde Urs Fischer nach dem Dortmund-Spiel auch zu den etwas überraschenden Aussagen von Max Kruse im ZDF-Sportstudio befragt. Immerhin hatte der Offensivspieler bei seinem TV-Auftritt das aus seiner Sicht offenbar nicht ganz so harmonische Verhältnis zu Fischer – auch – für den Wechsel nach Wolfsburg verantwortlich gemacht. Die Antwort des Union-Trainers fiel zwar gewohnt höflich, in der Sache aber unmissverständlich aus. „Max war sicher nicht immer damit einverstanden damit, wenn ich ihn vorzeitig vom Platz genommen habe. Aber ich bin nicht hier, um Wünsche zu erfüllen. Ich habe das große Ganze im Blick“, betonte er.

Dieses große Ganze ist ohne Max Kruse deutlich schwerer geworden als mit Max Kruse. Weil sie das bei Union Berlin natürlich ganz genau wissen, möchte man im Stadion An der Alten Försterei so schnell wie möglich zur Normalität zurückkehren. Na klar, es gibt für die Eisernen selbstverständlich eine Normalität auch ohne Max Kruse. Das Problem dabei ist: Wie erfolgreich diese Normalität aussehen kann – das lässt sich noch nicht beantworten. Sie wird angesichts von 34 Punkten aus 22 Spielen zwar mit Sicherheit weit entfernt von den Abstiegsrängen liegen. Aber womöglich auch im Niemandsland der Bundesliga-Tabelle. Auch das könnte für Union Berlin eine neue Erfahrung werden.

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