Union Berlin in der Bundesliga: Drei wichtige Gründe für Sieg gegen Borussia Mönchengladbach
„Hurra, Hurra, Union ist wieder da“, schallte es durch das Stadion An der Alten Försterei. Die Fans des 1. FC Union Berlin feierten mit Inbrunst den 3:1 (1:0)-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach.
Nicht wenige Anhänger hatten dabei Tränen in den Augen – die Tränen der Erleichterung. Immerhin haben die Eisernen am Samstagnachmittag das geschafft, was ihnen zuvor seit über drei Monaten nicht mehr gelungen war: ein Fußballspiel zu gewinnen.
Trainer Nenad Bjelica durfte sich in seinem ersten Heimspiel über eine gelungene Premiere freuen. Ist Union also wirklich wieder da? „Absolut! Mit dieser Leistung haben wir gezeigt, dass wir gut Fußball spielen können, dass wir kämpfen können, dass wir gut organisiert sind“, betonte der Kroate mit Blick auf den Kampf um den Klassenerhalt: „Wenn wir Disziplin zeigen und unsere taktischen Aufgaben erledigen, ist absolut mit Union zu rechnen.“
Wie hat Nenad Bjelica die nach 16 sieglosen Spielen verunsicherte Mannschaft zu neuem Leben erweckt? Das sind die drei wichtigsten Gründe für die ersten drei Punkte nach drei sieglosen Monaten.
Nenad Bjelica und die neue Mentalität bei Union Berlin
Der größte Verdienst: Der neue Trainer hat der Mannschaft neues Selbstvertrauen und eine andere Mentalität mit auf den Weg gegeben. „Wir hatten nur drei Trainingseinheiten – jetzt bin ich ein Wundertrainer“, schmunzelte er ob der Kehrtwende. Ganz ernsthaft nannte Bjelica dann allerdings die wahrscheinlich wichtigste Änderung: „Es geht immer um Einsatz und Aggressivität. Wenn von allen elf Spielern die Bereitschaft da ist, im Team zu arbeiten, dann kannst du gegen jeden Gegner gewinnen.“
Und diese Bereitschaft zeigten die Eisernen gegen die nach 120 Pokalminuten müde wirkenden Mönchengladbacher. „Wir haben von A bis Z Union-Berlin-Fußball gespielt. Sehr konsequent, sehr aktiv, sehr leidenschaftlich, sehr solidarisch“, sagte Kapitän Rani Khedira.
Nenad Bjelica ging mit gutem, besser gesagt, mit emotionalem Beispiel voran. Er forderte die Zuschauer während des Spiels zu noch mehr Unterstützung auf. Er war beim Torjubel mittendrin in der Spielertraube. Und er ballte die Faust, als der erlösende Sieg perfekt war. Nach dem Schlusspfiff erklärte der in den Pressekonferenzen stets kontrolliert auftretende Coach: „Wer mich bisher nicht gekannt hat, der kennt mich jetzt. Das ist Nenad Bjelica pur. Ich bin immer mit Emotionen dabei, auch wenn das manchmal anders wirkt.“
Nenad Bjelica und die neue Taktik bei Union Berlin
Bjelica hat seit seinem Amtsantritt vor zwei Wochen schon an vielen Stellschrauben gedreht. Zu den wichtigsten Änderungen zählt neben der Viererkette in der Abwehr die Besetzung der Außenbahnen. Links bilden Jerome Roussillon und Robin Gosens das neue Gespann. Gosens agiert dabei offensiver als bisher. Als Trainer von Dinamo Zagreb hat Bjelica den Nationalspieler schon einmal in dieser Rolle erlebt – und sich jetzt an dessen damaligen Auftritt im Trikot von Atalanta Bergamo erinnert. „Deshalb haben wir ihm die vielleicht ungewöhnliche Position gegeben. Aber er fühlt sich wohl. Er macht seine Arbeit – offensiv und defensiv. Das ist wichtig für mich“, lobte Bjelica.
Auf der rechten Außenbahn avancierte der zuletzt wenig berücksichtigte Benedict Hollerbach sogar zum Matchwinner. Bereits in der ersten Halbzeit stellte er mit seiner Wendigkeit die Gäste vor Probleme. In der zweiten Halbzeit krönte Hollerbach seine Leistung mit dem Tor zum 2:0. „Das ist eine Riesenerleichterung, da hat sich auf jeden Fall sehr viel angestaut“, freute er sich.
Nenad Bjelica und die neuen Spieler bei Union Berlin
Der neue Trainer bewies nicht nur im Fall von Hollerbach ein gutes Händchen. Mit Mikkel Kaufmann holte er einen weiteren Spieler aus der Versenkung, dem bereits das Etikett des Fehleinkaufes anhaftete. Kaufmann erzielte wenige Minuten nach seiner Einwechslung den dritten Treffer. Beide Spieler hätten sich die Einsatzchance durch ihre Leistung im Training verdient, erklärte Bjelica. Routiniers wie Kapitän Christopher Trimmel und Leonardo Bonucci saßen 90 Minuten lang auf der Bank. Andere Spieler wie David Fofana und Lucas Tousart schafften erst gar nicht den Sprung in den Kader. Vor dem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid am Dienstag (21 Uhr) hat Bjelica nicht nur neuen Optimismus, sondern auch einen neuen Konkurrenzkampf in Berlin-Köpenick entfacht.




