Torsten Mattuschka (41) kennt sich bestens aus im Fußball-Osten. Beim 1. FC Union Berlin hat der Ex-Profi längst Legenden-Status. Unvergessen bei den Union-Fans ist sein Freistoß am 5. Februar 2011 zum 2:1-Siegtor gegen Hertha BSC im Olympiastadion. Von 2005 bis 2014 spielte Mattuschka für die Eisernen. Danach wechselte er zu Energie Cottbus.
In der am Wochenende startende Bundesliga-Saison 2022/23 kann es aus Sicht von Torsten Mattuschka für Union Berlin erst einmal nur ein Ziel gegen: „Ich hoffe, dass Union in der Liga bleibt.“
Aktuell arbeitet Torsten Mattuschka als Co-Trainer beim Regionalligisten VSG Altglienicke sowie als TV-Experte für den Fernsehsender Sky. Zudem hat er im vergangenen Jahr in Berlin-Köpenick die Kneipe „Tusches Kick and Rush 17“ eröffnet. Hier ist seine große Saisonprognose.

Torsten Mattuschka über das Ziel für Union Berlin

„Die vergangenen beiden Jahre mit Platz sieben und Platz fünf können nicht der normale Anspruch von Union Berlin sein. Ohne die tolle Arbeit dieser Vereine schmälern zu wollen, aber: Wenn Union auf Platz fünf landet, Freiburg auf sechs und Köln auf sieben – dann haben andere Vereine mit einem deutlich größeren Etat etwas falsch gemacht. Meine Zielstellung für die kommende Saison: Ich hoffe, dass Union in der Liga bleibt. Es ist doch nicht schlimm, wenn wir mal 13. oder 14. werden.“

Torsten Mattuschka über die Erwartungshaltung der Union-Fans

„Ich hoffe natürlich genau wie die Fans auf ein bestmögliches Anschneiden. Aber davon zu träumen, dass Union Berlin in jeder Saison ins internationale Geschäft kommt – das ist vermessen. Der langjährige Union-Fan weiß das natürlich. Aber es sind ja auch viele neue Fans dazukommen. Sie haben nur die letzten Jahre in der Bundesliga mitgemacht. Und da wächst natürlich der Anspruch.“

Torsten Mattuschka über die Abgänge bei Union Berlin

„Man kann damit natürlich auch Transfer-Einnahmen generieren. Denn der Verein hat ja noch die eine oder andere Millionen an Schulden zu bezahlen. Aktuell ist es noch so, dass man Spieler wie Grischa Prömel und Taiwo Awoniyi ziehen lassen muss, anstatt eine Mannschaft um sie aufzubauen. Deshalb wird es immer eine Aufgabe für den Club bleiben, Jungs zu holen, die das einigermaßen auffangen können. 15 Tore von Awoniyi musst du erstmal ersetzen. Im Optimalfall kann man es auf mehrere Schultern verteilen.“

Torsten Mattuschka über die neue Offensive von Union Berlin

„Mit Jordan Siebatcheu hat man einen richtig guten Transfer getätigt. Er hat bei Young Boys Bern viele Tore geschossen. Er ist ein körperlich robuster Spieler. Außerdem hoffe ich, dass Sven Michel eine ähnlich gute Rolle spielen kann wie am Ende der vergangenen Saison. Dazu kommt Sheraldo Becker mit seinem brutalen Tempo. Gerade zu Hause ist Union eklig zu bespielen. Mit den Fans im Rücken ist man eine echte Macht geworden.“

Torsten Mattuschka über den Abstiegskampf

„Man darf nicht vergessen: Schalke 04 und Werder Bremen sind nicht die normalen Aufsteiger. Ohne diesen drei Mannschaften zu nahe zu treten – aber das ist nicht Bielefeld, Greuther Fürth oder Bochum. Gerade in den Heimspielen ist bei Schalke und Werder eine enorme Wucht vorhanden. Deswegen bin ich gespannt, wer die zwei direkten Absteiger sein werden. Und Bochum macht es ja auch nicht schlecht. Ich sage es nochmal mit Blick auf Union: Bitte so erfolgreich wie möglich, aber ich kann auch mal mit Platz 12, 13 oder 14 leben.“

Torsten Mattuschka über die 2. Liga

„Der HSV muss Erster werden. Und – davon bin ich überzeugt – der HSV wird auch Erster werden. Weil sie mit Tim Walter einen Trainer haben, der zum ersten Mal mit seiner Mannschaft ins zweite Jahr gehen darf. Der Großteil des Kaders ist zusammengeblieben. Mit Laszlo Benes von Mönchengladbach haben sie einen Riesentransfer getätigt. Hannover 96 mit dem neuen Trainer Stefan Leitl ist auch ein Kandidat für die top Drei. Bielefeld ist in der Offensive sehr breit aufgestellt. Trotzdem ist die 2. Liga schwer einzuschätzen. Es gibt ja auch noch Düsseldorf, Nürnberg und Greuther Fürth. Und eine Überraschungs-Mannschaft gibt es meistens auch.“

Torsten Mattuschka über die 3. Liga

„Dynamo Dresden ist für mich neben 1860 München der Favorit. Aber auch Waldhof Mannheim hat sich gut verstärkt. Aue mit Timo Rost und Tomislav Piplica finde ich ebenfalls spannend. Sie haben in Aue eine gute Mannschaft zusammengestellt. So einen Durchmarsch, wie er Magdeburg zuletzt gelungen ist, erwarte ich nicht. Ich erwarte stattdessen Spannung bis zum Schluss. Das wird wieder brutal eng.“

Torsten Mattuschka über Energie Cottbus

„Energie Cottbus ist einer der Favoriten – und muss es auch sein. In Cottbus hat man ganz schnell eine Euphorie entfacht. Wenn die ersten Spiele gut laufen, dann kommen 7000 bis 8000 Zuschauer. Ganz ehrlich – Cottbus gehört nicht in die Regionalliga. Mit dem Umfeld ist das mindestens 3. Liga. Aber man sieht, wie schwer es ist hochzukommen. Gegen Energie Cottbus ist jede Mannschaft besonders motiviert. Die meisten Gegner werden tief stehen und auf Konter warten. Dieses Spiel im letzten Drittel des Gegners – das ist die Champions League. Egal, ob Bundesliga oder 4. Liga.“

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