Überschattet von einem Beinahe-Abbruch nach Fan-Ausschreitungen hat Bundesliga-Tabellenführer 1. FC Union Berlin seinen Europa-League-Fluch beendet. Mit dem ersten Tor im Wettbewerb feierten die Köpenicker am Donnerstag beim punktlosen schwedischen Rekordmeister Malmö FF den ersten Sieg in dem Wettbewerb. Das Tor zum 1:0 (0:0) in Unterzahl erzielte Sheraldo Becker in der 68. Minute.
Sportlich wahrte sich die Mannschaft des rechtzeitig wieder negativ auf das Coronavirus getesteten und nachgereisten Urs Fischer nach zuvor zwei 0:1-Niederlagen die Chancen aufs Weiterkommen in der Gruppe D. Das Geschehen auf den Rängen dürfte aber auch noch ein Nachspiel haben, zumal vor einem Monat Fans des 1. FC Köln beim Spiel in der Conference League in Nizza für massive Negativschlagzeilen gesorgt hatten.
Im Nebel von Malmö setzten sich die Berliner durch und wahrten so ihre Chance auf das Weiterkommen in der Europa League.
Im Nebel von Malmö setzten sich die Berliner durch und wahrten so ihre Chance auf das Weiterkommen in der Europa League.
© Foto: Matthias Koch
In Malmö blieb aber zunächst unklar, von wem die Pyros und Feuerwerkskörper gezündet und geworfen worden waren. „Beide Lager haben Pyrotechnik aufs Feld geworfen“, hieß es vonseiten der Unioner, dessen Kommunikationschef nach den internationalen Durchsagen vor der Fortsetzung der Partie auch noch mal auf die Köpenicker Anhänger einredete. Fernsehbilder zeigten auch, dass Sicherheitskräfte Fans von den Rängen brachten, die nicht im Block der gut 1000 Union-Anhänger standen. Zudem gab es einen Polizeieinsatz im Stadion während des Spiels.

Fahnen von Hertha BSC im Malmö-Block

Laut „Kicker.de“ waren im Malmö-Block Fahnen von Union-Rivale Hertha BSC zu sehen. Zwischen den Schweden und dem Hauptstadtclub besteht eine Fanfreundschaft.
Klar war, dass Schiedsrichter Halil Umut Meler aus der Türkei nach der Unterbrechung in der 57. Minuten nur unter Bewährung wieder anpfiff. Sollten erneut Gegenstände von den Rängen in den Innenraum geworfen werden, würde die Partie sofort abgebrochen, hieß es. Entsprechend gestikulierte Becker, als nach seinem umjubelten Tor auf den Rängen erneut eine Leuchtfackel brannte.
Dass die Unioner in der Situation treffen würden, hatten wohl nicht viele vermutet. Der Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga musste kurz vor der Pause einen schweren Dämpfer einstecken, als Andras Schäfer die Rote Karte sah. Die komplette Unioner Mannschaft hatte sich in der Hälfte der Schweden eingefunden, dann verstolperte Schäfer den Ball, spielte ihn unfreiwillig mit der Hacke Richtung eigenes Tor. Malmös Kapitän Anders Christiansen sprintete dazwischen, Schäfer hielt ihn am Trikot und Christiansen fiel.

Rote Karte für Schäfer

Der Schiedsrichter zeigte die Rote Karte: Schäfer hatte als letzter Mann klar eine Torchance vereitelt. Fischer, der am Sonntag noch positiv auf das Coronavirus getestet worden war und erst am Donnerstagvormittag nach einem weiteren Negativtest nachkommen konnte, lehnte sich erstmal ohne größere Gesichtsregung in seinem Trainerstuhl zurück. Da konnte er noch nicht ahnen, dass die Partie zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff auch noch eine solche Wendung nehmen würde.