Union Berlin in Braga
: Nenad Bjelica unter Druck – er braucht gleich einen Sieg

Nenad Bjelica steht mit Union Berlin gleich vor einer Herausforderung. Im Champions-League-Spiel in Braga brauchen die Eisernen einen Sieg. Neben den Köpfen der Spieler muss Bjelica die Herzen der Fans erobern.
Von
Frank Noack
Braga
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Nenad Bjelica aus Kroatien steht vor seiner Premiere als Cheftrainer von Union Berlin. In der Champions League spielen die Eisernen bei Sporting Braga.

Matthias Koch/dpa

Zeit zur Eingewöhnung? Hat er definitiv nicht. Nenad Bjelica steht gleich in seinem ersten Spiel als neuer Cheftrainer des 1. FC Union Berlin gewaltig unter Druck.

In der Champions League bei Sporting Braga in Portugal benötigen die Eisernen aus Köpenick am Mittwochabend (21 Uhr) einen Auswärtssieg, um trotz bisher nur eines einzigen Unentschiedens eine realistische Chance auf das Überwintern im internationalen Geschäft zu haben.

Trotz des Erfolgsdrucks gibt sich Nenad Bjelica selbstbewusst. „Das war der richtige Zeitpunkt, einzusteigen. Ich habe damit überhaupt kein Problem. Ich habe solche Spiele in meiner Karriere schon gehabt“, sagte der 52-jährige Kroate vor seiner Union-Premiere im Estadio Municipal de Braga.

Auch für die rund 1900 Union-Fans, welche die Mannschaft zum letzten Champions-League-Auswärtsspiel bei milden 15 Grad mit zwei Sonderflügen begleiten, wird es ein besonderer Abend im Felsenstadion von Braga: Denn erstmals nach fünfeinhalb Jahren heißt der Trainer der Eisernen nicht mehr Urs Fischer. Es geht für Nenad Bjelica also auch darum, mit einem erfolgreichen Auftritt in Braga möglichst schnell die Herzen der Union-Fans zu erobern. „Sicherlich ist es keine leichte Herausforderung nach so einem Trainer, der so erfolgreich gearbeitet hat. Das zu wiederholen, wird nicht einfach. Ich bin aber voll überzeugt von meiner Arbeit“, gibt sich der Kroate betont selbstbewusst.

Nenad Bjelica mit viel Selbstbewusstsein

Dieses Selbstbewusstsein ihres neuen Cheftrainers werden auch die Spieler am Mittwochabend brauchen – denn es geht praktisch um alles oder nichts. Mit einem Sieg würde Union Berlin (ein Punkt) in der Tabelle der Gruppe C an Braga (3) vorbeiziehen und auf Tabellenplatz drei springen. Er ist gleichbedeutend mit dem Ticket für die K.o.-Runden-Playoffs in der Europa League im Frühjahr. Ein Remis würde den Köpenicker zwar noch theoretische Chancen belassen. Aber sie müssten dann das letzte Heimspiel gegen Real Madrid am 12. Dezember gewinnen und zudem auf Schützenhilfe des SSC Neapel gegen Braga hoffen.

Nenad Bjelica nimmt zweifellos auch die Hypothek von zuletzt 15 Spielen ohne Sieg des FCU in seine Premiere. Unter Interimstrainer Marco Grote gab es am Samstag mit dem 1:1 im Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg zumindest ein kleines Erfolgserlebnis, weil die Gastgeber dank des späten Treffers von Kevin Volland in der 88. Minute den Rückstand wettmachen konnten.

„Diesen Punkt nehmen wir gern mit – auch im Hinblick auf die nächsten, sehr wichtigen Spiele. In Braga müssen wir was Zählbares mitnehmen, um international zu überwintern“, erklärte Abwehrspieler Robin Gosens. Torschütze Kevin Volland forderte: „Jeder einzelne Spieler muss seine maximale Leistung auf den Platz bekommen. Nur so geht es. Kompaktheit, Kampf – diese grundlegenden Sachen sind jetzt erst einmal wichtig.“

Wichtige Spiele bis Weihnachten

Denn nach dem Champions-League-Spiel in Braga wartet in der Bundesliga mit der Partie beim FC Bayern München am Samstag bereits die nächste Herausforderung auf Neu-Coach Bjelica. Dann gibt der Kroate seine Premiere im Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga. Derzeit liegt der FCU auf dem vorletzten Tabellenplatz. Danach folgen die Spiele gegen Borussia Mönchengladbach und Real Madrid.

Bis Weihnachten geht es Schlag auf Schlag – jede Woche wartet mindestens ein wegweisendes Spiel. Zeit, die Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu formen, hat Nenad Bjelica also kaum. „Man kann nicht viel im taktischen Bereich arbeiten, aber im psychologischen“, räumte der Trainer ein. Also machte er das, was Trainer in so einer prekären Situation immer machen: Sie versuchen, das verunsicherte Team stark zu reden. Er sehe großes Potenzial in der Mannschaft, versicherte der neue Mann an der Seitenlinie. „Ich bin überzeugt, dass wir bald nicht mehr viel mit dem Abstieg zu tun haben. Es ist viel, viel mehr in der Mannschaft drin als zuletzt gezeigt wurde“, meinte Bjelica.

Der Kroate steht also sofort im Blickpunkt und unter Erfolgsdruck. Wie gesagt: Zeit zur Eingewöhnung hat Nenad Bjelica bei seiner Rettungsmission in Köpenick definitiv nicht.

Pressekonferenz mit Nenad Bjelica