• Der 1. FC Union Berlin gewinnt in der Fußball-Bundesliga gegen den VfL Bochum 3:2 (2:0) und spielt damit in der kommenden Saison in der Europa League.
  • Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen der Europa League und der Conference League sind beträchtlich.
  • Vor dem Anpfiff wurde ein Quintett der Eisernen verabschiedet. Außerdem gab es eine große Geste.
  • Bei Union Berlin sind mehrere Namen als Neuzugänge im Gespräch.

So ist die Lage bei Union Berlin nach dem Spiel gegen den VfL Bochum

Der 1. FC Union Berlin steigt im europäischen Wettbewerb eine Etage auf und spielt in der kommenden Saison in der Europa League. Mit dem 3:2 (2:0)-Sieg gegen den VfL Bochum krönten die Eisernen am Samstag ihre starke Saison in der Fußball-Bundesliga. Tabellenplatz fünf für Union Berlin – das ist das beste Abschneiden in der Vereinsgeschichte in der höchsten deutschen Spielklasse.
Es war erwartungsgemäß ein Nachmittag der großen Gefühle im mit 22 012 Zuschauern – natürlich – ausverkauften Stadion an der Alten Försterei. Denn nach 25 Minuten führten die Gastgeber gegen die ersatzgeschwächte Bochumer bereits mit 2:0. Auch wenn zwischenzeitlich noch einmal gezittert werden musste – der Rest war eine rauschende Jubel-Party in Rot und Weiß. Erst im Stadion, anschließend mit Livemusik auf dem Vorplatz der Arena.
Getrübt wurde die tolle Stimmung lediglich durch den Platzsturm einiger Fans aus beiden Lagern. „Bitte macht das nicht, bitte macht das nicht“, forderte Stadionsprecher und Kommunikationschef Christian Arbeit die Fans auf, hinter den Absperrungen zu bleiben.

Das sind die finanziellen Auswirkungen für Union Berlin

Neben der größeren sportlichen Wertigkeit sind auch die finanziellen Unterschiede zwischen der Europa League und der Conference League beträchtlich. In der Europa League beträgt das Startgeld 3,63 Millionen Euro. In der Conference League sind es 2,8 Millionen Euro. Und auch bei den Siegprämien gibt es Unterschiede. Europa League: 630 000 Euro, Conference League: 500 000 Euro.
Insgesamt winkt in der Europa League eine vier Mal so große Einnahme. In dieser Saison haben die Eisernen in der Conference League rund fünf Millionen Euro verdient.
„Beide Wettbewerbe sind interessant. Die Europa League ist jedoch eine Stufe höher“, hatte Union-Trainer Urs Fischer vor dem Saisonfinale betont.

Union Berlin gegen den VfL Bochum – so fielen die Tore

1:0 Grischa Prömel (5.)
Nach feinem Pass von Paul Jaeckel zieht Genki Haraguchi auf der rechten Seite auf und davon. Seine Maßflanke muss Prömel nur noch per Kopf einnicken.
2:0 Taiwo Awoniyi (25./Handlelfmeter)
Awoniyi trifft links unten ins Eck. Torhüter Esser ist zwar da, aber kann den Ball nicht abwehren.
2:1 Simon Zoller (55.)
Nach Flanke von Soares trifft Zoller aus acht Metern per Kopf. Es ist das erste Tor für den Stürmer nach langer Verletzungspause.
2:2 Eduard Löwen (78.)
Gegen Schlenzer ins lange Eck ist Torhüter Luthe ohne Chance.
3:2 Taiwo Awoniyi (88.)
Der Torjäger tamkt sich im Zentrum durch und sorgt für den Siegtreffer.

Union Berlin gegen den VfL Bochum – so gingen die Eisernen ins Spiel

Timo Baumgartl musste wie angekündigt pausieren. Beim Abwehrspieler ist Hodenkrebs diagnostiziert und ein Tumor erfolgreich entfernt worden. Wann er wieder auf dem Platz stehen könne, sei noch unklar, sagte Baumgartl. In der kommenden Woche werde er eine Empfehlung für seine weitere Therapie bekommen. Der Krebs sei glücklicherweise in einem frühen Stadium entdeckt worden – dank der Vorsorgeuntersuchung.
Große Geste der Mitspieler: Alle Spieler hatten sich vor dem Spiel in roten T-Shirts mit der Nummer 25 aufgewärmt – der Rückennummer von Baumgartl. „Eisern bleiben, Timo“, twitterte Union Berlin.
Torhüter Frederik Rönnow (Oberschenkel) und Dominique Heintz (Knöchelverletzung) fehlten ebenfalls gegen den VfL Bochum. Union-Trainer Urs Fischer schickte dieselbe Startelf auf den Rasen wie beim 4:1-Sieg beim SC Freiburg. Die Gäste aus dem Ruhrpott mussten aufgrund von Verletzungen und Krankheiten auf mehrere Stammspieler verzichten. Auf der VfL-Bank saßen nur noch vier Feldspieler.

Union Berlin gegen den VfL Bochum – so lief das Spiel

Das Spiel gönnte sich keine lange Anlaufphase. Bereits nach wenigen Sekunden gab es die erste Schrecksekunde für Union Berlin, also Sheraldo Becker nach seinem ersten Sprint auf dem Rasen liegenblieb. Der Stürmer konnte jedoch weitermachen.
Kurz danach traf ausgerechnet Grischa Prömel zum 1:0 (5.) für die Eisernen. Ein Tor der großen Gefühle – denn für Prömel war es das letzte Spiel im Stadion An der Alten Försterei. Der Vize-Kapitän wechselt zum Bundesliga-Konkurrenten TSG Hoffenheim.
Nach 18 Minuten war die Partie für Pechvogel Sheraldo Becker dann aber doch verletzungsbedingt beendet. Für ihn kam Sven Michel ins Spiel, der zuletzt als erfolgreicher Joker für Furore gesorgt hatte. Und auch diesmal war Michel sofort zur Stelle. Seinen Schuss von der Strafraumgrenze bekam Robert Tesche unglücklich an die Hand – Schiedsrichter Marco Fritz aus Korb entschied nach Videobeweis auf Elfmeter. Taiwo Awoniyi erzielte vom Punkt das 2:0 (25.).
Kleines Kuriosum:  Nach der 1. Halbzeit war die Partie dann auch für den eingewechselten Sven Michel schon wieder beendet. Wegen akuter Rot-Gefahr nahm Union-Trainer Urs Fischer den etwas übermotivierter Stürmer vom Rasen. Bochum wurde jetzt stärker und kam zum 1:2 durch Simon Zoller (55.).
Es war die schwächste Phase von Union Berlin in dieser Partie. Die Köpenicker brauchte eine gewisse Zeit, um vom Feier- noch einmal in den Wettkampfmodus zurückzukehren. Das klappte recht passabel. Taiwo Awoniyi (67.) und András Schäfer (73.) verpassten die endgültige Entscheidung. Nach dem 2:2-Ausgleich durch Eduard Löwen (79.) mussten die Eisernen und ihre Fans dann sogar noch einmal um die Europa-League-Teilnahme zittern. Mit seinem zweiten Treffer machte Taiwo Awoniyi (3:2/88.) aber alles klar.

Union Berlin gegen den VfL Bochum – die Stimmen zum Spiel

Urs Fischer (Trainer Union Berlin): „Das Führungstor hat der Mannschaft nicht gutgetan. Danach war eine gewisse Verunsicherung zu spüren, weil die Spieler wussten, was wir heute erreichen können. Die zweite Halbzeit hat mir zwar besser gefallen, aber wir haben den Gegner zu Toren eingeladen. Es spricht für die Moral der Mannschaft, dass wir trotzdem gewonnen haben. Platz fünf – mir fehlen die Worte.“
Thomas Reis (Trainer VfL Bochum): „Wir hatten heute einige personelle Probleme und mussten deshalb unsere Grundordnung umstellen. Wir haben ein zu einfaches Gegentor und einen unglücklichen Handelfmeter kassiert. Aber die Mannschaft hat in der zweiten Halbzeit sehr gut reagiert, sie konnte das Spiel offener gestalten.“
Grischa Prömel (Union Berlin): „Heute war einfach mein Tag.  Erst der tolle Empfang von den Fans bei der Verabschiedung, dann das Tor zum 1:0. Danach musste man sich einfach nur treiben lassen und die Atmosphäre genießen. Ich bin unheimlich glücklich, dass wir mit einem Sieg die Saison beenden konnten. Platz fünf – das ist unfassbar für einen Verein wie Union Berlin.“
Christopher Trimmel (Union Berlin): „Ich hatte ja schon in Wien das Vergnügen, Europa League zu spielen. Klar sind die Gegner stärker als in der Conference League, aber ich freue mich riesig drauf. Wenn man dann noch in die Gesichter der Fans schaut, ist das schon sehr emotional. Wir sind alle überglücklich.“ 

Union Berlin gegen den VfL Bochum – die Statistik

Union Berlin – VfL Bochum 3:2 (2:0)
Union Berlin: Luthe – Jaeckel, Knoche, Ryerson (82. Öztunali) – Trimmel, Khedira (82. Behrens), Oczipa – Haraguchi (66. Schäfer), Prömel – Becker (18. Michel, 46. Voglsammer), Awoniyi.
VfL Bochum: Esser – Bockhorn, Gamboa, Bella Kotchap (65. Holtmann), Soares – Losilla – Tesche (46. Löwen), Asano (79. Tonga), Osterhage – Zoller (89. Hartwig), Polter.
Tore: 1:0 Prömel (5.), 2:0 Awoniyi (25./Handelfmeter), 2:1 Zoller (55.), 2:2 Löwen (79.), 3:2 Awoniyi (88.); Schiedsrichter: Fritz (Korb); Zuschauer: 22 012 (ausverkauft); Gelbe Karten: Michel, Jaeckel, Awoniyi /Tesche, Losilla.

So sieht es für Union Berlin in der Bundesliga aus

Der 1. FC Union Berlin schließt die Bundesliga-Saison 2021/22 als Tabellenfünftter ab. Statdtrivale Hertha BSC dagegen muss nach der 1:2-Niederlage bei Borussia Dortmund in die Relegation und dort um den Klassenerhalt kämpfen. Der FC Bayern München stand bereits vor dem 34. Spieltag als deutscher Meister fest.

So geht es für Union Berlin weiter

Am Sonntag verabschieden sich die Spieler in den Urlaub. Die Bundesliga-Saison 2022/23 startet am 5. August. Ein weiterer Unterschied zwischen Europa League und Conference League: Für die Europa League ist Union Berlin direkt qualifiziert. In den Conference League wird dagegen noch eine Playoff-Runde gespielt, um sich für die Gruppenphase zu qualifizieren. 2021/22 hatte sich die Eisernen inzwei Spielen gegen den finnischen Vertreter Kuopio PS durchgesetzt.

Union Berlin – die Transfers und Transfergerüchte

Mit Mittelfeldspieler Janik Haberer (28) vom SC Freiburg hat Union Berlin in dieser Woche einen weiteren Neuzugang präsentiert. Haberer ist nach Paul Seguin (27, SpVgg Greuther Fürth) der zweite Neue für die Saison 2022/23. Laut „Kicker“ stehen die Eisernen zudem vor der Verpflichtung von Offensiv-Allrounder Jamie Leweling (21, SpVgg Greuther Fürth). Außerdem habe man im Fall von Innenverteidiger Amos Pieper (24, Arminia Bielefeld) „die Möglichkeiten, ihn zu verpflichten, abgeklopft“.
Weitere mögliche Neuzugänge, die derzeit in der Gerüchteküche gehandelt werden: Abwehrspieler Danilho Doekhi von Vitesse Arnheim ig. und Mittelfeldspieler Tom Krauß von RB Leipzig. Krauß war zuletzt an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen.

Und sonst noch bei Union Berlin?

Vor dem Anpfiff wurde ein Quintett verabschiedet, das den 1. FC Union Berlin verlässt. Bereits bekannt war der Abschied von Grischa Prömel in Richtung TSG Hoffenheim, um wieder näher bei seiner Familie zu sein. „Es fällt mir nicht leicht, Union zu verlassen. Wie die Fans dich pushen, deinen Namen rufen – das hätte ich nie für möglich gehalten, als ich vor fünf Jahren hier unterschrieben habe“, räumte Prömel ein. Er wurde von den Fans mit Sprechchören gefeiert und bedankte sich bereits nach fünf Spielminuten mit dem Kopfballtor zum 1:0.
Die Verträge von Jakob Busk, Bastian Oczipka, Anthony Ujah und Suleiman Abdullahi laufen ebenfalls aus und werden nicht verlängert. Mit Torhüter Jakob Busk verliert Union Berlin einen der dienstältesten Spieler des aktuellen Kaders. Bereits im Januar 2016 wechselte der damals 22-Jährige vom dänischen Rekordmeister FC Kopenhagen an die Alte Försterei.
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