Wieland Schmidt war das "Phantom"

Heute jährt sich zum 40. Mal der Olympiasieg der DDR-Handballer, die imHexenkessel des Sokolniki-Palastes das dramatische Finale der Sommerspiele 1980 in Moskau gegen Gastgeber und Titelverteidiger UdSSR in der Verlängerung mit 23:22 gewannen. Im Tor des Außenseiters stand der heute 66-jährige Schmidt, der nicht zuletzt dank seiner spektakulären Paraden in diesem epischen Spiel als "Phantom" in die Handball-Geschichte einging.
Aktuell genießt er die Sonne auf Gran Canaria. "Wir wollten eigentlich eine Feier zum 40-jährigen Jubiläum veranstalten. Wegen der Coronakrise haben wir das Treffen auf den Herbst verschoben", sagt der gebürtige Magdeburger, der heute in Leipzig lebt und nach wie vor als Torwarttrainer bei den Frauen und Mädchen des SC DHfK arbeitet.

Wieland Schmidt erinnert sich an jede Einzelheit des Moskauer Olympia-Finales 1980

Natürlich kann er sich trotz seiner insgesamt 276 Länder-spiele für die DDR noch genau an jede Einzelheit des  Moskauer Olympiafinales am 30. Juli 1980 erinnern. Nach der regulären Spielzeit stand es 20:20. "Dann gingen die Russen in Führung. Zum Glück nicht lange, der Rostocker Frank-Michael Wahl konnte ausgleichen."
Das "Phantom" parierte einen Siebenmeter des 2,03 m großen Georgiers Alexander Anpilogow, ehe sich die Ereignisse überschlugen: Hartmut Krüger verwandelte einen Strafwurf, dann schlug die große Stunde des Frankfurter ASK-Spielers Hans Georg Beyer, der auf 23:21 erhöhte. Es folgten zwei Zeitstrafen gegen den Magdeburger Günter Dreibrodt – der am Sonntag seinen 69. Geburtstag feierte – und den BerlinerRainer Höft, Anpilogow schaffte per Siebenmeter den Anschluss. Noch 52 Sekunden, doppelte Unterzahl, zitternde DDR-Fans auf der Tribüne, und die Schieds-richter pfiffen Zeitspiel. Letzter Angriff für die Gastgeber, der Minsker  Aljaksandr Karschakewitsch tauchte allein vor Schmidt auf, aber der lenkte den Ball irgendwie an den Pfosten. Dann der Schlusspfiff und ein "Indianertanz  der DDR-Männer", wie  die Zeitung "Junge Welt" schrieb.

DDR-Trainer Paul Tiedemann 2014 verstorben

Der 2014 verstorbene Trainer Paul Tiedemann schwärmte nach dem Spiel: "In der Schlussphase demonstrierte Wieland Schmidt sein Können, als er in der  ersten Halbzeit der Verlängerung das Unentschieden rettete. Aber alle meine Spieler verdienen großes Lob." IHF-Präsident Paul Högberg aus Schweden sagte geradezu euphorisch: "Das Turnier und dieser Abschluss bilden einen neuen Höhepunkt in der Entwicklung des Handballs."
"Mittlerweile sind wir alle in die Jahre gekommen, freuen uns aber immer auf die Traditionstreffen", sagt Schmidt, der mit dem SC Magdeburg übrigens zu einem Rekord mit Seltenheitswert beigetragen hat: Zwischen 1974 und 1989 verloren die Männer von der Börde in der altehrwürdigen Hermann-Gieseler-Halle kein einziges Heimspiel!

Eisenhüttenstädter Familienfest bei Olympia 1980 in Moskau

Der aus Eisenhüttenstadt stammenden Hans-Georg Beyer feierte derweil in Moskau ein besonderes Familienfest. Sein Bruder Udo, Olympiasieger von 1976, gewann Bronze im Kugelstoßen, ihre damals 20 Jahre alte Schwester Gisela wurde Vierte im Diskuswerfen. Alle sind sie übrigens Brandenburg treu geblieben: Udo betreibt ein Reisebüro in Potsdam, Hans-Georg lebt in der Waldstadt und ist als Erzieher gerade in den Ruhestand gegangen, Gisela wohnt in Neuseddin.
Für deutsche Handballer blieb die Goldmedaille von Moskau der einzige Olympiasieg in der Halle. 1984 waren die Bundesrepublik und 2004 Deutschland mit Silber nah dran. Für die auf das nächste verschobenen Sommerspiele in Tokio hat DHB-Vize Bob Hanning nach Bronze 2016 in Rio das Ziel Gold ausgegeben.

Das Olympia-Turniervon Moskau

In der Vorrundengruppe A siegte die DDR 21:17 gegen Spanien, 27:20gegen Kuba, 22:21 gegen Polen und 24:20 gegen Dänemark. Hinzu kamein 14:14 gegen Ungarn.Die UdSSR setzte sich in ihrer Gruppe dank des besseren Torverhältnisses gegenüber Rumänien und Jugoslawien (alle 8 Punkte) durch.Es wurden keine Halbfinals aus-getragen, das Spiel um Platz 3 gewann Rumänien 20:18 gegen Ungarn. red