Start in Oberstdorf: Vierschanzentournee: Es gibt keinen klaren Favoriten

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MOZ.deDer alleinige Top–Favorit ist er aber nicht. Wir werfen vor dem Start der Tournee am Sonntag in Oberstdorf einen Blick auf die Springer mit den größten Erfolgschancen. Auch ein Deutscher zählt dazu.
RYOYU KOBAYASHI
Am 23–Jährigen führt kein Weg vorbei. Kobayashi feiert zwar anders als im vergangenen Winter nicht mehr einen Sieg nach dem anderen. Er leistet sich aber auch keine wirklichen Aussetzer. Seine schlechtesten Platzierungen im Weltcup waren bislang zwei sechste Plätze in Ruka und Nischni Tagil. In Klingenthal und bei der Tournee–Generalprobe in Engelberg gewann er.
STEFAN KRAFT
Der Österreicher musste kurz vor Weihnachten einen kleinen Schock–Moment verdauen. Kraft stürzte nach seinem Sprung im zweiten Durchgang von Engelberg, stand aber sogleich wieder auf. Der 26–Jährige ist ein Skisprung–Routinier und könnte bei der Tournee, bei der es auf Nervenstärke ankommt, von seiner großen Erfahrung profitieren. In diesem Winter landete er dreimal in Einzelspringen auf dem Podest – einmal ganz oben, zweimal wurde er Zweiter. Wenn es auf die Zielgerade geht, hat Kraft, der 2015 schon Tourneesieger wurde, zudem Heimvorteil.
KARL GEIGER
Der ruhige Oberstdorfer ist der größte Hoffnungsträger des Deutschen Skiverbandes. Anders als der Vorjahreszweite der Tournee, Markus Eisenbichler, und der -Dritte, Stephan Leyhe, springt Geiger in dieser Saison beständig auf sehr hohem Niveau und liegt im Gesamtweltcup auf Rang 3. Auch wenn er in diesem Winter noch kein Weltcupspringen gewann: Mit dem 26–Jährigen wird zu rechnen sein. „Ich bin stolz drauf, dass ich zum Favoritenkreis dazuzähle und gebe Gas“, sagt Geiger.
PHILIPP ASCHENWALD
Das gilt auch für den Österreicher Philipp Aschenwald. Der 24–Jährige ist vorne im Weltcup vielleicht die größte Überraschung der bisherigen Saison. Einmal wurde er Zweiter, einmal Dritter. Ruft er seine Top–Leistungen konstant ab, kann er die Arrivierten gehörig ärgern.
KAMIL STOCH
Der Pole weiß, worauf es bei der Tournee ankommt. Er gewann das Schanzenspektakel bereits 2017 und 2018 – mit dem heutigen Bundestrainer Horngacher an seiner Seite. Bei seinem Sieg beim Weltcup in der Schweiz zeigte er drei Tage vor Weihnachten, dass er immer besser in Form kommt. Traditionell werden der 32–Jährige und die anderen polnischen Springer von zahlreichen skisprungverrückten Landsleuten an den Schanzen angefeuert.
DANIEL–ANDRE TANDE
„Wir haben ein paar Athleten, die gut auf dem Weg sind“, sagt der norwegische Nationaltrainer Alexander Stöckl. Die besten Chancen hat Daniel–André Tande. Der vergangene Winter war wegen Krankheit und damit einhergehenden Gewichtsverlust einer zum Vergessen für den Skiflug–Weltmeister von 2018. Der einstige Sonnyboy quälte sich über die Schanzen und zu Platz 35 im Gesamtweltcup. Das Tief schien überwunden, zum Saisonstart gab es zwei Siege – doch dann traf Tande in Klingenthal der wild gewordene Ski eines Vorspringers am Knöchel. Ist Pechvogel Tande, der 2017 in der Windlotterie in Bischofshofen den Tourneesieg verlor, gänzlich fit, springt er um den Vierschanzen–Sieg mit.
GREGOR SCHLIERENZAUER
Das könnte eine zünftige Doppelparty werden: Am 7. Januar wird Gregor Schlierenzauer 30 Jahre alt, einen Tag zuvor geht in Bischofshofen die Vierschanzentournee zu Ende. Dass „Schlieri“, der von den vier jüngsten Tourneen nur eine beendet hat (2017/18 auf Platz 26), als Geheimfavorit gilt, ist ein mittleres Wunder. Im ersten Springerleben bis 2015 wurde er zum Weltcup–Rekordsieger, im zweiten zum physisch und psychisch erledigten Hüpfer von der traurigen Gestalt. Jetzt, im dritten Springerleben, scheint er unter Anleitung von Ex–Bundestrainer Werner Schuster den Sinn des Fliegens wiedererkannt zu haben.dpa/sid