Fußball-EM 2024: Kroatien in Neuruppin – Team-Training ist „ein unglaubliches Erlebnis“

Kurze Ansprache vom Cheftrainer: Zlatko Dalić (mit erhobenem rechten Arm) beim Erläutern der Trainingseinheiten. Die Nationalmannschaft aus Kroatien hatte zum öffentlichen Training ins Volksparkstadion Neuruppin geladen. Mehr als 4000 Fans kamen.
Matthias Haack- Kroatiens Fußball-Nationalteam trainierte vor 4000 Fans in Neuruppin für die EM 2024.
- Begeisterung und Frust: Flitzer störten das Training, Autogrammjäger drängten.
- Luka Modrić und Co. boten technische Highlights, störten Flitzer das Training.
- Verkehrschaos bei Anreise, Sicherheitskräfte hatten viel zu tun.
- Kroatiens EM-Spiele: 15. Juni gegen Spanien, 19. Juni gegen Albanien, 24. Juni gegen Italien.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dieses hochinteressante Training der kroatischen Nationalmannschaft hätte am Montagabend liebend gern eine Stunde länger dauern können. Luka Modrić & Co. ließen eine technische Raffinesse nach der anderen aufblitzen. Immer wieder ging ein Raunen durchs mit 4000 Zuschauern gut, aber nicht gänzlich gefüllte Volksparkstadion des MSV Neuruppin. Und natürlich „Luka, Luka-Rufe“, vornehmlich aus Kindermund.
Doch Flitzer sorgten für ein vorschnelles Ende des einmaligen Abends. Zwar war das einzige öffentliche Training der Kroaten in Vorbereitung auf die Europameisterschaft bereits beendet. Doch aus den 20 Minuten lockere Trainingseinheiten mit Fußballtalenten aus der Region wurden „gefühlt nur fünf“, bedauerte Nele Peter. Die junge Fußballerin vom MSV Neuruppin hätte liebend gern mit den aufgeschlossenen kroatischen Nationalspielern weiter gekickt. Allerdings stifteten mehrere Flitzer Unruhe. Zum wiederholten Mal. Schon während der ersten Trainingsstunde waren Jugendliche über die Absperrung gesprungen und hatten für Unterbrechung gesorgt.
Von den Nationalspielern zugeworfene Bälle erwiesen sich als der Renner, für den manche Ellenbogen einsetzten. Es gab Tränen. Als „dumme Aktionen“ bezeichnet Marco Krüger aus Alt Ruppin das unberechtigte Vordringen der Flitzer aufs Stadiongrün. „Es scheint fast so, als ob das eine Art Wettbewerb unter den Jugendlichen ist.“
Zudem sei das Geschubse und Gestoße fürs Sammeln von Autogrammen zu groß, sagte der Co-Trainer des Landesligisten SV Eintracht. Krüger verzichtete sogar auf den erhofften Schriftzug auf dem mitgebrachten Fan-Shirt von Idol Mario Mandzukic. An Autogramme sei nicht zu denken gewesen, bestätigte Neles Vater Michael. Dazu sei der Andrang zu unkontrolliert für die vorn Stehenden gewesen. „Mir bleibt meine Akkreditierungskarte" als Erinnerung, bedauert die vom Fußball infizierte Neuruppinerin.

Gedränge am Absperrzaun: Als die Spieler aus Kroatien sich den Zuschauern im Volksparkstadion Neuruppin näherten, Bälle ins Publikum warfen und erste Autogrammwunsche erfüllten, bekamen die Sicherheitskräfte mächtig zu tun.
Matthias HaackEin mittleres Verkehrschaos gab es schon zwei Stunden vor der Anreise zum Volksparkstadion. Am Kreisverkehr auf der zuführenden Bundesstraße B 167 staute es sich zeitweise in beide Richtungen, weil das Rondell befahren wurde, obwohl der Vordermann schon im Kreisel gestoppt hatte. Im weiträumigen Volksparkstadion ging es weitaus sortierter zu. Unaufhörlich strömten die Zuschauer über den Wall und sorgten mit einer Farbenpracht für herrliche Bilder, teils im Nieselregen.
EM 2024: Olić und Mandžukić als Erste im Stadion Neuruppin
Gegen 17 Uhr, also eine Stunde vor dem offiziellen Start, betrat der kroatische Trainerstab mit sechs Mann das Grün, darunter die Ex-Bayern-Profis Ivica Olić und Mario Mandžukić. Sie bauten mehrere Zonen so geschickt auf, dass mindestens eine Trainingseinheit direkt vor den Augen der Fans absolviert wurde. Als am interessantesten erwiesen sich die Fußballspiele auf engstem Raum. Mehrfach wurde unterbrochen, weil sich einer der Kicker verletzt hatte. Bloß nicht fünf Tage vorm ersten Turnierspiel ausfallen.

Gefeierter Weltstar in Neuruppin: Luka Modrić forderte kurz freistehend beim Spiel in kleinen Trainingsgruppen den Ball vor den Augen seines Trainers Zlatko Dalic (links).
Matthias HaackVon „Gänsehaut“ auch Minuten nach dem Event spricht Mathias Seeger. Das Mitglied der Jugendabteilung vom MSV Neuruppin über die gemeinsame Zeit der Kinder und Kroaten: „Das hier sind Kinder der F- bis B-Jugend, weitgehend von Trainern und Betreuern, eben Leute, die ehrenamtlich beim MSV tätig sind – eine Art Dankeschön.“ Karten waren zudem an Kinder vom SV Eintracht Alt Ruppin und SV Union Neuruppin weitergegeben worden. Auch dort werde ja gute Nachwuchsarbeit geleistet, lobt Seeger.
„Wir hatten einen Plan, aber mit dem ersten Schritt war der über den Haufen geworfen“, sagt er über die wirre Endphase in mehreren Gruppen. „Den meisten Spaß hatten die Bambini, die Funino gespielt haben. Plötzlich standen sechs, sieben, acht Nationalspieler auf ihrem Feld. Das ist für alle ein unglaubliches Erlebnis.“
Nach weit mehr als einer Stunde sollte der Trainingsabend für 20 Minuten in lockere Spielformen mit Ruppiner Kindern übergeben. Das missglückte. Im Fokus der weitgehend jugendlichen Flitzer-Gruppen, die aus mehreren Richtungen kamen, stand Luka Modrić. Schnell hatten sich Sicherheitskräfte um ihn gestellt und begleiteten den Star vom frischen Champions League-Sieger Real Madrid zum Ausgang.
Es ehrt ihn, dass er sich trotz des Ansturms die Zeit nahm, um noch über Minuten Autogrammwünsche zu erfüllen. Auch die anderen, glänzend aufgelegten Nationalspieler sorgten mit Stift und Selfie für Zufriedenheit in der ersten Reihe der Autogrammzone.
EM 2024: Kroatien zwischen Neuruppin und Spanien
Das Team aus Kroatien hat sich in seiner Generalprobe für die Europameisterschaft am 8. Juni gegen Portugal mit 2:1 durchgesetzt. Ihr erstes Turnierspiel werden die Kroaten schon einen Tag nach dem Eröffnungsspiel (Deutschland gegen Schottland) am 15. Juni in Berlin austragen. Anpfiff gegen Spanien ist um 18 Uhr. Weiter geht es für die Elf um Luka Modrić am 19. Juni gegen Albanien (in Hamburg/15 Uhr) sowie am 24. Juni gegen den amtierenden Europameister Italien (in Leipzig/21 Uhr). Nicht ausgeschlossen, dass die Kroaten den Aufenthalt im Basecamp Neuruppin fortsetzen oder zurückkehren.

