Union Berlin
: So tickt Bo Svensson – Emotion, Empathie, Jugendtrainer

Union Berlin hat mit Bo Svensson den neuen Trainer präsentiert. Der Däne könnte menschlich und fußballerisch sehr gut zum Verein passen – auch wenn seine Gefühle einem anderen Bundesligisten gelten.
Von
Peter Mertes
Berlin
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Fußball: Bundesliga, 1. FC Union Berlin - FSV Mainz 05, 19. Spieltag, An der Alten Försterei. Trainer Bo Svensson (M) von FSV Mainz 05 gibt seinen Spielern Anweisungen. +++ dpa-Bildfunk +++

Trainer: Bo Svensson gibt in der Alten Försterei künftig die Kommandos für Union Berlin – hier ist er im Februar 2023 als Trainer von Mainz 05 beim Auswärtsspiel in Berlin zu sehen.

picture alliance/dpa/Andreas Gora

Nach dem emotionalen Saisonfinale samt Last-Minute-Klassenerhalt hat Union Berlin schnell die Weichen für die nächste Bundesliga-Saison 2024/25 gestellt. Mit Horst Heldt kam ein neuer Sportchef, der eng mit Oliver Ruhnert zusammenarbeiten soll, der wieder Chefscout wird. Gemeinsam haben sie mit Bo Svensson bereits den neuen Trainer vorgestellt.

Seit seinem Rücktritt bei Mainz 05 im Herbst 2023 hatte sich der Däne eine Auszeit genommen, um Kräfte zu sammeln. Angesichts der emotionalen Art des Trainers ein sinnvoller Entschluss, um frisch in die neue Spielzeit zu gehen. Für die könnte Svensson bei Union Berlin manches ändern, anderes dürfte für die Union-Fans an der Alten Försterei aber gleich bleiben.

Bo Svensson – Ausbildung als Trainer bei Mainz 05

Bo Svensson macht keinen Hehl daraus, dass er tief mit Union Berlins Bundesliga-Konkurrent Mainz 05 verwurzelt ist – daran wird sich auch nichts ändern, wenn er künftig zwei Spiele pro Saison gegen die Nullfünfer antritt. 2007 kam der Däne als Innenverteidiger in den Verein und trug das Trikot bis zu seinem Karriereende 2014. Anschließend blieb er sofort bei den Mainzern, Landsmann Kasper Hjulmand holte ihn ins Trainerteam der ersten Mannschaft.

Danach bestritt Svensson den klassischen Ausbildungsweg als Trainer im Verein, übernahm zunächst die U15, dann die U17 und schließlich die U19. 2019 trainierte er beim FC Liefering in Österreich erstmals eine Herrenmannschaft, seine Familie blieb aber in Mainz wohnen. Im Januar 2021 kehrte Svensson dann selbst dorthin zurück. Mit einer sensationellen Aufholjagd in der Rückrunde führte er Mainz 05 zum Klassenerhalt und anschließend zu zwei Spielzeiten auf einem einstelligen Tabellenplatz.

Auch wenn Svensson nach neun sieglosen Spielen zu Beginn der Saison 2023/24 zurücktrat, wird der Coach von Mainz-Fans noch immer geliebt – ähnlich wie Union-Fans Urs Fischer noch immer verehren. Mit einem emotionalen Abschiedsvideo und Tränen in den Augen hatte sich Svensson in Mainz verabschiedet und um den Klassenerhalt als letzten großen Wunsch gebeten.

Bo Svensson – viel Empathie und voller Emotionen

Auch wenn der Däne mit Union Berlin auf einem anderen Level verbunden sein wird, dürfte Svensson seine große Stärke nach Berlin mitbringen: Der 44-Jährige ist sehr empathisch und hat nicht nur sein Profiteam im Blick. Svensson begegnet jedem Menschen auf Augenhöhe, in Mainz war er nicht nur als Trainer, sondern auch als Mensch auf der Geschäftsstelle und im Vereinsumfeld sehr geschätzt.

Während der 90 Minuten wirkt Svensson aber nicht immer sympathisch, regelmäßig sammelte er gelbe Karten wegen lautstarkem Meckern, im DFB-Pokal zeigte ihm Deniz Aytekin einmal sogar Rot wegen Schiedsrichterbeleidigung. Emotionen sind ein wichtiger Teil von Svenssons sehr aktivem Coachen an der Seitenlinie, das ein ganzes Stadion emotionalisieren kann.

Bo Svensson – Mannschaft statt Starspieler

Fußballerisch dürfte Svensson das Spiel der Eisernen nicht grundlegend reformieren. Der Trainer setzt auf viel Einsatz, Zweikampfhärte und direktes Umschaltspiel – verbunden mit einem hohen Pressing, um die Wege vors Tor kurz zu halten. Bei Mainz 05 lag die Passquote unter Svensson in einigen Spielen unter 70 Prozent, weil nach Ballgewinn das Leder sofort in Richtung des Zielspielers geschlagen wurde.

Fußball: Bundesliga, 1. FC Union Berlin - FSV Mainz 05, 1. Spieltag, An der Alten Försterei. Trainer Urs Fischer (l) von Union Berlin begrüßt Trainer Bo Svensson von 1.FSV Mainz im Stadion. +++ dpa-Bildfunk +++

Verehrt: So wie Urs Fischer von vielen Union-Fans bis heute geliebt wird, verehren Mainz-Fans immer noch Bo Svensson. Kommende Saison gibt es in der Bundesliga ein emotionales Wiedersehen.

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Wichtiger als individuelle Klasse ist dem Trainer dabei die mannschaftliche Geschlossenheit. Als Svensson im Winter 2021 in Mainz übernahm, ließ er trotz verzweifelter Lage im Abstiegskampf den besten Torjäger Jean-Philippe Mateta gehen, der zeitweise mit Starallüren negativ aufgefallen war. Mit neuer Geschlossenheit gelang der nicht mehr für möglich gehaltene Klassenerhalt.

Ein Faktor für Svenssons bisherigen Erfolg ist auch sein langjähriger Co-Trainer Babak Keyhanfar, der auf den bisherigen Stationen nicht weniger emotional als der Cheftrainer war, dafür aber sogar noch näher an der Mannschaft dran. Seinen Vertrauten dürfte Svensson auch zu Union mitbringen, die Zukunft von Marie-Louise Eta und Sebastian Bönig ist daher noch fraglich.

Bo Svensson – Vertrauen in die Jugendspieler

Als ehemaliger Jugendtrainer hat Svensson die Nachwuchsteams genau im Blick. In Mainz verhalf er Nelson Weiper mit 17 Jahren zum Bundesliga-Debüt, der Mittelstürmer netzte als Joker in neun Spielen zweimal. Zur Saison 2023/24 warf er Brajan Gruda ins kalte Bundesliga-Wasser, mittlerweile ist der 19-Jährige im erweiterten Kreis der Nationalmannschaft angekommen.

Ein drittes Beispiel für Svenssons großes Vertrauen in Jugendspieler: Als Mainz 05 im Sommer 2022 coronabedingt auf ein Dutzend Spieler verzichten musste, schickte der Trainer eine bessere U23 ins Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig. Sogar zwei A-Jugendliche starteten und zeigten mit viel Vertrauen im Rücken eine starke Leistung. Vom Trainer perfekt eingestellt gewann Mainz das Spiel als klarer Außenseiter mit 1:0.