Union Berlin Frauen
: Eiserne Ladies – deftige Pleite gegen Bremen und großes Ziel

Die Frauen von Union Berlin wollen nach dem Aufstieg auch in der 2. Liga glänzen. Der Verein treibt die Professionalisierung voran. Das Ziel lautet Bundesliga.
Von
Frank Noack
Berlin
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v.li.: Caroline Siems (SV Werder Bremen, 21) und Fatma Sakar (1. FC Union Berlin, 24) im Zweikampf, Duell, Dynamik, Akti: v.li.: Caroline Siems SV Werder Bremen, 21 und Fatma Sakar 1. FC Union Berlin, 24 im Zweikampf, Duell, Dynamik, Aktion, Action, Spielszene, 03.08.2024, Berlin Deutschland, Fussball, Testspiel Frauen, 1. FC Union Berlin - SV Werder Bremen *** from left Caroline Siems SV Werder Bremen, 21 and Fatma Sakar 1 FC Union Berlin, 24 in duel, duel, dynamics, action, action, match scene, 03 08 2024, Berlin Germany , Soccer, Test match women, 1 FC Union Berlin SV Werder Bremen xobx

Fatma Sakar (rechts) von Union Berlin attackiert im Testspielerin gegen Bundesligist Werder Bremen ihrer Gegenspielerin Caroline Siems. Bremen gewann das Testspiel gegen die Eisernen Ladies mit 6:1.

Imago/Oliver Baumgart

Große Bühne für die Fußballfrauen des 1. FC Union Berlin: Am Mittwoch spielten die Eisernen Ladies noch vor 160 Zuschauern auf dem Fritz-Lesch-Sportplatz an der Dörpfeldstraße in Adlershof gegen Türkiyemspor Berlin (7:0). Am Samstagnachmittag durften sie genau wie die Bundesliga-Profis der Eisernen aus Köpenick im Stadion an der Alten Försterei auflaufen – inklusive der Begrüßung als „Fußballgöttin“ für jede einzelne Spielerin.

Im Duell mit Bundesligist Werder Bremen kassierte der Aufsteiger in die 2. Liga zwar eine deutliche 1:6 (1:1)-Niederlage. Der guten Stimmung der 5500 Zuschauer tat das aber keinen Abbruch, auch wenn die Mannschaft von Cheftrainerin Ailien Poese im vierten Testspiel die erste Niederlage hinnehmen musste und durchaus ein Klassenunterschied im Vergleich zu Werder Bremen sichtbar war. Vor allem nach der Pause schlug Bremen immer wieder eiskalt zu.

Pia Metzker hatte in der 44. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich für die Gastgeberinnen erzielt. „Das Ergebnis ist in der Höhe vielleicht etwas zu hoch, aber ich glaube, dass wir daraus gute Lehren ziehen können“, erklärte Cheftrainerin Ailien Poese.

Dabei waren Niederlagen in der vergangenen Saison ein Fremdwort für die Frauen des 1. FC Union. Die Eisernen Ladies beendeten die Saison 2023/24 in der Regionalliga Nordost ohne einen einzigen Makel: 22 Spiele, 22 Siege, Torverhältnis 145:5. Und auch in den Aufstiegsspielen gegen den SV Henstedt-Ulzburg aus der Regionalliga Nord setzten sie sich souverän durch. Den 8:0-Hinspielsieg sahen 18.045 Zuschauer im Stadion an der Alten Försterei.

Frauenfußball Union Berlin: Zingler verspricht beste Bedingungen

Das Projekt Frauenfußball ist bei Union Berlin längst den Kinderschuhen entwachsen und steht mittlerweile auf professionellen Füßen. „Wir haben zwei Profimannschaften. Und wir als Verein wollen beiden Mannschaften die besten Bedingungen schaffen“, sagt Präsident Dirk Zingler. Anders als die Bundesliga-Männer trainieren die Frauen zwar derzeit noch im neuen Trainingszentrum Oberspree im Bruno-Bürgel-Weg.

Im Jahr 2025, wenn das neue Profitrainingszentrum fertiggestellt sein soll, wird das Team um Kapitänin Lisa Heiseler jedoch umziehen und ebenfalls in Sichtweite des Stadions an der Alten Försterei trainieren. Zudem hat Union-Boss Zingler den Eisernen Ladies bereits für diesen Winter versprochen, dass sie hier – genau wie die Männer – auf einem der beiden beheizbaren Rasenplätze trainieren dürfen.

Der Verein hat für seine Frauenmannschaft viel Geld in die Hand genommen und sich im vergangenen Sommer ganz klar zur Professionalisierung bekannt. Dazu gehört auch, dass der Fußball für alle Spielerinnen mittlerweile der Hauptjob ist. Oft wird zweimal pro Tag trainiert. „Die Verhältnisse, die man bei Union hat, hat man nicht einmal in der unteren Hälfte der ersten Liga. Man merkt einfach, dass der Verein komplett hinter uns steht – das ist richtig schön“, sagte Toptorjägerin Sarah Abu Sabbah im November im rbb-Interview. „Wir wissen es sehr zu schätzen, welche Möglichkeiten wir hier inzwischen haben“, ergänzte Geschäftsführerin Jennifer Zietz.

Für die neue Saison in der 2. Liga wurde mit Cara Bösl von Eintracht Frankfurt eine Erstliga-erfahrene Torhüterin verpflichtet, die auch auf Anhieb zum Mannschaftsrat gehört. Die 27-Jährige soll mithelfen, für eine stabile Defensive zu sorgen. Denn in der 2. Liga dürften die Eisernen Ladies in der Abwehr deutlich mehr gefordert werden als zuletzt in der Regionalliga. Ebenfalls neu sind die Nationalspielerinnen Eleni Markou (Griechenland) und Korina Janez (Slowenien) sowie Antonia Halverkamps (MSV Duisburg) und Judith Steinert (SC Freiburg).

Eiserne Ladies wollen in die Bundesliga

Dabei soll die 2. Liga für die Frauen von Union Berlin nur eine Durchgangsstation sein. Los geht es am 24. August mit dem Heimspiel gegen Aufstiegsaspirant Hamburger SV. Erstmals werden alle Heimspiele im Stadion an der Alten Försterei ausgetragen. 2000 Dauerkarten wurden bereits verkauft. Das mittelfristige Ziel lautet Aufstieg in die Bundesliga. Im Hinterkopf hat man bei Union Berlin schon jetzt die Aufstockung der Frauen-Bundesliga ab der Saison 2025/26. Statt derzeit zwölf werden dann 14 Teams im deutschen Oberhaus spielen. In der kommenden Spielzeit steigen deshalb die drei besten Zweitliga-Teams auf.

Das Wort Durchmarsch nimmt zwar bei den Eisernen Ladies derzeit noch niemand in den Mund. Dennoch könnten stimmungsvolle Spiele wie am Samstag gegen Werder Bremen im Idealfall schon bald zur Normalität in Köpenick werden. Dann allerdings hoffentlich mit einem anderen Ergebnis.