Union Berlin gegen Mainz: Konkurrenzkampf im Sturm bringt Urs Fischer ins Schwitzen

Trainer Urs Fischer kam am Freitag (18. August) bei der Pressekonferenz ins Schwitzen. Der 1. FC Union Berlin startet gegen Mainz 05 in die neue Bundesliga-Saison.
Soeren StacheAls Trainer Urs Fischer in der Pressekonferenz auf den bevorstehenden Saisonstart des 1. FC Union Berlin vorausschaute, fühlte es sich an wie die Ruhe vor dem Sturm. Wenige Stunden vor dem ersten Spiel in der Bundesliga-Saison 2023/24 am Sonntag gegen den FSV Mainz 05 (15.30 Uhr) döste das Stadion An der Alten Försterei in der Köpenicker Mittagshitze vor sich hin – und auch Urs Fischer schwitzte.
Dabei herrscht genau genommen im Sturm der Eisernen in diesen Tagen alles andere als Ruhe. Im Gegenteil! Für seine erste Spielzeit in der Champions League hat der Verein in diesem Sommer speziell in der Offensive für seine Verhältnisse königlich investiert. Mit Brenden Aaronson und David Fofana wurden erstmals zwei Profis aus der Premier League nach Köpenick gelotst. Der am Donnerstag verpflichtete Kevin Volland hat schon in der Nationalmannschaft gespielt. Mikkel Kaufmann und Benedict Hollerbach komplettieren als weitere Neuzugänge den Union-Sturm.

Neuzugang David Fofana (rechts) und Sheraldo Becker gehören zu den vielen Bewerbern um einen Platz in der Offensive des 1. FC Union Berlin.
Sebastian Räppold/Matthias KochAch ja: Spieler wie Kevin Behrens, Sheraldo Becker und Jordan Siebatcheu sind ja auch noch da. Wobei sich das „noch“ mit Blick auf den Transferschluss am 1. September vor allem auf Becker und Siebatcheu bezieht. Der eine (Becker) liebäugelt weiterhin mit einer Luftveränderung und einem gut dotierten Vertrag in England oder Italien. Der andere (Siebatcheu) dürfte es nach den Eindrücken der vergangenen Saison und der sechswöchigen Vorbereitung schwer haben, überhaupt in den Kader zu kommen.
Denn dieser Kampf um die Plätze im Kader ist vor dem Auftakt gegen Mainz so groß wie nie. Bei so manchem Bewerber im Sturm wird in diesen Tagen deshalb eher Unruhe statt Ruhe herrschen. „Ich als Trainer habe die Qual der Wahl, gerade wenn es um die Stürmer geht“, erklärte Fischer am Freitag.
Dass der Union-Coach bei der Pressekonferenz mächtig ins Schwitzen kam, lag zwar in erster Linie an seinem langen Trainingsanzug und der Hitze im Medienraum. Vielleicht lag es aber auch ein wenig am Entscheidungsdruck im Sturm. „Die Jungs nehmen den Konkurrenzkampf gut an und pushen sich gegenseitig. Es herrscht eine positive Atmosphäre. Jetzt gilt es, die richtige Entscheidung für Mainz zu treffen“, sagte Fischer.
Konkurrenzkampf im Sturm von Union Berlin
Sieben Stürmer kämpfen derzeit um maximal drei Plätze in der Startformation. Das setzt allerdings voraus, dass Fischer gegen Mainz überhaupt mit drei Stürmern beginnt. Lange Zeit galt bei Union Berlin das 3-5-2 als einzig wahres und fast schon geheiligtes System. In der Vorbereitung wurde nun jedoch zusätzlich ein 3-4-3 eingeübt. Dieses System mit drei Stürmern kam auch vor einer Woche im DFB-Pokal bei Astoria Walldorf zum Einsatz – aber halt gegen einen Viertligisten aus der Regionalliga Südwest. Im Hinblick auf Mainz wollte sich Fischer noch nicht festlegen. Man habe durch das neue System aber in jedem Fall „eine Variante dazubekommen. Wir sind flexibler geworden“.
Während Urs Fischer in der Offensive also schwierige Entscheidungen bevorstehen, gibt es in der Abwehr und im Mittelfeld weit weniger Fragezeichen. Die Dreierkette wird wieder in der bewährten Formation mit Robin Knoche, Danilho Doekhi und Diogo Leite auflaufen. Auf der Sechserposition profitiert Alex Kral von den Verletzungen bei Rani Khedira und Lucas Tousart. Beide für die Zentrale fest eingeplanten Spieler werden den Saisonstart und wohl auch noch einige Partien mehr verpassen. Tousart habe nach seiner Muskelverletzung aus dem Trainingslager immerhin wieder mit Lauftraining begonnen, berichtete der Union-Trainer. Janik Haberer fällt ebenfalls aus.
Egal, wie die Entscheidung in Sachen System und in Sachen Stürmer am Sonntag ausfällt – in einem Punkt bleibt sich Urs Fischer treu: Entscheidend sei nicht das System, sondern die Umsetzung auf dem Rasen. „Es gilt, unsere Basics auf den Platz zu bekommen. Wir wollen unser Gesicht zeigen: unermüdlich, eklig und gut organisiert – und zwar im gesamten Spiel“, formulierte Fischer seinen Anspruch an die Mannschaft für den Auftakt gegen Mainz 05.
Stadion gegen Mainz 05 ausverkauft
Mit der Ruhe vor dem Sturm wird es am Sonntag sowieso vorbei sein. Das Stadion An der Alten Försterei ist beim Start in die Champions-League-Saison mit 22012 Zuschauern ausverkauft. Etwa 1200 Fans reisen aus Mainz an. Auch in der neuen Spielzeit bleibt es natürlich beim alten Saisonziel – Klassenerhalt in der Bundesliga. „Die 40 Punkte sind das erste Ziel, das es zu erreichen gilt. Diese 40 Punkte zu schaffen, ist und bleibt eine Leistung. In der vergangenen Saison hat das ein Drittel der Vereine nicht geschafft. Wir tun also gut daran, ehrgeizig zu sein, aber dabei auch bescheiden zu bleiben“, warnte Fischer.
Möglichst viele Stürmertore würden den Eisernen natürlich helfen, dieses erste Ziel so schnell wie möglich zu erreichen.

