Union Berlin
: Krise – deshalb müssen die Eisernen auch in der Champions League leiden

Union Berlin wartet nach der Niederlage in der Champions League gegen Braga weiter auf ein Erfolgserlebnis. Urs Fischer nennt danach einen wichtigen Grund für die Krise. Aber auch einen Punkt, der Mut macht.
Von
Frank Noack,
Jan Lehmann
Berlin
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  • Gemeinsames Leiden in der Krise: Trotz der Niederlage gegen Sporting Braga wurden die Spieler des 1. FC Union Berlin von den Fans gefeiert.

    Gemeinsames Leiden in der Krise: Trotz der Niederlage gegen Sporting Braga wurden die Spieler des 1. FC Union Berlin von den Fans gefeiert.

    Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Sheraldo Becker (Union Berlin) hält sich die Hände schützend vor  das Gesicht – diese Niederlage gegen Sporting Braga tut weh.

    Sheraldo Becker (Union Berlin) hält sich die Hände schützend vor das Gesicht – diese Niederlage gegen Sporting Braga tut weh.

    Sebastian Christoph Gollnow/dpa
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Das Leiden des 1. FC Union Berlin hatte am Dienstagabend nach dem 2:3 (2:1) in der Champions League gegen Sporting Braga viele Gesichter. Die Fans litten mit der Mannschaft und feierten sie trotz des erneuten Last-Minute-K.o. Doppeltorschütze Sheraldo Becker hielt sich direkt nach Schlusspfiff die Hände schützend vor das Gesicht. Trainer Urs Fischer suchte derweil im Scheinwerferlicht der Pressekonferenz nach den richtigen Worten.

„Das ist eine ganz bittere Niederlage. Man fragt sich: Wie viele Schläge kann man einstecken? Jetzt gilt es auch nach diesem Schlag wieder aufzustehen“, sagte Fischer. Wieder kassierten die Eisernen genau wie beim 0:1 gegen Real Madrid das entscheidende Gegentor in der Nachspielzeit. Wieder belohnten sie sich nicht für den großen Aufwand in den 90 Minuten zuvor. „Es ist momentan der Wurm drin, das nagt natürlich schon an einem“, räumte der ebenfalls tief enttäuschte Mittelfeldspieler Janik Haberer ein.

Keine Frage – so sehr wie im Moment mussten der 1. FC Union und seine Fans schon lange nicht mehr leiden. Anders ausgedrückt: Urs Fischer steckt mit seinem Team in der größten sportlichen Krise der Neuzeit, spricht dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga im Jahr 2019. Das 2:3 gegen Braga war die mittlerweile sechste Niederlage in Folge.

Der Champions-League-Abend vor der Rekordkulisse von mehr als 73 000 Zuschauern im Olympiastadion zeigte schonungslos, warum die Köpenicker und ihre Fans derzeit so leiden müssen. Angeführt vom wiedererstarkten Doppelpack-Torschützen Sheraldo Becker gelangen ihnen zwar endlich wieder einmal zwei Tore. Aber es hätten eigentlich noch mehr Treffer sein können, vielleicht sogar müssen. „Wir haben auch in den letzten 20 Minuten noch einmal extrem viel investiert und hätten den Sack vorher zu machen können“, erklärte Kevin Volland selbstkritisch. Der eingewechselte Stürmer vergab in dieser Phase eine der besten Möglichkeiten.

Das größte Problem aus Berliner Sicht aber ist: Zu der fehlenden Effizienz bei der Verwertung der Torchancen haben sich inzwischen auch erhebliche Defizite in der Defensive gesellt. Das Fehlen der seit Wochen fehlenden Robin Knoche und Rani Khedira kann die Mannschaft trotz der Verpflichtung von Stars wie Leonardo Bonucci und Robi Gosens aktuell einfach nicht kompensieren. Es fehlt vor allem die Struktur in der defensiven Zone, die Union in den vergangenen Jahren so stark gemacht hat.

Gegen Braga wurden die Gastgeber durch Distanzschüsse aus dem Rückraum mehrmals kalt erwischt. „Wir schützen unser Tor nicht gut genug. Deshalb sprechen wir über eine unnötige Niederlage“, kritisierte Fischer.

Aber wie kann man sein Tor besser schützen? Fischer verdeutlichte seine Kritik am Beispiel des dritten Gegentores, als die Gefahr zum dritten Mal in diesem Spiel aus dem Rückraum auf die Eisernen zurollte. Es gebe in solchen Situationen nur zwei Optionen: Entweder der Gegner wird attackiert oder aber die Mannschaft zieht sich kollektiv zurück, um dann in der eigenen Hälfte den Ball erobern zu können. So weit die Theorie. In der Praxis machten jedoch einige Spieler das eine, der Rest aber das andere. „Es gibt für solche Situationen eine klare Zuordnung. Jeder Spieler hat einen Auftrag zu erfüllen“, stellte Fischer klar: „Es wurde einfach nicht gut umgesetzt, was klar besprochen war. Wir verteidigen im Moment nicht gut, das müssen wir ansprechen.“

Union Berlin spielt bei Borussia Dortmund

Diese Aussage macht deutlich, dass die sportliche Krise des 1. FC Union nach sechs Niederlagen in Folge nicht mehr nur an Glück und Pech festzumachen ist, sondern auch strukturelle Gründe hat. Dass ein Rädchen ins andere greift, ist die Basis für das System Urs Fischer. Aber genau daran hapert es im Moment. Einerseits, weil Spieler wie Knoche und Khedira fehlen. Andererseits, weil das Team aufgrund der späten Neuverpflichtungen noch immer seine innere Harmonie sucht.

Das Leiden des FCU und seiner Fans geht also weiter. Zumal die nächsten Aufgaben nicht leichter werden. Am Samstag spielen die Eisernen bei Borussia Dortmund (15.30 Uhr). Nach der Länderspielpause gastiert dann mit dem VfB Stuttgart das Team der Stunde im Stadion An der Alten Försterei.

Union Berlin tut deshalb gut daran, die Leiden von heute in die Motivation von morgen umzuwandeln. Ob er angesichts der unnötigen Niederlage gegen Braga wütend sei, wurde Urs Fischer am Dienstagabend gefragt. „Ich bin enttäuscht. Aber ich kann doch nicht wütend sein, denn die Mannschaft hat ja auch in diesem Spiel alles gegeben“, antworte der Union-Trainer. Die Resultate, so Fischer, würden derzeit einfach nicht den Leistungen entsprechen. Und er nannte einen Punkt, der Mut macht: „Natürlich ist die Sorge da. Aber das Positive ist ja, dass sich Mannschaft viele Chancen erarbeitet.“