Mit Jessic Ngankam hat ein Angreifer beim 2:1-Sieg von Hertha BSC beim feststehenden Absteiger Schalke 04 durch sein Siegtor die Kohlen aus dem Feuer geholt für die Berliner. Gleichwohl gehen Trainer Pal Dardai vor den letzten beiden Spielen der Saison die Stürmer aus, nachdem auch Krzysztof Piatek die Partie in Gelsenkirchen nicht unbeschadet überstanden hat.

Piateks Sprunggelenk ist „im Arsch“

„Es sieht nicht gut aus, das Sprunggelenk ist im Arsch“, sagte Dardai unmittelbar nach der Partie. Die Diagnose folgte am Donnerstag: Fraktur im rechten Sprunggelenk und Saisonaus. Piatek war in der zweiten Hälfte umgeknickt. Für ihn war in der 58. Minute Siegtorschütze Ngankam eingewechselt worden.

Hertha fehlen gegen den 1. FC Köln die vier prominentesten Angreifer.

Damit fehlen der Hertha gegen Köln die vier prominentesten Angreifer, weil der eingewechselte Dodi Lukebakio in der Schlussphase nach einem Foulspiel die Gelb-Rote Karte sah, ist der Belgier für die kommende Partie gesperrt. „Das war blödsinnig und unnötig, das akzeptiere ich nicht", sagte Dardai zum Platzverweis und drohte den Spieler „den bösen Trainer“ an, denn „irgendwann reicht es mit nett sein“. Schon vor dem Schalke-Spiel standen Matheus Cunha und Jhon Cordoba auf der Ausfallliste. Für beide, wie auch jetzt für Piatek, ist die Saison gelaufen. Sowohl der Brasilianer Cunha als auch der Kolumbianer Cordoba haben sich wie Piatek am Sprunggelenk verletzt. „Es ist eine Folge von fehlender Koordination durch Müdigkeit. Sie springen hoch und landen schlecht“, erklärte Dardai.
Fußball Bundesliga Berlin Hertha BSC und der schmale Grat

Berlin

Herthas Ausfall-Liste ist zum ungünstigsten Zeitpunkt so lang wie seit Monaten nicht – ein Zufall ist das nicht. Pal Dardai warnte schon zu Beginn des monströsen Restprogramms mit sechs Spielen in 20 Tagen, dass sich zahlreiche Spieler verletzen werden. Dass die Liste derart lang und vor allem prominent ist, dürfte aber auch den Ungarn mächtig schmerzen.

Trainer Dardai kann sich auf den Nachwuchs verlassen

Allerdings kann sich der 45-Jährige auf den Nachwuchs verlassen. „Ich kenne die alle dort“, erklärte Dardai, der vor seiner Inthronisierung als Labbadia-Nachfolger als U-15-Trainer arbeitete. Er lobte der eingewechselten 19-jährigen Jonas Michelbrink, der sein Bundesliga-Debüt gab – und natürlich Ngamkam. Der gebürtiger Berliner ist seit seinem sechsten Lebensjahr bei der Hertha und strahlte nach der Partie. „Das ist ein sehr, sehr, sehr, sehr schönes Gefühl. Ich bin ein richtiger Herthaner. Umso stolzer bin ich, der Mannschaft ein bisschen geholfen zu haben“, sagte der 20-Jährige bescheiden ins Fernsehmikrofon. Den Tipp für seinen Treffer hatte er von Torwart Alexander Schwolow erhalten. „Er hat gesagt, Schüsse ins kurze Eck könne ein Torwart kaum abwehren.“
Youtube

Youtube Ein Tach mit: Jessic Ngankam

Talent Ngankam ist ein Politikum

Dass er Ngankam zuletzt neun Mal in Folge nicht in den Kader berufen hatte, schmerzte auch Dardai. "Jessic ist immer gut im Training, er gibt Gas, macht alles, aber auf seiner Position sind ein Cordoba, ein Piatek, das sind Millionenspieler". Es klingt nach dem üblichen Dilemma, dass der Trainer verpflichtet ist, statt eines talentierten Eigengewächses auf mit Investoren-Geld teuer eingekaufte Spieler setzen zu müssen.
Das Ergebnis auf Schalke war für Dardai mit den drei gewonnenen Punkten dagegen ein Traum. „Das fühlt sich sehr schön an.“ Der Ungar lobte sein Team für den „Kampfgeist“, und dass es nach dem überraschenden Rückstand durch Amine Harit ruhig geblieben ist. Der schnelle Ausgleich durch Dedryck Boyata half sicher dabei. Am Ende war noch etwas Glück dabei, als Schalkes Shkodran Mustafi und Benito Raman nur den Pfosten trafen. Glück, das Hertha den Klassenerhalt bringen kann.

Oranienburg

Zwei Matchbälle gegen FC Köln und TSG Hoffenheim.

„Jetzt haben wir zwei Matchbälle, dann schaffen wir das“, blickt der Coach auf die Partien am Sonnabend gegen den 1. FC Köln am Sonnabend im Olympiastation und eine Woche später bei der TSG Hoffenheim. Die Berliner haben nun drei Zähler mehr als der 16. Bielefeld und der 15. Bremen. Ein Vorteil für die Hertha ist auch die beste Tordifferenz aller Abstiegskandidaten.

Torwart Jarstein verlängert seinen Vertrag

Auch Rune Jarstein, der nach seiner schwierigen Corona-Erkrankung die Saison beendet hatte, hofft auf den Klassenverbleib. Dann könnte der Norweger weiter Bundesliga spielen, denn in der Hauptstadt bleibt er noch länger. Der 36-Jährige unterschrieb am Donnerstag ein neues Arbeitspapier bis 2023. In sieben Jahren hat der Norweger bisher 179 Pflichtspiele für die Berliner bestritten.
Bleibt bis 2023 in Berlin: Herthas Torhüter Rune Jarstein
Bleibt bis 2023 in Berlin: Herthas Torhüter Rune Jarstein
© Foto: Sören Stache/dpa

Dienstältester Herthaner nach Peter Pekarik

„Rune ist mit seiner Erfahrung und seinem Stellenwert ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits. Deshalb freuen wir uns, dass er uns erhalten bleibt“, sagte Sportdirektor Arne Friedrich in einer Vereinsmitteilung über den inzwischen dienstältesten Herthaner nach Peter Pekarík. „Ich habe immer gesagt, dass ich mich bei Hertha BSC und in Berlin total wohl fühle. Das gilt nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie. Ich möchte die nächsten Jahre mithelfen, dass der Verein eine erfolgreiche Zukunft hat. Dafür gebe ich jeden Tag alles“, sagte Jarstein nach der Vertragsunterzeichnung.