Neuer Trainer bei Union Berlin
: Baumgart kann viel gewinnen – aber auch verlieren

Steffen Baumgart kehrt zu Union Berlin zurück – diesmal als Trainer. Solche Rückholaktionen einstiger Spieler haben Charme, sind aber nicht ungefährlich.
Kommentar von
Frank Noack
Berlin
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Steffen Baumgart: ARCHIV - 15.09.2024, Hamburg: Fußball: 2. Bundesliga, Hamburger SV - Jahn Regensburg, 5. Spieltag, Volksparkstadion. Hamburgs damaliger Trainer Steffen Baumgart spricht nach dem Spiel während einer Pressekonferenz. (zu dpa: «Sky: Baumgart wird neuer Trainer beim 1. FC Union Berlin») Foto: Gregor Fischer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Steffen Baumgart kehrt zum 1. FC Union Berlin zurück – diesmal als Trainer. Von 2002 bis 2004 wurde er als Spieler zum Publikumsliebling im Stadion an der Alten Försterei.

Gregor Fischer/dpa

Steffen Baumgart ist zurück bei Union Berlin. Das klingt für Fußball-Romantiker wie die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Und ein wenig ist es ja auch so. Immerhin brauchte Baumgart damals als Spieler von 2002 bis 2004 nur ganze zwei Jahre, um zum Publikumsliebling in Berlin-Köpenick zu werden. „Baumi, der Kämpfer“ – so einen lieben die Fans der Eisernen.

Für Romantik ist in der knallharten Fußballbranche aber nur selten Platz. Darauf muss sich auch Steffen Baumgart bei seinem zweiten Engagement in Köpenick einstellen. Er kann als Trainer von Union Berlin viel gewinnen – aber auch verlieren.

Gewinnen kann Steffen Baumgart vor allem dann, wenn er es schafft, einerseits die unter seinem Vorgänger Bo Svensson wieder gewonnene Stabilität der Mannschaft in der Defensive beizubehalten und andererseits der Offensive endlich zu mehr Durchschlagskraft zu verhelfen. Der Rückendeckung der Fans kann sich Baumgart dank seiner Vergangenheit sowieso sicher sein.

Doch der Rückkehrer hat auch viel zu verlieren. Nämlich dann, wenn Union Berlin auch mit dem vierten Trainer innerhalb eines Jahres nicht die Trendwende schafft und noch tiefer in den Tabellenkeller rutscht. Dann dürfte Baumgarts Status als Publikumsliebling aus der Vergangenheit einige Kratzer bekommen. Zumal die Erwartungshaltung bei einstigen Helden besonders groß ist.

Steffen Baumgart: der Publikumsliebling

In diesem Zusammenhang lohnt der Blick gut 100 Kilometer südwärts zum FC Energie Cottbus, wo Steffen Baumgart übrigens auch als Spieler tätig war und sogar mehr Spiele absolviert hat als bei Union Berlin. In Cottbus gab es eine ähnliche Rückholaktion mit Vasile Miriuta. Der Mann mit der Glatze schoss Energie Cottbus mit seinen genialen Freistößen und Pässen bis in die Bundesliga und erlangte damit Heldenstatus in der Lausitz. 15 Jahre später kam der Rumäne als Trainer zurück, der den Verein in der 3. Liga halten sollte. Nach nur sieben Monaten war Schluss. Abstieg. Miriuta geht als genialer Spieler und gescheiterter Trainer bei seinem Herzensverein in das Geschichtsbuch ein.

Es liegt nun an Steffen Baumgart, dass er bei Union Berlin nicht ein ähnliches Schicksal erleidet. Baumgart hat einen wichtigen Vorteil: Anders als Miriuta damals die 3. Liga kennt er die Bundesliga sehr genau. Baumgart weiß also, worauf er sich einlässt. Das ist eine gute Voraussetzung, damit diese Rückkehr vielleicht doch ganz nach dem Geschmack von Fußball-Romantikern verläuft. In jedem Fall ist in Köpenick jetzt wieder „Baumi, der Kämpfer“ gefragt.