Union Berlin: Impotenz in der Offensive – Neuzugang Kevin Vogt macht Hoffnung
Nach dem Punktgewinn beim SC Freiburg gibt es für den 1. FC Union Berlin vor dem Kellerduell beim FSV Mainz 05 am Freitag zwei wichtige Erkenntnisse. Einerseits scheint es Trainer Nenad Bjelica gelungen zu sein, die Defensive der Berliner wieder zu stabilisieren. Andererseits könnte die Offensive im Abstiegskampf noch Verstärkung benötigen.
Für den neuen Berliner Coach Nenad Bjelica, der Ende November Union-Ikone Urs Fischer beerbt hat, stehen in der Bundesliga zwei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage zu Buche. Außer beim 0:3 beim VfL Bochum, als die Eisernen zu einfache Gegentore kassiert hatten, steht die Abwehr wieder besser. Neuzugang Kevin Vogt ordnete sich gleich gut in die Abwehr-Dreierkette ein und hatte seinen Anteil am Punktgewinn im Breisgau.
Kevin Vogt über „spezielles“ Angebot vom 1. FC Union
Dem 1. FC Union gab das die beruhigende Hoffnung, dass Manager Oliver Ruhnert nach einem glücklosen Transfersommer nun wieder ein Geschäft gelungen scheint, das den Prinzipien des Vereins entspricht. Kevin Vogt, ein ehrlicher Arbeiter der allein durch die spezielle Union-Aura zu Leistung animiert wird. König und Kämpfer, mit dieser Mischung könnte der drohende Abstieg verhindert werden.
Das Angebot der Köpenicker sei für ihn „speziell“ gewesen, erklärte Vogt nach seinem ersten Startelfeinsatz für Union nur zwei Tage nach seinem Wechsel von der TSG Hoffenheim in die Hauptstadt. „Irgendwas hat es in mir ausgelöst“, sagte der 32-Jährige über die Berliner Offerte. „Ich hatte ein gutes Bauchgefühl. Ich wäre nicht zu jedem Club gegangen. Es war schon auch der Reiz von Union Berlin.“
Die Frage, warum er sich trotz des Abstiegskampfs von Union und seines Stammplatzes bei Hoffenheim, für den Wechsel entschieden habe, könne er verstehen. Es sei „eine Reise raus aus der Komfortzone“, sagte der Vater einer kleinen Tochter über Entscheidung. „Eine tolle Stadt habe ich mir sagen lassen“, so Vogt. Die Atmosphäre, die er als Gast im Stadion An der Alten Försterei erlebt habe, sei „imposant“ gewesen.
Erstmals auswärts ohne Gegentor
Natürlich hätten auch das Gehalt und die Vertragslaufzeit – über die Union keine Angaben machte – eine Rolle gespielt. „Aber ich glaube, dass ich es auch ohne den Vertrag geschafft hätte, dass meine Tochter immer Essen und Trinken auf dem Tisch hat“, beschwichtigte er. Bei Union beteuern sie, dass Vogt garantiert nicht so viel verdienen könne wie im Kraichgau. Auf die Frage, ob sein Vertrag auch für die 2. Liga gelte, antwortete Vogt: „Ich glaube, jeder Bundesligavertrag gilt für die 2. Liga. Aber damit beschäftige ich mich nicht.“
Vogt spielte in Freiburg direkt von Beginn an. Angesichts der knappen Eingewöhnung sei es trotz seiner Erfahrung ein „Abenteuer“, räumte er ein. Mit Vogt gelang den Köpenickern der erste Auswärtspunkt seit dem bisher einzigen Sieg in der Fremde Ende August beim 4:1 in Darmstadt. Erstmals blieb Union in dieser Saison der Fußball-Bundesliga auswärts ohne Gegentor.
„Es ist schon sehr gut, wenn wir zu null spielen. Klar haben wir auch vielleicht trotzdem ein bisschen zu viele Torchancen zugelassen, zu viele Situationen, wo es wirklich brenzlig wurde“, sagte Kevin Volland, der wie die gesamte Offensivsparte keine Torgefahr erzeugen konnte. „Natürlich geht das besser. Klar war ein bisschen Verunsicherung zu spüren“, bilanzierte Vogt. In der zweiten Halbzeit sei die Mannschaft mutiger geworden. Für den Abstiegskampf sei er „total optimistisch“.
Wechselpläne von Sheraldo Becker durchkreuzt
Andererseits wurde in Freiburg erneut deutlich, dass die Berliner in der Offensive Nachholbedarf haben. David Fofana ist zurück der Premier League, Sheraldo Becker fehlte im Kader. Er gilt weiterhin als Wechselkandidat. Allerdings: Der spanische Club FC Villarreal, der als aussichtsreichster Interessent galt, hat inzwischen einen anderen Spieler im Visier. Der Uruguayner Facundo Pellistri soll von Manchester United für die rechte Außenbahn kommen.
Becker, der offen von seinem Traum von der Premier League gesprochen hatte, könnte also zumindest bis zum Vertragsende im Sommer noch in Köpenick bleiben. Passend dazu veröffentlichte der 28-Jährige am Samstag via Instagram einen Sinnspruch, in dem es heißt: „Je älter man wird, hört man auf, den großen Dingen nachzujagen und fängt an, die kleinen Dinge zu schätzen.“
Fakt ist: Der schnelle Offensivspieler wird, so er denn nach seinem Trainingsrückstand wieder fit wird, dringend beim 1. FC Union gebraucht. Am Samstag entwickelten Mikkel Kaufmann und Kevin Volland nur wenig Torgefahr. Trainer Bjelica gab zu: „Freiburg hätte den Sieg sicher verdient gehabt. Wir hatten in einigen Momenten Glück und einen guten Torwart“. Er bemängelte: „Wir haben leider nach vorne nicht viel gebracht. Wir waren ein bisschen impotent in unserem Offensivspiel.“
So bleibt weiter das Warten auf Neuzugänge. Hartnäckig hält sich das Gerücht vom Berliner Interesse am Belgier Yorbe Vertessen vom PSV Einhoven. Der 1. FC Union soll Medienberichten aus den Niederlanden zu Folge fünf Millionen Euro für den Transfer des 23-Jährigen geboten haben. Trainer Peter Bosz will den Flügelspieler nicht gehen lassen. Beim niederländischen Spitzenreiter, der die Hinrunde mit 17 Siegen in 17 Spielen perfekt abgeschlossen hat, wurde Vertessen am Samstag beim 3:1-Heimsieg gegen Excelsior Rotterdam in der 77. Minute eingewechselt. (mit DPA und SID)


