Herr Dzubasz, heute lautet die erste Frage überall: Wie geht es Ihnen?
Wenn es dem Rennsport so gutgehen würde wie mir, dann wäre alles in Butter.
Geht es dem Rennsport denn so schlecht?
Schauen Sie doch nur mal auf den Sonntag. Was sind denn das für Preise, wer soll damit klarkommen? Für alle Veranstaltungen wurden in Deutschland die Rennpreise halbiert. Finanzieller Erfolg ist damit überhaupt nicht mehr möglich.
Was heißt das für Sie?
Nicht nur für mich, für alle Trainer. Wenn diese Situation lange andauert, ziehen sich noch mehr Besitzer zurück. Ich sehe ja, dass viele Firmen und Unternehmer Schwierigkeiten haben und ihr Sponsoring überdenken. Aber wir Trainer hängen mit unseren Angestellten am Schwanz dieser Schlange.
Wie könnte man Abhilfe schaffen?
Der Staat hilft hier, der Staat hilft da. Die Pferdezucht ist als gesellschaftlich notwendig anerkannt. Also müsste der Staat auch hier eingreifen und Hilfe anbieten.
Können Sie als Trainer keine Hilfe fordern?
Doch, natürlich. Hab´ ich auch, ist aber noch nichts gekommen. Das meine ich aber nicht. Ich rede von der Hilfe im Großen, Unterstützung für den Rennsport als gesellschaftliche Aufgabe. Die gibt es meines Wissens nicht.Stall aus, musstenSie schon Geld aus der eigenen Tasche zuschießen?
Naja, da reden wir nicht drüber. Ich hoffe ja, dass es besser wird, es nun endlich losgeht und wir irgendwie übers Jahr kommen.
Sie haben auf den Sandbahnen bis Mitte März noch kein Pferd an den Start gebracht. Das heißt: Jetzt kommen die ersten Rennpreise in die Kasse, oder?
Das leidige Thema. Bisher lebte ein guter Trainer von den Prozenten der Rennpreise. Davon könnte ich meine Familie jetzt nicht ernähren, geschweige denn einen Stall führen. Und die ersten beiden Renntage hier in Hoppegarten sind ja bekanntlich ausgefallen. Jetzt ist alles halbiert, ich habe bisher also die Hälfte von nichts verdient.
Los geht es am Sonntag mit dem sicher ungewöhnlichsten Renntag aller Zeiten – ohne Publikum. Haben Sie so etwas schon erlebt?
Nein, der ganze Renntag wird auch aus meiner Sicht kurios. Allerdings frage ich mich schon, warum inzwischen so viele Geschäfte und Märkte wieder eröffnen, und die Leute bei uns ausgesperrt werden. Hoppegarten hätte auf der Wiese und den Tribünen Platz für tausende Besucher, die sich nicht mal berühren könnten. Dann käme auch etwas Eintrittsgeld in die Kassen.
Können Sie das am Sonntag korrigieren?
Nein, natürlich nicht. Ich habe zwar elf Pferde zu laufen, aber selbst wenn die alle ins Geld kommen, wird es kein Gewinngeschäft. Für das Gruppe-Rennen habe ich kein passendes Pferd, und die anderen sind zu schlecht dotiert, um sich da über Platzgelder zu freuen.
Die ausgefallenen beiden Renntage in Hoppegarten – wie sehr schmerzen die einen einheimischen Trainer?
Sehr. Nicht nur finanziell. Das ist ja immer eine logistische Herausforderung. Ich muss ja nicht nur die passenden Rennen für die Pferde heraussuchen. Da gibt es auch die ausgefallenen Renntage auf anderen Bahnen. Da müssen die Leute eingeteilt werden, die die Pferde auf der Reise oder dort betreuen. Wenn die Veranstaltung dann ausfällt, war alles umsonst und muss neu geplant werden. Ich habe derzeit 41 Vollblüter im Training. Die müssen alle auf die Rennen verteilt werden. Da sind fehlende Vergleiche – na, das kann sich jeder selber denken.
Müssen Sie Ihr Saisonziel herunterschrauben?
Das müssen alle. Ich will sportlich schon das eine oder andere Ding schaffen, aber eigentlich nur durchkommen. Das wird schon klappen.
Das eine oder andere Ding – was wäre das?
Naja, Stex ist vielleicht reif für einen Gruppe-Sieg in dieser Saison. Und mit Turfbaron, der am Sonntag in einem kleineren Rennen dabei ist, peile ich das polnische Derby an.
Sie haben drei Kinder. Sind Sie in den vergangenen unruhigen Wochen zur normalen Arbeit im Stall gekommen?
Ja, glücklicherweise hat sich für mich in dieser Beziehung wenig geändert, auch wenn Schule und Kindergarten geschlossen waren. Aber da musste meine Frau ganze Arbeit leisten als Lehrerin und Erzieherin. Ich konnte jeden Tag meine Arbeit machen und mit den Lots raus-reiten und die Pferde vorbereiten. Nun bin ich froh, dass es endlich losgeht. Wie auch immer.

Roland Dzubasz

Seit vielen Jahren zählt er zu den Top-Ten-Trainern in Deutschland. Er wurde am 24. Juni 1968 geboren. Dzubasz lebt mit seiner Frau, zwei Töchtern und einem Sohn in der Gemeinde Neuenhagen bei Berlin. Er wurde Lehrling in Hoppegarten, arbeitete als Jockey und erwarb in den 1990er Jahren die Trainerlizenz. Am Donnerstag gewann die von ihm trainierte Stute Stex, geritten von Champion Bauyrzhan Murzabayev, in Hannover. hcm