Pokal
: Union Berlin bei Astoria Walldorf – Fischer spricht über „Gerücht“ um Rönnow

Union Berlin spielt in der 1. DFB-Pokalrunde bei Astoria Walldorf. Trainer Urs Fischer will eine Quälerei wie in der vergangenen Saison vermeiden. Und er hat eine klare Meinung zu Frederik Rönnow.
Von
Frank Noack
Berlin
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Bleibt Torwart Frederik Rönnow beim 1. FC Union Berlin oder geht er? Trainer Urs Fischer hat in der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel bei Astoria Walldorf ganz klar Stellung bezogen.

Matthias Koch

Urs Fischer machte am Freitagmittag das, was er in Pressekonferenzen am liebsten macht: Der Trainer des 1. FC Union Berlin lenkte mit der ihm eigenen Vehemenz den Fokus auf die als Nächstes anstehende Aufgabe. Bundesligastart am 20. August? Champions League im September? Für Fischer zählt erst einmal die Aufgabe in der 1. DFB-Pokalrunde am Sonntag beim FC-Astoria Walldorf (18 Uhr).

Logisch, der Champions-League-Teilnehmer fährt natürlich als klarer Favorit zum Viertligisten aus der Regionalliga Südwest. Aber es ist wie immer beim ersten Pflichtspiel der Saison – es ist eben das erste Pflichtspiel. „Wir wissen noch nicht, wo wir stehen, auch wenn die Eindrücke der letzten beiden Testspiele nicht schlecht waren“, sagte Fischer mit Blick auf die Siege gegen Atalanta Bergamo (4:1) und Udinese Calcio (1:0). Der Union-Trainer schob deshalb noch eine eindringliche Warnung hinterher: „Es ist wichtig, die richtige Einstellung für diese Aufgabe zu haben. Wenn sie nicht da ist und dann gewisse Dinge zusammenkommen, wird es eine schwierige Aufgabe.“

So wie in der vergangenen Saison beim Chemnitzer FC, der ebenfalls in der 4. Liga spielt. Damals quälte sich Union Berlin zu einem 2:1-Sieg in der Verlängerung. Erst in der 114. Minute erzielte Kevin Behrens den entscheidenden Treffer und sicherte dem Favoriten das Weiterkommen.

Auf einer wichtigen Position in seinem Team legte sich Urs Fischer übrigens zwei Tage vor dem Spiel in Walldorf schon fest – und zwar ganz demonstrativ. Frederik Rönnow, dem zuletzt Wechselambitionen nachgesagt wurden, wird zum Kader gehören. „Und, was ich auch sagen kann, er wird im Tor stehen“, betonte Fischer. Der Rest sei „ein Gerücht, nicht mehr und nicht weniger. Mehr weiß ich nicht“.

Dieses „Gerücht“ um Frederik Rönnow hatte am Mittwoch so richtig Fahrt aufgenommen. Ausgerechnet an dem Tag, an welchem der Verein vermeldete, dass der Torhüter aus Dänemark in dieser Saison erstmals dem Mannschaftsrat angehören wird. Rönnow soll also außerhalb des Rasens ebenfalls ein wichtiger Faktor für die Statik der Mannschaft werden. Christopher Trimmel bleibt derweil auch in der Champions-League-Saison der Kapitän. Trimmel wird in seinem sechsten Jahr in Köpenick durch die Co-Kapitäne Rani Khedira und Sheraldo Becker vertreten. Den Mannschaftsrat komplettieren Rönnow, Jakob Busk, Danilho Doekhi und Jerome Roussillon.

Nahezu zeitgleich kamen am Mittwoch die überraschenden Wechselspekulationen um Rönnow im Stadion An der Alten Försterei an. Der gut vernetzte Transferexperte Gianluca Di Marzio aus Italien hatte als Erster vom vermeintlichen Interesse des Serie-A-Klub Lazio Rom berichtet. Und er hatte auch berichtet, dass Rönnow angeblich schon seine Zusage für einen Wechsel gegeben haben soll. Außerdem war die Rede von einer Ablösesumme in Höhe von vier Millionen Euro für den 31 Jahre alten Dänen.

Union Berlin spielt bei Astoria Walldorf

Aber was ist wirklich dran an diesem Gerücht? Rönnow würde in Rom zwar gehaltstechnisch wohl einen Sprung machen und wäre mit den Römern auch in der Champions League dabei. Allerdings müsste er sich mit dem Platz als Nummer zwei hinter Stammkeeper Ivan Provedel abfinden. Und er würde als Bankdrücker vermutlich sein Ticket für die Europameisterschaft 2024 in Deutschland in Gefahr bringen.

Erschwerend für Union Berlin käme im Falle eines Wechsels hinzu: Die Eisernen haben gerade erst die Backup-Rolle im Tor neu geregelt. Lennart Grill wurde an Zweitliga-Aufsteiger VfL Osnabrück ausgeliehen. Neue Nummer zwei ist Alexander Schwolow. Er konnte allerdings bei seinen letzten Stationen FC Schalke 04 und Hertha BSC weder Selbstvertrauen noch Pluspunkte als Empfehlung für den Status als Nummer eins zwischen den Pfosten sammeln.

Dazu wird es vermutlich ohnehin nicht kommen. Denn die Personalie Frederik Rönnow hat es seit Mittwoch nicht über den Status eines Gerüchts hinausgeschafft. Nach Informationen von MOZ.de hat es bis jetzt keinerlei Kontaktaufnahme seitens Lazio Rom und dementsprechend natürlich auch kein Angebot gegeben. Womöglich waren die Italien-Ambitionen von Rönnow also nur ein kurzes Gedankenspiel. Am Freitag sickerte ebenfalls durch, dass Lazio Rom nun offenbar den langjährigen französischen Nationaltorhüter Hugo Lloris (36) ins Visier genommen hat. Lloris besitzt in der Premier League bei Tottenham Hotspur trotz des Vertrages bis 2024 keine Perspektive mehr und ist auf der Suche nach einem neuen Verein.

Für Urs Fischer als Trainer von Union Berlin ist ungeachtet der Diskussionen um Rönnow sowieso klar: Die nächste Aufgabe ist immer die wichtigste. Und sie heißt Astoria Walldorf am Sonntag im DFB-Pokal.