Von Hertha BSC zu Union Berlin: Warum es Tousart beim Wechsel leichter hat als Urs Fischer

Neuzugang Lucas Tousart (Mitte) von Hertha BSC absolvierte am Donnerstagvormittag seine erste Trainingseinheit beim 1. FC Union Berlin
Matthias KochDieser Spielerwechsel beschäftigt derzeit die Fußballfans in Berlin. Lucas Tousart (26) wechselt ausgerechnet von Hertha BSC zum 1. FC Union. Statt in Charlottenburg spielt der Franzose in der Bundesliga–Saison 2023/24 in Köpenick.
Dabei kann ein Kleiderwechsel doch so einfach sein. In einem Videoschnipsel, den Union Berlin nach der Verpflichtung von Lucas Tousart am Mittwoch verbreitete, spaziert der Neuzugang schon einmal durch das Stadion An der Alten Försterei. Der Mittelfeldspieler trägt dabei zunächst ein legeres Freizeithemd und in der nächsten Einstellung plötzlich das Union–Trikot mit der Rückennummer 29 — ein Videoschnittprogramm macht solche Kleiderwechsel möglich.
In der Praxis dürfte der Wechsel nicht ganz so geräuschlos über die Bühne gehen. Zumal die Hertha–Fanseele immer noch mit dem Abstieg aus der Bundesliga zu kämpfen hat. In Charlottenburg wird jetzt 2. Liga gespielt, in Köpenick fiebert man derweil der Champions League entgegen. Die ersten Reaktionen der Hertha–Anhänger im Internet waren deshalb wenig überraschend. Sie reichen von Abschiedsschmerz und den besten Wünschen für Lucas Tousart bis hin zur Aufforderung, sich zu verp…
Erschwerend kommt aus Sicht der leidgeplagten Hertha–Anhänger hinzu: Diese Personalie ist ein weiterer Beleg für die katastrophale Personalpolitik in den vergangenen Jahren. 2020 wurde der Franzose für die Rekordsumme von 25 Millionen Euro von Olympique Lyon geholt. Jetzt wechselt Tousart für einen vergleichsweise kleinen Preis in Berlin die Seiten. Die Ablösesumme soll bei gerade einmal drei Millionen Euro liegen. Zuzüglich erfolgsabhängiger Boni kann sich die Summe dem Vernehmen nach auf sechs Millionen Euro erhöhen. Hertha BSC spart sich zwar das Gehalt eines Topverdieners — dennoch ist dieser Wechsel ein teures Verlustgeschäft.
Bei Union Berlin versucht man derweil, die Emotionen nicht noch zusätzlich zu befeuern. Ein besonderer Wechsel? Ach was, findet Urs Fischer. „Er hat ja seine Jugend nicht bei Hertha BSC verbracht, sondern kam aus Frankreich“, erklärte der Trainer der Eisernen nach dem 3:0–Testspielsieg gegen Rapid Wien.
In der Tat hatte Lucas Tousart bis vor drei Jahren mit der Rivalität der beiden Hauptstadt–Clubs nicht viel am Hut. Warum auch? Damals war Union Berlin noch relativ neu in der Bundesliga. Dass die Eisernen jetzt in der Champions League spielen — völlig undenkbar.
Angebot für Trainer Urs Fischer
Dabei kann sich Union–Trainer Urs Fischer sehr gut in die Lage von Lucas Tousart hineinversetzen. Der Coach aus der Schweiz befand sich früher mal in einer ähnlichen Lage. Er wurde im Nachwuchs des FC Zürich ausgebildet. Im Alter von sieben Jahren trug Fischer erstmals das FCZ–Trikot. Als A–Junior erhielt er dann ein Angebot vom Stadtrivalen, den Grashoppers Zürich.
Was er damals gemacht hat? Urs Fischer schlug das Angebot aus. „Das kam zu dieser Zeit nicht infrage. Außerdem hat es schon was damit zu tun, wo man aufwächst“, sagt Fischer. Bei Tousart seien die Dinge laut Fischer eben etwas anders, „weil er aus Frankreich zur Hertha kam“.
Am Donnerstagvormittag ist Lucas Tousart in das Training eingestiegen. Auch wenn er das Trikot der Eisernen beim Fototermin anlässlich der Vertragsunterzeichnung schon mal probeweise überziehen durfte — die offizielle Weihe durch die Union–Anhänger steht noch aus. Richtig angekommen in Köpenick ist Tousart erst dann, wenn die Fans beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung auch seinen Namen mit dem obligatorischen Zusatz „Fußballgott“ versehen. Dieser Moment könnte am Samstag beim Testspiel gegen Holstein Kiel (15 Uhr) kommen.

