Night of the Jumps: Kai Haase: Motocross-Freestyle ist mehr als ein Job

Fühlt sich in der Luft wohl: Kai Haase
Night of the JumpsHerr Haase, hätten Sie sich jemals vorstellen können, zu den besten Drei Freestyle-Motocrossfahrern Deutschlands zu gehören?
Als kleiner Junge, als Night of the Jumps in der Max-Schmeling Halle stattfand, war ich als Zuschauer vor Ort. Es war als Jugendlicher mein größter Traum, vor so einem Publikum zu fahren. Es freut mich jedes Mal, nun ein Teil davon zu sein und zu zeigen, was ich auf dem Motorrad kann.
Sie haben vor gut zehn Jahren mit dem Motocross-Freestyle angefangen. Wie hat sich der Sport entwickelt?
2002 gab es den ersten Backflip, also eine Rückwärtsrolle mit dem Motorrad. Damals haben wohl Mathematiker ausgerechnet, dass das mit einem Motorrad nicht geht. Mittlerweile gibt es einen Fahrer, der drei Backflips in einer Flugphase macht. Aber das ist die natürliche Entwicklung eines Extremsports. Die Tricks werden größer und spektakulärer, sonst würde es langweilig werden. Ich habe auch einige verrückte neue, vielleicht dumme, Ideen. (lacht).
Die US-amerikanischen Athleten gelten als Pioniere des Sports. Kommen die europäischen Fahrer mittlerweile an das Niveau heran?
Ich habe dieses Jahr tatsächlich festgestellt, dass die Europäer mit der Night of the Jumps viel professioneller geworden sind als die Amerikaner. Der Sport ist in dem Verruf, die große Party-und Rockstarszene zu sein, weil die nur ein paar Sprünge hinzaubern, aber mit der Weltmeisterschaft hat sich das alles sehr professionalisiert, da ist nicht viel mit Party.
Aber Sie sind auch als Rennfahrer unterwegs.
Vergangenes Jahr bin ich ein Rennen in den USA mitgefahren, das war ein Kindheitstraum von mir. Genau wie vor zwei Jahren als ich an einem Hallencross-Rennen teilgenommen habe. Mit dem Freestyle-Motocross verdiene ich mein Geld und Motocross-Rennen sind Spaß und mein Hobby.
Wie sieht Ihr Zeitplan bis zu den Night of the Jumps im Februar aus?
Ich werde jetzt ein bisschen Pause machen, weil mein Jahr relativ anstrengend war. Ich habe zu Beginn des Jahres einen Trick gezeigt, den kein anderer auf der Welt kann. Den kann ich aber bei der Night of the Jumps nicht zeigen, weil ein anderes Element eingebaut ist.
Wie sieht dieser Trick aus?
Ich springe auf einen Lift, der auf acht Meter Höhe gefahren wird, berühre den Lift mit dem Vorderrad, ziehe die Vorderradbremse und daraus resultiert ein Frontflip. Ich will mir jetzt bis Ende des Jahres eine Pause nehmen und nicht an Motorrad fahren denken. Ab Neujahr werde ich dann Vollgas geben, damit ich in Berlin in Topform antreten kann.
Was für Gedanken gehen einem in acht Metern Höhe durch den Kopf?
Man ist komplett fokussiert und weiß, was passiert. Man trainiert lange dafür und hat die Abläufe drin. Man ist so konzentriert darauf, dass die Dinge so ablaufen, wie man sie plant. Selbst, wenn eine Bombe neben mir einschlagen würde, wäre mir das ziemlich egal, weil ich weiß, dass ich diese bestimmte Körperdrehung machen muss oder meine Hand an diese Stelle muss, damit ich sicher lande.
Bleiben Sie zum Training in Brandenburg?
Das kommt auf das Wetter an. Den Frontflip-Trick konnte ich im Januar und Februar in Deutschland trainieren. Aber, wenn es mir hier zu kalt ist, dann habe ich eine gute Trainingsmöglichkeit in Lleida in Spanien. Da trifft sich im Winter die Freestyle-Elite Europas.
Sie sind gelernter Zweiradmechaniker. Gibt es schon Pläne für die Zeit nach der Karriere?
Der Motocrosssport ist eine Leidenschaft, das ist nicht einfach nur ein Job. Ich fahre seit mehr als 25 Jahren und es wird immer Teil meines Lebens bleiben. Momentan komme ich viel in der Welt rum und kann neue Kulturen kennenlernen. Ich war in China, Australien, Chile. Ohne den Sport hätte ich das niemals machen können. Ich genieße den Moment und weiß auch, dass ich vielleicht in zehn Jahren ganz normal arbeiten gehen muss.
Zur Person
Kai Haase wurde am 8. Oktober 1991 in Berlin geboren und wuchs in Brandenburg auf. Sein Trainingsgelände befindet sich auf der Motocross-Strecke in Schenkenhorst (Potsdam-Mittelmark). Seit seinem Ausbildungsende 2013 ist er professioneller Motocross-Freestyler. In der RTL-Fernsehshow "Das Supertalent" kam er 2013 bis ins Halbfinale.⇥lgr