Schock: Tod von Kobe Bryant erschüttert die Basketballwelt

Fans nehmen an einer Gedenkveranstaltung für den verstorbenen Basketballspieler Bryant vor dem Staples Center teil. Der ehemalige Basketball-Superstar Bryant ist am 26.01.2020 bei einem Hubschrauberabsturz in Kalifornien tödlich verunglückt.
Keith Birmingham/dpaAuch am Tag danach trauerte die Sportwelt um die Basketball-Legende, der mit seiner Tochter Gianna und sieben weitere Personen am Sonntag bei einem Hubschrauberabsturz in der Nähe von Los Angeles tragisch ums Leben gekommen war. Den Bürgern von Los Angeles ebenso wie Fans rund um Amerika hatte die Nachricht Tränen in die Augen getrieben. Viele kündigten an, am Montag der Arbeit fernbleiben zu wollen und zu trauern.
Denn Bryant war mehr als nur ein Superstar des Sports. „Kobe“ zählte zu den wenigen Persönlichkeiten, bei denen der Vorname reichte, und man wusste sofort, von wem die Rede ist. Ein absoluter Weltstar, der von einem fast an Mythos grenzenden Stigma umgeben war und als Persönlichkeit deswegen so herausragte, weil er zugleich von Widersprüchen geprägt war und während seiner glorreichen Karriere auch Feinde hatte. Am Abend nach dem Unglück wurden Spiele in der Profiliga NBA von Schweigeminuten unterbrochen, um eine der Allergrößten des Basketballs zu ehren. Ihre Erschütterung über das Ableben des fünffachen NBA-Meisters hatten Spieler, Showstars und Politiker in Tweets, bei Fernsehauftritten oder Interviews zum Ausdruck gebracht.
Auf dem Weg zum Spiel
Dabei war es Kobe nur darum gegangen, mit seinem Privathubschrauber die berüchtigten Staus auf den Highways um Los Angeles zu vermeiden und zusammen mit zwei befreundeten Familien zu einem Spiel von Giannas Auswahlmannschaft zu fliegen. Der Grund für den Absturz des Helikopters vom Typ Sikorsky S-76 war auch am Montag unklar. Für wahrscheinlich halten Experten, dass der Pilot im dichten Nebel die Orientierung verloren hatte und so ins gebirgige Gelände stürzte. Die lokale Polizei hatte an diesem Tag wegen des schlechten Wetters und der geringen Sichtweiten für die eigene Hubschrauberflotte ein Flugverbot angeordnet. Private Maschinen durften aber nach wie vor starten.
Geboren wurde Bryant in Philadelphia, wuchs aber in einem ganz anderen Milieu auf als viele der heutigen Spieler. Sie verbringen als Kinder ihre Nachmittage in den Armenvierteln, träumen davon, eines Tages entdeckt zu werden und der Armut zu entfliehen. Vater Joe war selbst Basketballer und beendete seine Karriere in der italienischen Profiliga. Folglich wuchs Kobe zweisprachig auf, Fußball war seine andere sportliche Leidenschaft und schon als junger Mann war er von einer Weltoffenheit geprägt, die man in der NBA selten antrifft.
Trainer und NBA-Rekrutierer, die Bryant direkt aus der High School anwarben, beschrieben einen ungewöhnlich reifen, ehrgeizigen und disziplinierten Teenager. Er verbrachte seine gesamte 20 Jahre lange Karriere mit den Los Angeles Lakers, hatte bei der Ankunft in der Traumfabrik aber erklärt, dass „Partys uninteressant sind“, er „faule Leute nicht mag“ und einfach trainieren wolle, um sein Spiel zu perfektionieren.
Der Spitzname „Black Mamba“, den er sich zulegte, sollte Bryants Verbissenheit, seine Aggression auf dem Platz und jene „tödlichen“ Spielzüge zum Ausdruck bringen, mit denen er Gegner zur Verzweiflung brachte und ihnen gleichzeitig Bewunderung entlockte. So etwa, als er in einem Spiel 81 Punkte machte und ehrfürchtige Gegner ihn anschließend baten, den Ausdruck der Spielstatistik zu unterschreiben.
An Rekorden fehlte es während der zwei Jahrzehnte währenden Karriere keineswegs. Fünfmal errang Bryant den NBA Meistertitel, drei davon mit Shaquille O’Neal, mit dem Kobe eine Hassliebe verband. 18-mal wurde er in die All-Star-Team gewählt, gewann zweimal die Auszeichnung des wertvollsten Spielers in der Finalserie und wurde 2008 zum „Most Valuable Player“ der gesamten Saison gekürt. Kontrovers war Kobe, weil er als arrogant galt. Er stand 2003 in den Schlagzeilen, als eine 19-jährige Hotelangestellte ihm vorwarf, sie vergewaltigt zu haben. Die Anklage wurde nach einem außergerichtliche Vergleich zurückgezogen.
Nach dem Ende seiner Spielerkarriere mutierte Bryant aber zum soliden Familienvater, der sich Ehefrau Vanessa und deren vier Töchtern sowie seiner Basketballakademie und diversen unternehmerischen Projekten widmete. Dass die Selbstsucht unbestreitbarer Reife gewichen war, bewies Kobe Bryant am Tag vor seinem Tod mit seinem letzten Tweet. Er gratulierte LeBron James dafür, ihn auf der Rangliste der meisten Punkte in einer Karriere auf den vierten Platz verwiesen zu haben: „Viel Respekt, mein Bruder“ schrieb er.
Michael Jordan, Magic Johnson, Barack Obama und viele weitere trauern
Politiker, Sportler und Prominente sprachen den Familien über die sozialen Netzwerke ihr Beileid aus.
Barack Obama (ehemaliger US-Präsident): "Kobe war eine Legende auf dem Platz und gerade erst am Beginn von etwas, was ein bedeutungsvoller zweiter Akt werden sollte. Auch Gianna zu verlieren ist für uns als Eltern noch herzzerreißender. Michelle und ich senden Liebe und Gebete an Vanessa und die gesamte Bryant-Familie."
Donald Trump (US-Präsident): "Das sind schreckliche Nachrichten."
Michael Jordan (NBA-Legende): "Ich bin geschockt. Worte können nicht den Schmerz ausdrücken, den ich fühle. Ich habe Kobe geliebt – er war wie ein kleiner Bruder für mich. Wir haben oft gesprochen, und diese Unterhaltungen werde ich sehr vermissen. Er war ein gefürchteter Wettkämpfer, einer der Größten des Sports und eine kreative Kraft."
Earvin "Magic" Johnson (NBA-Ikone): "Ich liebe ihn, seine Familie und wofür er auf und neben dem Platz stand. Es ist so hart zu akzeptieren. Kobe war der Anführer unseres Spiels." ⇥sid
