Das Lob in Richtung Köpenick kam von höchster Münchner Stelle. „Sehr sympathisch“ sei der 1. FC Union Berlin, befand Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß anerkennend, „sehr erfolgreich. Mir gefällt das. Die machen einen Super-Job!“ So gut sogar, dass Union vor dem 5. Spieltag in der Fußball-Bundesliga die Rolle des ersten Bayern-Jägers eingenommen hat.
Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) steigt im Stadion An der Alten Försterei ein unerwartetes Spitzenspiel – und Union wittert nach einem hervorragenden Saisonstart selbstbewusst seine Chance.

Union-Trainer Fischer will Bayern „ein Bein stellen“

„Ich freue mich wahnsinnig auf das Spiel. Es ist eine tolle Aufgabe gegen die beste Mannschaft Deutschlands, wenn nicht Europas und der Welt“, sagte Trainer Urs Fischer am Donnerstag. Trotzdem wolle man den Bayern „ein Bein stellen. Wir versuchen's.“
Verstecken muss sich Union keineswegs. Der stimmgewaltige Hexenkessel Alte Försterei ist ausverkauft, mit zehn Zählern aus vier Spielen liegen Berlin und München nach Punkten gleichauf. Das Selbstvertrauen ist nach saisonübergreifend elf Bundesliga-Spielen ohne Niederlage groß.

Spiel gegen RB Leipzig als Erfolgsrezept

Letztmals verloren die Köpenicker im März – beim FC Bayern (0:4). „Sie können eine Wucht entfalten, haben Geschwindigkeit, Spieler, die individuell Spiele entscheiden können“, sagte Fischer. Es brauche „Mut“ und eine „Top-Leistung“. An eine dauerhafte Jagd auf den Rekordmeister glaubt der Schweizer aber nicht. Die Tabellensituation sei „eine Momentaufnahme“, den Spitzenkampf „haben wir nicht im Kopf“.
Fischer dürfte gegen den Ligaprimus auf ein ähnliches Erfolgsrezept setzen, das vor zwei Wochen bereits beim Sieg gegen RB Leipzig (2:1) funktioniert hatte. Union ließ die Sachsen das Spiel gestalten, verteidigte dabei äußerst sicher und kam durch brandgefährliche Konter zu Erfolgen.

Sturm-Duo Becker und Siebatcheu als Waffe

Als Waffe erwies sich neben der stabilen Defensive vor allem das Offensiv-Duo Sheraldo Becker und Jordan Siebatcheu, das glänzend harmoniert. Zehn Scorerpunkte haben Flügelspieler Becker und der neue Torjäger Siebatcheu in vier Spielen erzielt, beide stellen die Gegner mit ihrer Geschwindigkeit und Abschlussstärke vor massive Probleme.
„Es klappt wirklich gut“, lobte Fischer: „Aber es gibt noch Luft nach oben. Das blinde Verständnis bedarf seiner Zeit.“ Aber: „Die zwei bewegen sich gut, verständigen sich gut. Sie setzen es sehr gut um.“
Ein Qualitätsverlust nach dem Sommer-Abgang von Top-Stürmer Taiwo Awoniyi zu Nottingham Forest ist nicht zu erkennen. Auch das dürfte Uli Hoeneß mit seinem Lob gemeint haben. Coach Fischer und Manager Oliver Ruhnert gelingt es in beeindruckender Regelmäßigkeit, Spieler günstig zu verpflichten, sie zu entwickeln und namhafte Abgänge zu kompensieren.

Awoniyi-Einnahmen für Siebatcheu

Abwehrchef Robin Knoche war vor zwei Jahren beim VfL Wolfsburg aussortiert worden, Becker kam vor drei Jahren als No-Name ablösefrei aus Den Haag. Bei Siebatcheu, im Vorjahr Torschützenkönig in der Schweiz, legte man die Einnahmen aus den Awoniyi-Deal klug an.
Punkten Siebatcheu, Becker und Co. auch gegen den FC Bayern, dürften die Sympathiewerte bei Uli Hoeneß zumindest für den Moment sinken.