Am Sonnabend trifft der 1. FC Union Berlin auf Hertha BSC. Würden wir nicht gerade die vierte Welle einer nervenzehrenden Pandemie durchleben, wäre es toll, dass dieses Spiel vor 22.012 Zuschauern in einer ausverkauften Alten Försterei stattfindet. Schließlich gibt es für beide Fanszenen keine wichtigeren Spiele in der Saison, als die beiden Hauptstadtderbys. Keine Spiele möchte man so sehr gewinnen, wie diese.
Doch trotz der vorgelegten Konzepte der Vereine, die, so heißt es, ein sicheres Fußballerlebnis garantieren sollen, werde ich, als langjähriger Union-Fan und Dauerkarteninhaberin sowie Sportredakteurin nicht zum Derby gehen. So sehr mich das auch schmerzt und so sehr ich den Fußball, der mein ganzes Leben bestimmt hat, auch vermisse.

Politik steht hinter der Derby-Entscheidung

„Solidarisches und verantwortungsbewusstes Handeln ist das Gebot der Stunde“, sagte Aleksander Dzembritzki, Sportstaatssekretär Berlins, kürzlich über das Spiel. Jeder wolle schließlich ein „tolles Derby sehen“, weshalb auch auf die Eigenverantwortung der Fans gesetzt wird, die sich trotz 2G-Regeln bitte selber testen lassen sollen. Nur um ganz sicher zu gehen.
Doch wem gegenüber verhalten wir uns „solidarisch und verantwortungsbewusst“, wenn wir in ein ausverkauftes Stadion gehen? Sicher nicht gegenüber den Mitarbeitern im Gesundheitssektor, die teils bis zum Rande der Erschöpfung gegen diese Pandemie ankämpfen. Um nur eines von vielen Beispielen zu nennen.
Statt zum Derby zu gehen, werde ich mit meiner Familie also auf der Couch sitzen. In Trikot und mit Schal und sicher auch mit Tränen in den Augen, wenn die Hymne ertönt und mein Vater und ich wieder einmal nicht live dabei sein können – ausgerechnet bei diesem Spiel. So ein Mist! Doch es fühlt sich richtig an, zu Hause zu bleiben. Mein persönliches Stadion ist am Samstag das Wohnzimmer. Das muss diesmal reichen.
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