Super Bowl
: CTE, die verschwiegene Verletzung im American Football

Häufige Gehirnerschütterungen verstärken die „chronisch traumatische Enzephalopathie“.
Von
Lukas Grybowski
Frankfurt (Oder)
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Legte Wert auf seine Gesundheit: Chris Borland (Nummer 50) beendete nach nur einem Jahr seine Karriere.

Al Golub

Der heute 29-Jährige war in seiner Jugend und später am College ein echter Ausnahmespieler. 2014 zogen ihn die San Fransisco 49ers in der Runde 3 des Drafts – der jährlichen Talenteauswahl in den amerikanischen Ligen. Auch in der NFL überzeugte Borland, wurde im November 2014 zum besten Jugendspieler des Monats gewählt. Doch bereits im März 2015, mit 24 Jahren, beendete er seine Karriere wieder, aus Angst vor CTE. „Ich hatte jede Woche Symptome einer Gehirnerschütterung. Ein Pfeifton im Ohr, Gleichgewichtsstörungen und da begann ich über meine Karriere nachzudenken. Am Ende war mir die Gesundheit meines Gehirns wichtiger.“

Degenerative Hirnkrankheit

Denn CTE steht für „chronisch traumatische Enzephalopathie“ und ist eine degenerative Hirnkrankheit, die durch zahlreiche Gehirnerschütterungen oder Schläge gegen den Kopf verursacht wird. Seit 1920 ist diese Krankheit bekannt. Zunächst litten vor allem Boxer daran. Doch mittlerweile weiß man, dass auch andere Kontaktsportarten wie Eishockey, Rugby, Fußball und eben American Football besonders betroffen sind. Durch die zahlreichen Gehirnerschütterungen zehrt sich das Gewebe vor allem im Frontallappen. Dort lagern sich sogenannten Tau-Proteine ab, die Gehirnzellen können nicht mehr mit Blut versorgt werden, sterben ab und verursachen Hohlräume. Die Folgen sind erst lediglich Kopfschmerzen und Aufmerksamkeitsstörungen, aber später auch Depressionen und starke Gefühlsausbrüche. Die Personen handeln unüberlegt, Impuls getrieben und neigen zu Gewalttätigkeit, denn besonders der Frontallappen im Gehirn, der für die Steuerung unserer Gefühle zuständig ist und unsere Entscheidungsfindung beeinflusst, ist davon betroffen.

Das erste Mal wurde 2005 wissenschaftlich über die Erkrankung berichtet, nachdem Michael Webster, der unter anderem für die Kansas City Chiefs spielte, an einem Herzinfarkt starb. Mit Jovan Belcher tötete ein weiterer ehemaliger Spieler der Kansas City Chiefs im Dezember 2012 zunächst seine Freundin und nahm sich vor dem Trainingsgelände der Chiefs das Leben. Auch der ehemalige Linebacker Junior Seau verübte Selbstmord. Im April 2017 nahm sich der ehemalige Tight End der New England Patriots, Aaron Hernandez, mit 27 Jahren in seiner Gefängniszelle das Leben. Er wurde zuvor wegen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt und wurde beschuldigt, noch zwei weitere Personen in Boston erschossen zu haben. „So tiefe Schäden wie bei ihm haben wir bei Menschen in seinem Alter noch nie festgestellt“, erklärt Ann McKee, Leiterin des CTE-Centers an der er Universität von Boston. Und das sind nur ausgewählte Fälle.

Das Problem bei CTE ist, dass es noch keine Möglichkeit gibt, die Erkrankung bei lebenden Menschen festzustellen. Bei mehr als 100 Ex-Spielern wurde nach dem Tod CTE diagnostizierst, doch dies war nur möglich, da die Angehörigen das Gehirn des Verstorbenen zur wissenschaftlichen Untersuchung bereit stellten. Denn aktuell gibt es keinerlei Behandlungsmöglichkeiten, um das abgelagerte Tau-Protein zu entfernen oder zu reduzieren.

Roger Godell, Vorsitzender der amerikanischen Football-Liga NFL erklärte: „Die Spiele sind so aufregend und sicher wie nie zuvor.“ Doch die NFL verzeichnete 2019 einen leichten Zuwachs an Gehirnerschütterungen. Die Liga hatte vor zwei Jahren Regeländerungen zum Schutz der Spieler vor Kopfverletzungen eingeführt. "Fouls werden härter bestraft, sie stellen Medizinzelte auf, aber Football ist so beliebt, weil es brutal ist. Es ist kein Gesundheitsbusiness“, kommentierte Chris Borland.

Bereits 2015 war CTE Thema eines Spielfilms

Der Film "Erschütternde Wahrheit" von Peter Landesman kam im Februar 2016 in die deutschen Kinos und handelt von Gesundheitsrisiken im American Football.

Will Smith spielt den forensischen Pathologen Dr. Bennet Omalu.

Bei der Untersuchung der Gehirne zweier ehemaliger NFL-Spieler, die Selbstmord begingen, entdeckt er CET in Folge zahlreicher Gehirnerschütterungen.

Der Film basiert auf der wahren Geschichten des nigerianischen Pathologen Omalu, der auf die Probleme nach Schädel-Hirn-Traumata aufmerksam machte. Er entdeckte schädigen wie bei 80-jährigen Alzheimer-Patienten. ⇥lgr