Interview
: Amateur-Schiedsrichter im Interview: „Dann gibt’s Gelb“

Christopher Ortmann ist im Hauptberuf Müllwerker, am Wochenende pfeift er Spiele der unteren Ligen in Berlin. „Schiedsrichter sind für alle die Sündenböcke“, sagt er.
Von
Michael Gabel
Berlin
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Schiedsrichter Christopher Ortmann.

Michael Gabel

Herr Ortmann, macht das Schiedsrichtern noch Spaß?

Eigentlich schon. Aber es gibt auch Tage, an denen es nicht so toll ist. Wenn man zum Beispiel weiß, dass man es gleich mit einer Mannschaft zu tun hat, mit der es früher Probleme gab. Aber jedes Spiel fängt bei null an.

Was war das Schlimmste, das Sie erlebt haben?

Es ist schon eine Weile her, da musste ich ein Spiel in Neukölln pfeifen, BFC Südring gegen SC Siemensstadt. Nach 40 Minuten verwarne ich einen Spieler von Südring wegen eines Foulspiels. Zwei Minuten später pfeife ich wieder, und derselbe Spieler schlägt vor Wut den Ball weg. Also Gelb/Rote Karte. Da ist der Spieler so sauer, dass er mir die Karten aus der Hand schlägt.

Und dann?

Habe ich das Spiel sofort abgebrochen und bin in die Kabine. Plötzlich stehen da auch die Spieler und gehen richtig aggressiv auf mich los. Da hab ich die Polizei gerufen. Die kam dann mit sieben Mannschaftswagen und fünf Funkwagen.

Haben Sie anschließend wieder ein Südring-Spiel gepfiffen?

Ja, aber da sind jetzt andere Spieler in der Mannschaft, und so hat sich alles wieder beruhigt.

Ist die Situation für die Schiedsrichter schwieriger geworden?

Man merkt, dass in den unteren Fußball-Ligen immer mehr Kulturkreise dazukommen. Da liegen bei den Spielern schneller die Nerven blank. Viele verstehen nicht den Unterschied zwischen normaler Kommunikation und ständigem Meckern und dergleichen. Drei-, viermal lasse ich das noch durchgehen. Dann gibt’s Gelb.

Sie stehen beinahe jedes Wochenende auf dem Platz. Lohnt sich das finanziell?

Bestimmt nicht. Ab Januar bekomme ich 25 Euro pro Einsatz. Ich meine, man müsste das zumindest anpassen an den Mindestlohn. Mit Anfahrt, Vor- und Nachbereitung wären das Minimum 50 Euro.

Ist ein Teil davon Schmerzensgeld?

Ja, das kann man so sagen. Denn wir Schiedsrichter sind für alle die Sündenböcke – für Spieler, Trainer, Zuschauer. Die schimpfen ohne Ende. Und wenn sie dann ihren Frust rausgelassen haben, können sie glücklich nach Hause gehen.

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