zum Erstliga-Aufstieg von FC Union
: Ein Traum ist wahr

Der 27. Mai 2019 wird seinen Platz in der Vereinsgeschichte von 1. FC Union haben.
Von
Uwe Wuttke
Berlin
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Uwe Wuttke

MOZ/Gerrit Freitag

Damals beendete der Verein aus dem Berliner Osten die Saison auf Platz 4 und blieb Zweitligist. Doch nun ist es wirklich passiert. Die Eisernen aus Köpenick spielen als 56. Neuling in der 1. Bundesliga. Der 27. Mai 2019 wird seinen Platz in der Vereinsgeschichte haben. Neben den Pokalhelden von 1968, die das übermächtige Carl Zeiss Jena bezwangen, kommen die Aufstiegshelden.

Dabei fremdelten die Anhänger lange mit dem Gedanken, in eine Spielklasse aufzusteigen, in der fast nur das Kapital regiert. Doch diese Zeiten sind vorbei. Zu verdanken ist dies den Baumeistern des Erfolgs. Allen voran Vereinspräsident Dirk Zingler. Der Unternehmer hat den Club 2004 übernommen, als er neben sportlicher Talfahrt vor allem finanziell am Boden lag. Beharrlich hat der von der Fantribüne ins Amt gekommene Zingler in kleinen Schritten, aber mit Risiko und unternehmerischem Geschick sein Ziel verfolgt, den 1. FC Union unter die 20 besten Vereine in Deutschland zu führen. Die nächsten ehrgeizigen Aufgaben sind im Blick. Das Stadion soll eine Kapazität von 37 000 Zuschauern erhalten, ein Nachwuchsleistungszentrum gebaut werden. Der Aufstieg ist durch steigende Fernsehgelder ein Segen.

Und auch im Umfeld hat vieles gepasst. Dazu gehört die Sportliche Leitung. Der Geschäftsführer Profifußball, Oliver Ruhnert, hat die Mannschaft, eine Mischung aus Fußballarbeitern mit einigen spielerischen Feingeistern, umsichtig zusammengestellt. Der stoische Schweizer Trainer Urs Fischer hat ruhig und mit Augenmerk diese Mannschaft so entwickelt, dass sie als solche funktionierte. In der Relegation war dies richtig zu sehen. Ein bisschen wie Klassenkampf auf dem grünen Rasen: Die robusten „Schlosserjungs aus Oberschöneweide“, wie sich die Unioner gerne titulieren, gegen die Großkopferten aus Stuttgart, deren Spielerkosten von 60 Millionen Euro alleine deutlich über dem Gesamtetat der Köpenicker (47) liegen. Dass die Schwaben als 16. der Bundesliga die unverdiente zweite Chance vergaben, ist verdient.

Berlin gesellt sich wieder in die Reihe jener Hauptstädte, die zwei Fußball-Clubs in der ersten Liga haben. Allerdings muss der Politik klar sein, dass infrastruktuell gerade an der Alten Försterei einiges zu tun ist – zum Beispiel Thema Nahverkehrsanbindung. Der Deutschen Fußball Liga dürften die Eisernen ein Dorn im Auge sein. Die Arena zu klein, die Fans haben noch etwas zu sagen, die Vereinsverantwortlichen sind keine puren Ja-Sager, sondern sorgen mit einem Diskussionspapier zur Zukunft des deutschen Fußballs für Wirbel. Das birgt Konfliktpotenzial.

Worauf kann sich die Bundesliga freuen? Auf großartige Anhänger. Eine rote Welle von 10 000 und mehr Fans wird in die Stadien in München, Dortmund oder Bremen schwappen. Und spätestens kurz vor dem Abpfiff wird wie immer der Choral erklingen: „Dem Morgengrauen entgegen ziehen wir gegen den Wind. Wir werden alles zerlegen, bis wir Deutscher Meister sind.“ Ob es jemals so weit kommt, lässt sich nicht voraussagen. Den Aufstieg in die Beletage des deutschen Fußballs haben sich Verein, Trainer und Mannschaft aber hart erarbeitet und allemal verdient.

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