Ein Fußballfeiertag jagt derzeit in Köpenick den nächsten. Das Motto für den 1. FC Union Berlin lautet: Nach der zähen, aber am Ende glückseligen Europapokal-Nacht gegen Malmö FF ist vor dem Topspiel gegen Borussia Dortmund. Dann wollen die Eisernen am Sonntag (17.30 Uhr) im Duell des Spitzenreiters gegen den Vierten ihre Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga verteidigen.
Europapokal, Topspiel, Tabellenführung – es gibt für Union Berlin in diesen Tagen so viel zu feiern, dass dem einen oder anderen Fan regelrecht schwindlig werden dürfte. Selbst Trainer Urs Fischer ließ sich nach dem 1:0-Sieg gegen Malmö FF zu so etwas wie, nennen wir es einfach mal stille Euphorie, hinreißen. „Es ist toll, wir wollten europäisch überwintern und haben damit eines unserer Ziele erreicht“, sagte Fischer am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht „Wir haben etwas Außergewöhnliches geschafft.“

Union Berlin überwintert in Europa

Mit dem Erfolg gegen den schwedischen Meister hat sich der 1. FC Union in jedem Fall Platz drei in der Europa-League-Gruppe D gesichert. Er berechtigt zur Teilnahme an der K.o.-Phase der Conference League im Februar. Aber selbst Platz 1 und 2 und damit der Verbleib in der Europa League sind in den letzten beiden Gruppenspielen noch möglich. Fischer kündigte schon jetzt ein „heißes Spiel“ gegen Sporting Braga am 27. Oktober an, denn: „Wir wollen natürlich in der Europa League überwintern.“
Dabei war es am Donnerstagabend ein ausgesprochen zähes Ringen mit den sehr destruktiven Gästen aus Schweden. 60 Minuten lang war es für die Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei ein Spiel, bei dem sie ihre Zeit besser am Bratwurststand verbracht hätten. Es gab zwar kaum Torchancen, dafür aber eine Vielzahl von technischen Fehlern und auch Gelben Karten zu sehen. „In der 1. Halbzeit war es kein schönes Spiel. Da waren beide Mannschaften spielerisch nicht ganz auf der Höhe. In der 2. Halbzeit haben wir das Tempo erhöht und Fehler beim Gegner provoziert“, fasste es Robin Knoche zusammen.
Einer dieser Fehler mündete kurz vor Schluss in den entscheidenden Foulelfmeter für die Gastgeber, den Innenverteidiger Knoche in der 89. Minute inmitten der ganzen Hektik nervenstark verwandelte und damit das Stadion An der Alten Försterei wieder einmal zum Überkochen brachte. Die Fan-Ausschreitungen beim Hinspiel in Malmö, der umstrittene Besuch von Ungarns Präsident Victor Orban in Köpenick – all diese schwierigen Themen waren in diesem Moment ganz weit weg. Die gesamte Mannschaft inklusive Ersatzspieler stürmte nach dem Schuss ins Glück auf Knoche zu – nur Trainer Urs Fischer blieb gewohnt cool. „Ich habe mich innerlich gefreut“, so der Schweizer.
Vielleicht ja auch, weil Fischer ganz genau weiß, dass sie bei Union Berlin in diesen Tagen mit ihrer Kraft haushalten müssen. Am Sonntag kommt Borussia Dortmund nach Köpenick. Mit dem Pokalspiel gegen den Zweitligisten FC Heidenheim folgt dann schon die nächste englische Woche. Und am darauffolgenden Donnerstag steht gegen Braga das mutmaßliche Entscheidungsspiel um Platz zwei in der Europa League an.

Am Sonntag gegen Borussia Dortmund

Das umjubelte Elfmeter-Tor von Robin Knoche könnte sich dabei in der ausgesprochen kurzen Regenerationszeit vor dem Sonntag-Spiel gegen Dortmund als enorm wichtig erweisen – für den Kopf und damit auch für die Beine. „Dieses Tor war wie eine Erlösung. Es gibt dir Schwung, du tankst Selbstvertrauen“, betonte Fischer. Und auch Torschütze Knoche nahm das späte Erfolgserlebnis gern mit: „Nach drei Punkten fällt das Regenerieren leichter.“
Dennoch stellt sich so mancher Fan auch die Frage, wie lange Union Berlin dieses kräftezehrende Programm durchhalten kann. In der Abwehr und vor allem im Mittelfeld hat Trainer Urs Fischer die eine oder andere Rotationsmöglichkeit in seinem breiten Kader. Im Sturm sieht es dagegen nicht ganz so üppig aus. Der schnelle Sheraldo Becker ist gesetzt und scheint auch nicht wirklich müde zu werden. Beckers Sturmpartner Jordan Siebatcheu ist dagegen in ein kleines Leistungsloch gefallen.
Es spricht viel dafür, dass Fischer auch gegen Dortmund wieder rotieren lässt. Zumal der BVB nach dem Champions-League-Spiel gegen den FC Sevilla (1:1) am Dienstag zwei Tage mehr Zeit hat, um zu regenerieren. Auf den 1. FC Union wartet am Sonntag neben dem nächsten Fußballfest also auch der nächste Kraftakt. „Wir werden morgen und übermorgen schauen, wie die Beine sind. Aber wir werden das schon hinkriegen. Bis jetzt haben wir es doch immer ganz gut hingekriegt“, kündigte Julian Ryerson an.
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