Fußball in der Bundesliga: Union Berlin und Hertha BSC sind in der Krise – eine Bestandsaufnahme

Zwei Vereine in der Krise: Lucas Tousart (von links) und Kevin-Prince Boateng kämpfen mit Hertha BSC um den KLassenerhalt, während Dominique Heintz mit Union Berlin ebenso im Februar in der Bundesliga noch kein Spiel gewinnen konnte.
Sören Stache/dpaSechs Spiele, ein Punkt, 3:15 Tore - die Februar-Bilanz von Hertha BSC und Union Berlin in der Fußball-Bundesliga ist miserabel. Die Alte Dame steckt wieder tief im Abstiegskampf, die Eisernen sind nach dem Abgang von Max Kruse vom vierten auf den neunten Rang abgerutscht und stehen vor einem personellen Umbruch. Die Hertha, die mit etlichen Corona-Fällen im Kader wie im Umfeld zu kämpfen hat, spielt am 26. Februar um 15.30 Uhr beim Tabellensechsten SC Freiburg, Union Berlin empfängt zeitgleich im Stadion An der Alten Försterei den Tabellennachbarn FSV Mainz 05. Ein Blick auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten.
Anspruch von Union Berlin und Hertha BSC
Union Berlin: Die Eisernen liebten ihre Rolle als ewiger Underdog. Der Klassenerhalt war immer das Größte der Gefühle. „Wenn der geschafft ist, können wir darüber reden, was noch möglich ist“, sagt Trainer Urs Fischer auch jetzt. Doch natürlich haben sich auch die eigenen Erwartungen nach der Europacup-Qualifikation und Dauerzugehörigkeit in der oberen Tabellenhälfte geändert.
Hertha BSC: „Es wird eine Saison der Stabilität, die ist unser Ziel“, hatte Sportdirektor Arne Friedrich vor der Spielzeit gesagt. Auch wenn er es vermied, einen konkreten Tabellenplatz zu nennen, war klar: Die Mannschaft sollte unter Trainer Pal Dardai auf keinen Fall wieder lange um den Klassenerhalt zittern. Der Kader sei breiter und besser aufgestellt.
Wirklichkeit bei Union Berlin und Hertha BSC
Union Berlin: Für Union ging es jahrelang nur bergauf. Was auch passierte, Trainer Fischer formte das Team erfolgreich um, Geschäftsführer Oliver Ruhnert fand auf dem Transfermarkt die richtigen Lösungen. Jetzt scheint der Zauber verflogen. Die Abgänge von Robert Andrich, Marvin Friedrich und Max Kruse haben das eiserne Gefüge wacklig gemacht. Fischer moniert nach drei Niederlagen zu viele Nebengeräusche. Dazu zählt sicher auch die Ankündigung von Aufstiegsheld Grischa Prömel, im Sommer zur TSG Hoffenheim zu wechseln.
Hertha BSC: Die Charlottenburger sind alles andere als stabil. Ende November muss Pal Dardai nach wochenlangen Diskussionen gehen. Unter Nachfolger Tayfun Korkut, der nur einen Vertrag bis zum Sommer bekam, sieht es ergebnistechnisch aktuell sogar noch schlechter aus. Die Mannschaft steht nur einen Platz und Punkt vor dem Relegationsrang, steckt wieder mitten im Abstiegskampf. Das Team kassiert die zweitmeisten Tore in der Liga und erspielt sich am anderen Ende mit am wenigsten Torchancen.
Ursache bei Union Berlin und Hertha BSC
Union Berlin: Für Trainer Fischer fehlt derzeit eigentlich nur das Spielglück. Davon hatte Union tatsächlich oft reichlich. Doch so einfach ist es vermutlich nicht. Auch in Köpenick muss man die Statik des Fußballs akzeptieren. Die drei Säulen Andrich, Friedrich, Kruse zu verlieren, ist eben nicht zu kompensieren, schon gar nicht mitten in der Saison. Union lebt von seinem Kollektiv, das nun womöglich zu stark erschüttert wurde.
Hertha BSC: Schon im Sommer wirkte es so, als ob Pal Dardai nicht der Wunschkandidat als Trainer gewesen wäre. Quasi seit Saisonbeginn war die Stimmung schlecht. Zwar versucht Geschäftsführer Sport Fredi Bobic den Kader nach und nach umzubauen, doch durch die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise müssen auch bei Hertha kleinere Brötchen gebacken werden. Es ist unklar, für welchen Fußball man eigentlich stehen will. Dazu kommen Verletzungspech und eine Häufung von Corona-Fällen.
Perspektive von Union Berlin und Hertha BSC
Union Berlin: Absteigen wird Union nicht. 34 Punkte sind ein sattes Polster. Nur mit Europa wird es diesmal in der aktuellen Form wohl nichts werden. Das ist zu verschmerzen. Doch auf Ruhnert wartet in diesem Sommer eine große Aufgabe. Wieder muss er ein neues Team geformt werden. Fischer muss schon jetzt am neuen Gefüge basteln, Spieler aus der zweiten Hierarchie-Reihe befördern. Sonst könnte es in der kommenden Saison dann wirklich nur um den Klassenerhalt gehen.
Hertha BSC: Zunächst muss die Alte Dame den Worst Case Abstieg verhindern. Noch genießt Korkut dafür die Rückendeckung von Bobic, schließlich ist er auch sein Kandidat. Dass der Türke auch in der nächsten Saison an der Seitenlinie steht, erscheint trotzdem unwahrscheinlich. Niko Kovac und Roger Schmidt werden als Nachfolger gehandelt. Dazu verlässt Friedrich den Verein auf eigenen Wunsch im Sommer, die Zukunft zahlreicher verliehener Spieler muss geklärt werden. Große Sprünge auf dem Transfermarkt werden erneut kaum möglich sein. Es mangelt also nicht an Baustellen bei der Hertha.



