Koch aus Köpenick, die Eisern-Kolumne: Abriss der Alten Försterei sorgt für Wehmut

Die Eisern-Kolumne: Matze Koch schreibt ab sofort in der Kolumne über die Lage bei Union Berlin – auf und neben dem Platz in Köpenick.
Matthias Koch- Das Stadion An der Alten Försterei des 1. FC Union Berlin wird ab Sommer 2027 erweitert.
- Die Kapazität soll von 22.000 auf bis zu 40.500 Plätze steigen, dafür werden drei Tribünen abgerissen.
- Fans halfen 2008/09 freiwillig bei der Modernisierung, leisteten über 140.000 Arbeitsstunden.
- Stadionbauleiterin Sylvia Weisheit erinnert sich an Wehmut und Tränen vor der letzten Modernisierung.
- Der Umbau ist notwendig, um wirtschaftlich mit anderen Bundesligisten mithalten zu können.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am 20. Januar ist der 1. FC Union stolze 60 Jahre alt geworden. Bei der Betrachtung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Klubs besitzt die Spielstätte der Eisernen allergrößte Bedeutung. Das Stadion An der Alten Försterei wird bei jedem Heimspiel wie ein Wallfahrtsort besungen.
Viele Fans besitzen eine besondere Beziehung zum größten reinen Fußballstadion der Hauptstadt. Sie haben bei der Modernisierung der drei Stehplatztribünen mitgewirkt. Zwischen dem 2. Juni 2008 und dem 8. Juli 2009 taten dies 2333 freiwillige Helfer. Sie leisteten mehr als 140.000 Arbeitsstunden ab. Den von den Fans geschaffenen Wert bezifferte der Verein später auf über vier Millionen Euro.
Immer um 7 Uhr wurden die Freiwilligen von Stadionbauleiterin Sylvia Weisheit mit demselben Ritual empfangen: „Guten Morgen, liebe Stadionbauer. Ich begrüße euch auf der schönsten Baustelle der Welt.“ Im von Autor dieser Zeilen moderierten „Rot-Weißen Salon“, der sich im Altstadttheater Köpenick vierteljährlich mit dem Union-Geschehen beschäftigt, hat Weisheit diese Sätze am Dienstag auf Bitte im Stehen noch einmal wie früher vorgetragen.
Mit dem Stemmhammer im Stadion von Union Berlin
Ich habe die Worte in der Drittliga-Saison 2008/09, in der Union seine Heimspiele im ungeliebten Jahnsportpark austragen musste, einige Male gehört – zugegebenermaßen in der Regel fast immer als journalistischer Beobachter. Denn bald sorgten Unions Stadionbauer auch überregional für Schlagzeilen. Sie wurden Kult.
Am 14. April 2009 riss ich aber tatsächlich auch mal selbst eine Acht-Stunden-Schicht ab. Ich wollte wissen, wie sich das anfühlt. Ich bekam einen Stemmhammer in die Hand. Nach kurzer Einweisung durfte ich Beton für einen Graben zwischen der alten Haupttribüne und den Stufen auf der Waldseite aufstemmen. Ich, der selbst Gartenarbeit scheut, hatte danach zwei Tage lang Muskelkater. Mit dem Bau der neuen Haupttribüne war meine „Leistung“ längst wieder verschwunden. Aber ich denke gelegentlich daran, wenn ich über den Ort meiner „Plage“ mit dem Fotokoffer in Richtung Spielfeld rolle.

Sylvia Weisheit hat beim 1. FC Union Berlin den Umbau des Stadions an der Alten Försterei 2008/09 geleitet.
Matthias KochTränen vor der Modernisierung 2008
Noch ärger dürfte es den Stadionbauern von Union gehen, wenn die Erweiterung der Alten Försterei von 22.000 auf bis zu 40.500 Besucher erfolgt. Im Sommer 2027 soll es losgehen. Das Werk der Kult-Stadionbauer verschwindet demnächst also für immer. Die drei Stehplatztribünen werden komplett abgerissen. Die ehemalige Bauleiterin Sylvia Weisheit sieht das so: „Natürlich denkt man mit Wehmut darüber nach. Der Verein verliert aber pro Jahr viele Millionen Euro gegenüber anderen Bundesligisten, weil wir nicht so viele Leute ins Stadion bringen können. Ich gehe seit 1977 in dieses Stadion und habe die Entwicklung mitgemacht.“
Weisheit gehörte 1978 zu Unions Stadionbauern der ersten Stunde, als die Zuschauerbereiche auf der Wuhleseite vergrößert wurden. Sie hat auch noch jene Fans vor Augen, die vor Beginn der Modernisierung 2008 Trauer trugen. „Ich sehe alle noch auf der Tribüne sitzen und weinen, weil wir das Stadion abreißen. Und heute denkt keiner mehr darüber nach“, erinnert sich Weisheit. „Wenn wir weiter Bundesliga spielen wollen, dann müssen wir auch weiter in die Infrastruktur investieren.“
Matze Koch – ganz nah dran am 1. FC Union Berlin
Mit Mitte 50 darf Matthias Koch nun regelmäßig eine Kolumne schreiben, die sich mit dem 1. FC Union Berlin beschäftigt. Das ist nur folgerichtig, schließlich ist er als Reporter so nah dran am Fußball-Bundesligisten wie sonst kein anderer.
Seit mehr als 26 Jahren wirft er täglich einen Blick auf den Verein aus Köpenick. Und wahrscheinlich ist er sogar öfter am Stadion an der Alten Försterei als mancher Spieler oder Trainer. Der Köpenicker, den alle nur „Matze“ nennen, hat den Verein wachsen sehen. Er kennt viele Menschen, die den Verein prägen, ganz persönlich. Und Matze kennt die Geschichten, die im und über den Verein erzählt werden. In „Koch aus Köpenick“ hält er sie fest.

