Das durch den Deutschen Fußballbund (DFB) aktuell veröffentlichte Lagebild des Amateurfußballs ist schockierend. Die Zahl von Spielabbrüchen aufgrund von Gewalt- oder Diskriminierungsvorfällen ist deutlich angestiegen. Und das gilt auch für das Land Brandenburg. Wie der Fußball-Landesverband (FLB) mitteilt sei auch hierzulande ein deutlicher Negativtrend zu verzeichnen.
So habe es in der ersten Nach-Corona-Saison insgesamt 116 Vorkommnisse mit neun Spielabbrüchen gegeben. Davon 71 Vorfälle auf der Kreisebene. 53 Vorfälle waren Gewaltdelikte, 48 als Diskriminierung registriert und 14 Vorfälle waren Gewalt- und Diskriminierungsereignisse in Kombination.
„73 Vorfälle ereigneten sich im Herrenbereich, einer im Frauen- und 42 im Jugendbereich. Hier ist der auffälligste Anstieg zu verzeichnen“, teilt der FLB mit. Der größte Anteil aller Übergriffe sei gegen Spieler (59) und Schiedsrichter (43) erfolgt. „Der Rest verteilt sich auf Zuschauer, Trainer und Funktionäre. Zum Vergleich: In der Saison 2019/20 wurden in Summe 33 Vorfälle und fünf Spielabbrüche – alle auf Kreisebene – registriert.“

DFB sammelt Daten via Online-Spielbericht

Damit trägt auch Brandenburg seinen Teil dazu bei, dass die bundesweite Quote, welche über Jahre hinweg stabil war, nun anstieg. Von 0,05 Prozent ist der Anteil auf 0,075 Prozent gestiegen. Umgerechnet bedeutet das: Im Schnitt wurde jedes 1.339. Spiel in der vergangenen Saison abgebrochen. Insgesamt 911 Fußballspiele waren in Deutschland in der Saison 2021/22 aufgrund von Gewalt- oder Diskriminierungsvorfällen abgebrochen worden. Seit 2014 lässt der DFB auf Basis der Online-Spielberichte der Unparteiischen ein Lagebild des Amateurfußballs erheben. Und die aktuellen Zahlen bedeuten Höchststände seit Beginn der Datenerfassung.
„Erstmals in drei Jahren konnten wir wieder eine Saison ohne Lockdowns absolvieren. Das freut uns, aber gleichzeitig müssen wir erstmals einen Anstieg bei den Spielabbrüchen feststellen, wobei wir uns immer noch im Promillebereich bewegen. Zuletzt haben wir die Präventions- und Interventionsarbeit deutlich ausgebaut. Bei dieser Anstrengung dürfen und werden wir nicht nachlassen“, sagt der 1. DFB-Vizepräsident Amateure, Ronny Zimmermann.

Bundesweite Zahlen der Saison 2021/2022

In der Saison 2021/22 wurden von 1.455.416 ausgetragenen Spielen 1.219.397 Spiele mit einem Online-Spielbericht erfasst. Bei den erfassten Partien wurden 5.582 Vorfälle, davon 3.544 Gewalthandlungen und 2.389 Diskriminierungen, gemeldet. Erstmals in den vergangenen drei Jahren konnte wieder eine komplette Fußballsaison im Amateurbereich absolviert werden. Zuvor hatte die Pandemie zu deutlichen Rückgängen bei den ausgetragenen Spielen geführt: 852.591 Partien hatten in der Saison 2019/20 stattgefunden, lediglich 451.806 in der Saison 2020/21.
„Das Lagebild des Amateurfußballs ist für uns sehr wichtig. Aufgeschlüsselt nach Region oder Spielklassen, ermöglichen es uns die Zahlen, bei der Präventionsarbeit in den Landesverbänden bedarfsorientiert anzusetzen“, so Zimmermann.

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