Robert Klauß
: Von Eberswalde auf die Leipziger Trainerbank

Robert Klauß ist seit der Saison Co-Trainer von Ralf Rangnick bei RB Leipzig. Lukas Grybowski sprach mit dem 34-Jährigen.
Von
Lukas Grybowski
Leipzig
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Voll im Profigeschäft: Robert Klauß (l.) und Verteidiger Marcello Saracchi von RB Leipzig

RB Leipzig

Als der Eberswalder Robert Klauß nach Leipzig kam, gab es den Fußballclub noch gar nicht. Nun, knapp 15 Jahre später, sitzt Klauß auf der Trainerbank beim Bundesligisten. Lukas Grybowski sprach mit dem 34-Jährigen vor dem Bundesligaspiel gegen Hertha BSC.

Herr Klauß, sind Spiele gegen Hertha BSC immer etwas Besonderes für Sie?

Nein, nichts ganz Besonderes. Ich habe schon eine gewisse Verbindung zu Hertha, aber einfach weil es der Verein aus meiner Heimatregion ist.Ich bin am östlichen Rand von Berlin aufgewachsen, da war Hertha nicht ganz so nah dran. Aber ich war früher oft im Stadion.

Also haben Sie einfach die Nähe zu einem Bundesligisten genutzt?

Ja, genau. Ich wohne jetzt schon länger in Leipzig, trotzdem verfolge ich Hertha intensiver als andere Bundesligisten. Ich habe jetzt keine emotionale Bindung, das ist einfach aus Interesse.

Haben Sie denn die vergangene Länderspielpause genutzt für ein paar Tage in der Heimat?

Nein, leider nicht. Aber es steht bald wieder an. Ich bin regelmäßig in der Heimat und habe noch viel Kontakt. Meine Eltern wohnen in Bernau, meine Großeltern in Eberswalde und mein kompletter Freundeskreis in Berlin.

Haben Sie auch ein Auge auf ihre Ex-Vereine wie den FC Strausberg oder Preussen Eberswalde?

Die beiden Teams verfolge ich noch über das Internet. Ich schaue mir jedes Wochenende die Ergebnisse und die Aufstellungen an, kenne aber nur noch wenige Spieler oder Verantwortliche persönlich. Das letzte Mal war ich vor eineinhalb Jahren bei einem Spiel in Eberswalde.

Sieht man das Spiel dann auch aus der Trainerperspektive?

Wenn ich mir so ein Spiel anschaue, dann will ich es auch genießen und vor allem mit alten Bekannten sprechen. Ich schaue nur mit einem halben Trainer-Auge hin und will eher die Atmosphäre genießen. Aber es ist leider zu selten, weil wir am Wochenende meist selbst spielen und wenn wir frei haben, dann ist auch oft fußballfreie Zeit in den Amateurligen.

Sie waren lange Zeit Jugendtrainer. Seit Sommer sind Sie Co-Trainer der Profimannschaft. Konnten Sie das alles schon realisieren?

Als ich nach Leipzig kam, gab es den RB Leipzig noch gar nicht und es gab auch keinen höherklassigen Verein. Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, dann hätte ich mir das nicht träumen lassen. Das ist einfach eine wunderschöne Entwicklung des Vereins und der Stadt.

Sie sind 2015 bei der Show „Schlag den Raab“ angetreten und spielten um eine halbe Millionen Euro. Wären Sie auch Trainer geworden, wenn Sie dort gewonnen hätten?

Natürlich. Ich habe nicht bei der Sendung mitgemacht, um danach einen anderen Job zu machen, oder gar nicht mehr zu arbeiten. Mir ging es eher um den sportlichen Ehrgeiz. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits Jugendtrainer bei RB Leipzig und es war klar, dass ich weiterhin als Fußballtrainer arbeiten möchte.

Sie haben den Fußballlehrer als Jahrgangsbester gemacht. Wie muss man sich das vorstellen? Kommt dann einfach Ralf Rangnick vorbei und fragt, ob man in der kommenden Saison als sein Co-Trainer arbeiten möchte?

Wir kennen uns schon lange und in meiner Zeit als Nachwuchstrainer haben wir uns regelmäßig ausgetauscht. Als der Abschied von Ralph Hasenhüttl feststand und, dass Ralf Rangnick für ein Jahr übernimmt, ist er an mich herangetreten und hat gesagt, dass er mich gerne dabei haben möchte. Da habe ich natürlich keine Sekunde gezögert und mich sehr gefreut.

Aber Ihr langfristiges Ziel ist, Cheftrainer einer Profimannschaft zu werden?

Bisher war mein Motto immer, dass ich als Trainer im Hier und Jetzt das bestmögliche rausholen möchte und alles andere ergibt sich dann automatisch. Es ist sicherlich vorstellbar und wäre schon auch ein Traum von mir, aber nicht um jeden Preis.

Haben Sie sich schon während Ihrer Spielerkarriere wie ein Trainer gedacht?

Ich habe Fußball immer nur im gehobenen Amateurbereich nebenbei gespielt. Ich habe mir aber schon früh Gedanken über die Gegner gemacht und wie wir spielen können. Bereits mit Anfang 20 habe ich angefangen, als Nachwuchstrainer zu arbeiten, weil es mir viel Spaß gemacht hat. Je älter ich wurde, umso mehr habe ich auf dem Platz wie ein Trainer gedacht. Das war auch nicht immer einfach für meine Trainer.

Im kommenden Sommer kommt Julian Nagelsmann als neuer Trainer nach Leipzig. Sind Sie dann auch noch als sein Co-Trainer auf der Bank?

Darauf liegt aktuell nicht mein Fokus. Auch weil Julian noch in Verantwortung in Hoffenheim ist und wir hier auch noch einen spannenden und wichtigen Saisonendspurt haben. Insgesamt ist die Verpflichtung natürlich eine extrem kluge und sinnvolle Entscheidung des Vereins. Wir haben einen sehr jungen Kader, der noch viel Potenzial hat und dann einen Trainer zu holen, der ähnlich ist, hat mich extrem gefreut.

Das Hinspiel gegen Hertha BSC haben sie deutlich gewonnen. Was erwarten Sie nun für das Spiel?

Es wird ein schweres und unangenehmes Spiel, da sie momentan besonders auswärts gut drauf sind. Im letzten Jahr hat Hertha bei uns gewonnen und Pal Dardai ist bekannt, seine Mannschaft an den Gegner anzupassen und besondere Matchpläne auszutüfteln. Es wird sicherlich die eine oder andere Überraschung geben, auf die wir uns vorbereiten müssen. Ich glaube aber, dass wir wieder dran sind mit einem Heimsieg, um die Schlussphase der Saison erfolgreich einzuleiten.

Wird Ihre Familie am Wochenende im Stadion sein?

Mein Vater wird zu Besuch sein, aber das ist unabhängig vom Gegner. Als wir in Berlin gespielt haben, waren viele Freunde auf der Tribüne. Da nutzen wir dann auch die Zeit nach dem Spiel, um einfach nochmal kurz miteinander zu reden.