Fußball-Bundesliga: Hertha als Team auf dem Weg Richtung Europa

Gemeinsamer Jubel: Die Spieler von Hertha BSC freuen sich über das 2:0 von Krzysztof Piatek.
Hannibal Hanschke/dpaDirekt nach dem Heimsieg über den FC Augsburg hatten die Spieler von Hertha BSC schon die Tabelle im Kopf. Mit dem Abstiegskampf haben die Berliner nach zehn Punkten aus vier Spielen nichts mehr zu tun, viel mehr geht der Blick nun Richtung Platz 6. Der würde zur Teilnahme an der Europa League berechtigen. „Es sind nur vier Punkte, es ist möglich“, kommentierte Herthas Torhüter Rune Jarstein.
Nach seinem Fehler gegen Leipzigspielte der Norweger gegen Augsburg wieder zu Null. Nach der ersten Halbzeit hatte man daran auch keinen Zweifeln – die Gäste schossen nicht einmal gefährlich auf Jarsteins Tor, die Hertha hingegen ließ nach dem 1:0 von Dilrosun beste Chancen aus. Im zweiten Durchgang war Augsburg jedoch die bessere Mannschaft und hatte zahlreiche Möglichkeiten zum Ausgleich und Pech, als Marco Richter nur die Latte traf. „Mit einem Quäntchen Glück und Rune im Tor haben wir das zu Null gehalten“, sagte Bruno Labbadia.
Hertha agiert als Einheit
Er wirkte beinahe entschuldigend, als er die schwache Leistung in der zweiten Halbzeit erklärte. „Der Tank war absolut leer. Wir mussten Leiden, aber es ist ein besonderer Sieg, weil wir nicht nur fußballerisch gut waren, sondern gemeinsam verteidigt haben.“ Seit der 54-Jährige und sein Team bei der Hertha übernommen haben, wirkt die Mannschaft defensiv gefestigt und beeindruckt auch mit einem gutem Pressing und schnellen Balleroberungen. „Die Mannschaft verteidigt geschlossen miteinander und spielt offensiv Fußball miteinander. Das haben wir vom ersten Tag an propagiert“, erzählt der Coach und beschreibt die vorherigen Schwächen. „Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren zu groß. Die einen sind vorne drauf gegangen, die anderen aber nicht nachgerückt.“ Doch unter dem neuen Trainer hat sich einiges verändert. „Was uns auszeichnet, ist: dass jeder für den anderen da ist. Wir sind ein Team geworden“, befand Maximilian Mittelstädt.
Labbadia hat ganzes Team im Blick
Auch Javairo Dilrosun, der für den verletzten Cunha (leichte Gehirnerschütterung) in die Startelf rückte, hatte viel Lob für Labbadia übrig. „Immer wenn ein neuer Trainer kommt, bringt er neue Energie mit. Und Bruno hat uns richtig viel Energie gegeben, uns wieder zu einem Team geformt. Er gibt uns Vertrauen und wenn du Vertrauen spürst, spielst du viel besser.“ Und dieses Vertrauen zeigte Dilrosun bei seinem Tor zum 1:0 als er den Ball gefühlvoll über Augsburgs Felix Uduokhai hob. „Das hat er genial gemacht“, freute sich Labbadia, der am Abend zuvor noch lange mit dem Holländer sprach. Auch Krzysztof Piatek rieb sich nach seiner Einwechselung auf und machte sein zweites Tor in Folge. „Ich war frisch und konnte der Mannschaft helfen und auch das Tor war wichtig für mich“, sagte der Pole. „Wenn es gut läuft, kümmere ich mich um die Spieler die nicht spielen, weil sie wichtig sind und wir sie brauchen“, sagte der Cheftrainer.
Das primäre Saisonziel, den Klassenerhalt zu sichern, wollte der Trainer aber nicht korrigieren. „Ich bin unfassbar demütig, was den Abstiegskampf angeht. Auch, wenn wir nur die Hälfte der Punkte geholt hätten, wäre das gut gewesen. Ich bin froh, dass wir uns da selbst rausgearbeitet haben, die zehn Punkte sind unfassbar wichtig, weil wir ein schweres Restprogramm vor uns haben.“
Für die Hertha geht es am kommenden Sonnabend zum Topspiel zu Borussia Dortmund (18.30 Uhr).