Union Berlin Transfer
: Harter Kurs – warum Trainer Bjelica auf Sheraldo Becker verzichtet

Trainer Nenad Bjelica von Union Berlin verzichtet beim Sieg gegen Köln freiwillig auf Sheraldo Becker. Rückt damit der Abschied von Becker im Winter näher? Ein Bundesliga-Konkurrent hat Interesse bekundet.
Von
Frank Noack
Berlin
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  • Harter Kurs: Union-Trainer Nenad Bjelica verzichtete beim Sieg gegen den 1. FC Köln freiwillig auf Stürmerstar Sheraldo Becker.

    Harter Kurs: Union-Trainer Nenad Bjelica verzichtete beim Sieg gegen den 1. FC Köln freiwillig auf Stürmerstar Sheraldo Becker.

    Andreas Gora/dpa
  • Sheraldo Becker (Union Berlin) gehörte gegen den 1. FC Köln nicht zum Kader der Eisernen.

    Sheraldo Becker (Union Berlin) gehörte gegen den 1. FC Köln nicht zum Kader der Eisernen.

    Matthias Koch
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Wo war Sheraldo Becker? Diese Frage stellten sich viele Fans des 1. FC Union Berlin am Mittwochabend (20. Dezember) im Stadion An der Alten Försterei. Der in der Vergangenheit bei den Eisernen eigentlich als unverzichtbar geltende Stürmer gehörte beim 2:0-Sieg gegen den 1. FC Köln im letzten Bundesliga-Spiel des Jahres nicht zum Kader.

Das Fehlen von Becker warf natürlich Fragen auf. Die Deutsche Presseagentur (dpa) nannte es eine „Demontage“ des Starstürmers. Sie habe Nenad Bjelica nicht einmal 15 Sekunden gekostet. „Es ist eine taktische Entscheidung vom Trainer“, beendete der Chefcoach von Union Berlin in der Pressekonferenz sein kurzes Statement auf die Frage, warum der Top-Angreifer der Vorsaison und der Kandidat für ein bisschen Extravaganz bei den Köpenickern gegen Köln nicht einmal im Kader gestanden hatte.

Er habe sich zwischen David Fofana und Becker entscheiden müssen, konstatierte Bjelica. Der sportliche Lauf der Dinge gab ihm recht. Fofana belebte nach seiner Einwechslung das Offensivspiel, traf nach mehreren vergebenen Chancen zum 2:0-Endstand gegen Köln. Doch die Worte des Trainers konnten die raunenden Gerüchte im Stadion an der Alten Försterei nicht vertreiben, Becker sei wegen Disziplinlosigkeit im Training abgestraft worden.

Dann wäre der Niederländer nach Fofana schon der zweite Akteur, der die harte Hand des kroatischen Coaches zu spüren bekommt. Nur wer mitzieht im Abstiegskampf, darf mitspielen. Das hatte Bjelica nun schon mehrfach geäußert. Bei Fofana funktionierten Strafmaß und Resozialisierung auf dem Platz schnell. Bei Becker könnte es zum Bruch kommen.

Zumal mittlerweile Benedict Hollerbach zum Mann für die Geschwindigkeit im Angriff der Eisernen avanciert ist. Nach seinem ersten Bundesliga-Tor gegen Borussia Mönchengladbach brachte Hollerbach den FCU auch gegen Köln mit dem 1:0 (55.) auf die Siegerstraße. „Dieses Tor hat das Spiel komplett verändert. Benedict Hollerbach hat es mit seinen Qualitäten praktisch aus dem Nichts erfunden“, lobte Bjelica.

Sheraldo Becker galt schon im Sommer als Verkaufskandidat. Damals hatten Clubs aus der englischen Premiere League ihr Interesse bekundet. Ein für alle Seiten akzeptables Angebot flatterte aber nicht rein.

Eintracht Frankfurt an Sheraldo Becker interessiert

Zwölf Millionen Euro Marktwert werden derzeit bei der Plattform Transfermarkt für den 28-Jährigen aufgerufen, im Sommer sollen es noch 17 Millionen gewesen sein, ein noch akzeptabler Wertverfall angesichts der miserablen Union-Saison insgesamt und null Bundesliga-Toren von Becker in elf Spielen. Zum gleichen Zeitpunkt hatte er in der Vorsaison schon sieben Mal getroffen. Die Eisernen machen keine Angaben zu Verträgen, doch Beckers Kontrakt läuft wohl nächsten Sommer aus. Ablöse gibt es also nur im Falle eines Winter-Wechsels.

Laut „Bild“ hat Bundesliga-Konkurrent Eintracht Frankfurt den Union-Angreifer auf dem Zettel. Eintracht-Trainer Dino Toppmöller wünscht sich mehr Geschwindigkeit auf den Außenpositionen. Zumal Frankfurt nach wie vor einen Nachfolger für den pfeilschnellen Randal Kolo Muani sucht, der inzwischen beim FC Paris Saint-Germain spielt und dem Vernehmen nach eine Ablöse von 95 Millionen Euro in die Kassen gespült hat.

Es könnte sein, dass die Zeichen bald auf Abschied stehen. Dann müsste sich Bjelica nicht mehr zwischen Fofana und Becker entscheiden. Und Hollerbach dürfte sich ohnehin erst einmal seinen Platz in der Startelf gesichert haben. (mit dpa)