Union Berlin
: Champions League und „Explosion der Gefühle“ – Köpenick in der Königsklasse

Union Berlin hat mit dem Sieg gegen Bremen den historischen Einzug in die Champions League perfekt gemacht. Die Eisernen brauchen zunächst viel Geduld, ehe die große Party im Stadion an der Alten Försterei starten kann.
Von
Frank Noack
Berlin
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  • Nach dem Tor von Rani Khedira (Mitte) gab es kein Halten mehr im Stadion an der Alten Försterei.

    Nach dem Tor von Rani Khedira (Mitte) gab es kein Halten mehr im Stadion an der Alten Försterei.

    Sören Stache/dpa
  • Der Schuss ins Champions-League-Glück: Rani Khedira erzielte das Tor des Tages beim 1:0-Sieg von Union Berlin gegen Werder Bremen.

    Der Schuss ins Champions-League-Glück: Rani Khedira erzielte das Tor des Tages beim 1:0-Sieg von Union Berlin gegen Werder Bremen.

    Matthias Koch
  • Union Berlin spielt jetzt in der Champions League. Kapitän Christopher Trimmel präsentierte im Überschwang der Gefühle gleich mal den Pokal.

    Union Berlin spielt jetzt in der Champions League. Kapitän Christopher Trimmel präsentierte im Überschwang der Gefühle gleich mal den Pokal.

    Soeren Stache
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Spätestens mit dem Schlusspfiff um 17.24 Uhr war dieser Samstagnachmittag reif für den Eintrag in die Geschichtsbücher des 1. FC Union und natürlich auch von Berlin-Köpenick. Denn Köpenick ist in der Königsklasse angekommen. Köpenick! In der Königsklasse!

Dank des 1:0 (0:0)-Sieges gegen Werder Bremen am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga verteidigte Union Berlin im Fernduell mit dem SC Freiburg den vierten Platz und sicherte sich damit das historische Ticket für die Champions League in der Saison 2023/24.

Rani Khedira erzielte zwar erst spät das Tor des Tages. Aber dieser Treffer in der 81. Minute machte den Weg frei für den größten Triumph in der Vereinsgeschichte. Samstag, 27. Mai 2023 – ein Tag für das Geschichtsbuch des 1. FC Union Berlin.

Bereits vor dem Anpfiff gab es unter den Augen des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) emotionale Einblicke in das rot-weiße Geschichtsbuch. Es flimmerten noch einmal die Bilder des DDR-Fernsehens vom legendären 3:2-Auswärtssieg in Karl-Marx-Stadt über die Anzeigetafel und sorgten erneut für großen Jubel. Mit der letzten Aktion schoss Mario Maek fast auf den Tag genau vor 25 Jahren die Eisernen damals zum Klassenerhalt. Und – noch so ein ganz wichtiges Kapitel aus dem Geschichtsbuch – exakt vor vier Jahren stieg Union Berlin am 27. Mai 2019 durch den Triumph in der Relegation gegen den VfB Stuttgart erstmals in die Bundesliga auf.

Achterbahnfahrt der Gefühle

Danach folgte in der Gegenwart eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Es war für Union Berlin ein hart erkämpfter Heimsieg gegen Werder Bremen. Es war vor allem ein Sieg der Geduld. „Mir fehlen eigentlich noch die richtigen Worte“, erklärte ein sichtlich bewegter Union-Trainer Urs Fischer: „Ich bin stolz darauf, wie ruhig die Mannschaft geblieben ist. Wir wollten auf diese eine Möglichkeit warten. Diese Möglichkeit haben wir genutzt und das Spiel verdient gewonnen.“

Die bereits vor dem Abstieg geretteten Gäste aus Bremen waren keinesfalls nach Berlin gekommen, um Sommerfußball im ausverkauften Stadion an der Alten Försterei zu spielen. Sie waren körperlich präsent und machten Union Berlin in jedem Zweikampf das Leben schwer. Die Eisernen probierten es zunächst immer wieder mit hohen Bällen und viel Wucht. Großartige Torchancen sprangen aber nicht heraus. In der 37. Minute wuchtete Kevin Behrens einen Kopfball in Richtung Tor, Janik Haberer verpasste am zweiten Pfosten nur knapp. Es war die beste Möglichkeit in Halbzeit eins.

Weil der SC Freiburg als direkter Konkurrent um das Champions-League-Ticket bei Eintracht Frankfurt zwischenzeitlich mit 1:0 in Führung lag, musste Union Berlin den Druck erhöhen, ohne hinten anfällig für Konter zu sein. Dass die Mannschaft diesen Spagat hinbekam, war zweifellos ihre größte Leistung an diesem geschichtsträchtigen Tag.

In der 50. Minute rutschte ein Schuss von Jerome Roussillon dem Bremer Keeper Jiri Pavlenka über die Fäuste – aber auch neben das Tor. Es wurde nun immer mehr ein Spiel gegen die Uhr. In der 67. Minute rettete Marvin Ducksch auf der Linie. Trainer Urs Fischer schickte immer mehr Offensivkräfte auf den Rasen – mit Erfolg. Denn in der 81. Minute kam diese eine, von Fischer herbeigesehnte Möglichkeit: Der eingewechselte Sven Michel legte auf den nachrückende Rani Khedira ab. Und Khedira schoss Köpenick mit der Innenseite in die Königsklasse. Spätestens als die Nachricht von der Freiburger 1:2-Niederlage in Frankfurt im Stadion an der Alten Försterei ankam, konnte die Champions-League-Party beginnen.

Dabei ist Rani Khedira nicht gerade als Torschütze vom Dienst bei Union Berlin bekannt. „Ich war überrascht, dass Rani überhaupt das Tor getroffen hat“, frotzelte Robin Knoche. Khedira indes versicherte nach einem großen Schluck aus der Bierpulle, dass sein Schuss mit der Innenseite genau so gewollt gewesen sei: „Es war in dem Moment eine Gefühlsexplosion.“


Union Berlin mit königlichen Zahlen

Union Berlin schließt die beste Saison der Vereinsgeschichte mit wahrhaft königlichen Zahlen ab. An 32 von 34 Spieltagen stand Union Berlin auf einem Champions-League-Platz. Tabellenplatz vier und 62 Punkte nach 34 Spieltagen hatten die Eisernen in der Bundesliga zuvor noch nie erreicht. Das sind fünf Zähler mehr als 2021/22 (57). Zudem blieb Union als einziges Team ohne Heimniederlage in dieser Spielzeit.

Irgendwann ertönte dann auch noch die Champions-League-Hymne im Stadion. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir zu Hause ankommen, bevor die Sonne aufgeht“, prophezeite Torschütze Rani Khedira und stürmte mit der Mannschaft auf den Stadionbalkon, wo schon die glückseligen Fans warteten.