Der SC Paderborn ist eher ein ungewöhnlicher Wunschgegner im DFB-Pokal. Für Sven Michel wäre ein Duell gegen die Ostwestfalen aber eine Herzensangelegenheit. Der Stürmer des 1. FC Union Berlin hatte die Eisernen gerade mit dem Tor zum 2:0 gegen den 1. FC Heidenheim ins Achtelfinale befördert, da berichtete der Stürmer von seiner Präferenz für die nächste Runde. „Also, ich bin überglücklich, dass Paderborn weiter ist“, sagte der 32-Jährige.
Michel, Pokal, Paderborn, Union? Da war doch mal was. Genau, 2020 im Dezember schoss er die Berliner beim 3:2 für den Zweitligisten aus Ostwestfalen mit einem Tore-Doppelpack aus dem Cup-Wettbewerb. Ein gutes halbes Jahr später holte ihn Manager Oliver Ruhnert nach Köpenick.

Sven Michel kämpft um Platz in der Startelf

Eine Neu-Auflage des Duells hätte für Michel also einen gewissen Reiz. Zumal er gute Chancen hätte, dann wieder einmal vorzuspielen in seiner unbefriedigenden Situation als Joker des Bundesliga-Tabellenführers. „Ich habe heute mein Los in den Topf geschmissen. Ich werde meine Einsatzzeiten kriegen und dann schauen wir weiter“, sagte Michel nach seinem ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison.
Gemeinsam mit dem ersten Torschützen Timoteusz Puchacz war er die Figur eines Abends der zweiten Garde bei den Eisernen. Die Rotation kann funktionieren, das war die gute Erkenntnis für Trainer Urs Fischer vor dem nächsten Bundesliga-Spiel am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN) beim Schlusslicht VfL Bochum.
Mit seinem Torjubel unterstrich Michel den außergewöhnlichen Teamgedanken der Berliner. Das Trikot des dritten Torwarts Jakob Busk hielt er in die Höhe, ohne hinterher verraten zu wollen, warum. „Ein familiärer Hintergrund“, sagte Fischer ohne ins Detail zu gehen. „Aus Liebe zu Jakob Busk“, kommentierte der Club bei Twitter die emotionale Szene.
Torhüter Busk sorgte am Donnerstag für Aufklärung. Sein kleiner Sohn Carlo habe bereits zum dritten Mal operiert werden müssen. Eine schwere Zeit für die Familie, aber nun bestehe Hoffnung.
„Das zeichnet „uns“ aus bei Union, wir sind eine große Familie und für einander da, wenn es nötig ist. Das sieht man auch auf dem Platz, wo wir zurecht jetzt und in den letzten Jahren viel Erfolg hatten. Vielen Dank, Jungs“, schrieb der Däne.

Schwerer Abend für Jüterboger Tim Kleindienst

Für Tim Kleindienst war es ein schwerer Abend in der Alten Försterei. Der Jüterboger, der bei Energie Cottbus ausgebildet worden war, sah mit seinem Team gegen Union Berlin kaum Land. Er sagte: „Wir sind sehr, sehr verdient ausgeschieden. Aus unserer Sicht ist es bitter, denn wir bekommen zweimal nach sieben Minuten ein unnötiges Gegentor. Da müssen wir analysieren, warum einer bei einer Fünferkette komplett blank an zweiten Pfosten steht. Da gab es eine Fehlerkette und du schaust dich an, liegst 0:1 hinten“
Kleindienst betonte: „Du spielst gegen den Tabellenführer der Bundesliga und Union steht nicht umsonst da oben. Man merkt, die spielen einen klaren Fußball, nicht den besten, denn sie spielen auch viele lange Bälle, gehen viel auf den zweiten Ball. Aber du hast das Gefühl, das ist ein Stück weit automatisiert“.
Als einsamer Stürmer gegen eine Dreierkette zu spielen war für ihn auch nicht einfach, weil sein Team sehr tief stand. „Wir müssen das abhaken, sind ausgeschieden und können uns jetzt auf die Meisterschaft konzentrieren.“ Seine Auswechslung im Vierfach-Wechsel von Trainer Frank Schmidt nach 60 Minuten sah der 27-Jährige aber nicht als Zeichen der Aufgabe an. „Das war sicher auch Belastungsteuerung, denn es war klar, dass es bei 0:2 schwer wird, noch die Wende zu schaffen. Das ging der Fokus sicher schon mehr in Richtung Wochenende, damit keine unnötigen Verletzungen mehr passieren.“