Siegesserie: Dritter Pflichtspielsieg in Folge
Nach dem schweren Pokalhalbfinale am vergangenen Mittwoch in Chemnitz, das die Leipziger im Elfmeterschießen verloren, hatte Lok-Coach Björn Joppe zwar auf mehreren Positionen umgestellt, wollte das aber nicht als Ausrede gelten lassen. Immerhin betreiben die Messestädter den Regionalligafußball seit dieser Saison als Vollprofitruppe. Ingo Kahlisch sah dagegen keine Veranlassung, personell nach dem Auswärtssieg in Bautzen etwas zu ändern. Ganz zu Beginn trat der Favorit aus Sachsen auch wie ein solcher auf. Peter Misch flankte, Djamal Ziane köpfte - 0:1. Da waren gerade anderthalb Minuten herum. Die Optik-Elf berappelte sich schnell, Süleyman Kapan setzte ein erstes Achtungszeichen, scheiterte aber an Benjamin Kirsten. Der Sohn der einstigen DDR-Stürmerlegende war dann allerdings bei zwei Strafstößen zweimal machtlos. Hatte FCL-Coach Joppe nämlich bei einigen seiner Akteure mangelndes Engagement kritisiert, galt das sicherlich nicht für Markus Krug.
Im Gegenteil, der Verteidiger war übermotiviert, streckte erst Cüneyt Top und wenig später Süleyman Kapan zu Boden. Da beides im Strafraum geschah, zeigte Schiedsrichter Rasmus Jessen aus Berlin zweimal auf den Punkt. Den ersten platzierte Emre Turan (25.) so genau ins Eck, das der die Ecke ahnende Kirsten nicht herankam, beim zweiten von Caner Özcin (29.) entschied sich der Lok-Keeper für die falsche Seite. Binnen vier Minuten hatte der FSV das Spiel gedreht. Und nicht nur das, die Rathenower machten weiter, zeigten eine ganz starke Leistung und belohnten sich. Einen Freistoß bekamen die Blau-Gelben zu dritt nicht geklärt, Süleyman Kapan (35.) schoss aus der Drehung zum 3:1 ins Netz. Kurz vor der Pause kamen auch die Sachsen noch zu einer Chance, Aleksandar Bilbija klärte prima gegen Maximilian Pommer.
Aus der Kabine kam das Lok-Team mit zwei Wechseln und viel Kampfgeist. Die Leipziger waren nun am Drücker, doch außer bei einem Schuss von Ziane musste Optik-Schlussmann Luis Zwick nicht ernsthaft eingreifen. Auf der Gegenseite verfehlte ein Kapan-Kopfball das Ziel ganz knapp, ehe Cüneyt Top eine Flanke von Caner Özcin nach einer Stunde zum 4:1 ins lange Eck schoss.
Den Messestädtern fiel danach nicht allzuviel ein. Sie hatten viel Ballbesitz, meist war jedoch schon vor dem Strafraum Schluss. Richtig gefährlich war lediglich eine Ecke von Maik Salewski (72.), die an die Latte klatschte. Wirklich gut waren bei Lok nur die etwa 100 Fans unter den insgesamt 500 Zuschauern. Sie unterstützten ihr Team bis zum Ende, und durften auch noch einmal jubeln. Erneut war es Djamal Ziane, der aus Nahdistanz zum 4:2-Endstand einschoss. Der Schiedsrichter pfiff erst gar nicht mehr an und nun durfte auch Optik mit seinen Anhängern jubeln.
Björn Joppe sagte: „Ich kann meine Gemütslage gar nicht beschreiben. Ich wusste, es wird sehr, sehr schwer nach der Enttäuschung vom Mittwoch. Bei vielen waren die Köpfe unten. Ganz ehrlich, wir haben zwar rotiert, aber ich erwarte, das jeder für die Mannschaft arbeitet. In der ersten Hälfte sah es bei vier oder fünf Mann aus, als ob sie keine Lust haben, schon im Urlaub sind. Für die zweite Hälfte kann man der Mannschaft den Willen nicht abstreiten, dennoch war es ein gebrauchter Tag. Optik war bei Kontern immer gefährlich, wenn sie die besser ausspielen, kriegen wir hier auch noch das fünfte oder sechste Tor. Wir werden jetzt die letzten drei Spiele vernünftig angehen, niemand soll uns Wettbewerbsverzerrung nachsagen. Wir wollten hier schon gewinnen, haben es heute aber nicht geschafft.“
Ingo Kahlisch meinte: „In den ersten Minuten haben wir schön geschlafen, dann haben wir den erfolgreichen Weg der letzten Woche fortgesetzt. Man sah, das die Mannschaft gefestigt ist und wir haben in entscheidenden Situationen die Tore gemacht. Ich hatte immer das Gefühl, da geht noch was für Lok, in der zweiten Halbzeit sind wir ja auf dem Zahnfleisch gekrochen. Aber jetzt haben wir uns rangekämpft, jetzt werden wir weiterkämpfen bis zum Umfallen und uns so teuer wie möglich verkaufen!“
Optik: Zwick - Adewumi (87. R. Techie-Menson), Turan, Bilbija, Wilcke - Hellwig, Langner - Top (81. J. Techie-Menson), Leroy, Kapan, - Özcin (78. Aydogdu).


