Fußball-WM 2026
: Journalismus-Professor beklagt Rollenvermengung von Fußball-Experten

Sportjournalismus-Professor Thomas Horky kritisiert die wachsende Zahl an Experten-Interviews bei Fußball-WM-Übertragungen. Dadurch leide die unabhängige journalistische Einordnung.
Von
red/epd
Hamburg
Thomas Horky ist Professor für Sport–Kommunikation an der Macromedia–Hochschule in Hamburg.

Thomas Horky ist Professor für Sport–Kommunikation an der Macromedia–Hochschule in Hamburg.

Witters GmbH
  • Sportjournalismus-Professor Thomas Horky kritisiert zu viele Experten-Interviews.
  • Die unabhängige Einordnung leide, da meist „systeminterne“ Ex-Profis sprechen.
  • Beispiel Interessenkonflikt: Jürgen Klopp als Experte bei MagentaTV zur Trainersuche.
  • ZDF zeigte Beitrag zu DFB-Posten, während Kandidat Per Mertesacker als Experte kommentierte.
  • Horky empfiehlt mehr fachfremde Experten – etwa Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Sportjournalismus-Professor Thomas Horky kritisiert ein Übermaß an Experten-Interviews bei den Fernsehübertragungen der Fußball-Weltmeisterschaft. „Die Moderatoren geben zunehmend ihre Kompetenz an Expertinnen und Experten ab“, sagte der Wissenschaftler von der Hamburger Macromedia-Hochschule dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei handele es sich fast immer um „systeminterne“ Fachleute, nämlich ehemalige Fußballer. „Die unabhängige journalistische Bewertung lässt dadurch merklich nach.“

Laut Untersuchungen Horkys haben die Expertengespräche bei großen internationalen Fußballturnieren seit den 90er Jahren kontinuierlich zugenommen. „Mittlerweile machen sie den größten Teil der Begleitberichterstattung bei Länderspielen aus“, erklärte der Wissenschaftler.

Interessenkonflikte möglich

Eine problematische Vermengung von Rollen zeige zum Beispiel der Fall des möglichen künftigen Bundestrainers Jürgen Klopp, der als Experte bei MagentaTV auftritt. Klopp sei im Rahmen der WM-Berichterstattung ausführlich zur Trainersuche und zur Situation in der Nationalmannschaft befragt worden. Hier könne es offenkundig zu Interessenkonflikten kommen.

Besonders aufgefallen sei in dieser Hinsicht auch ein ZDF-Beitrag über die Besetzung des DFB-Sportdirektor-Postens gewesen, in dem Ex-Nationalspieler Per Mertesacker als Kandidat genannt wurde. Der Einspielfilm sei in einer WM-Sendung gezeigt worden, in der Mertesacker als Experte saß, der dann wiederum den Beitrag kommentiert habe.

Fußball-Vermarkter Günter Netzer als Fachmann

Das Phänomen ist im deutschen Fernsehen nach den Worten von Horky nicht neu. Als Beispiel nannte er Fußball-Ikone Günter Netzer, der jahrelang als Experte neben Sportmoderator Gerhard Delling bei der ARD im Einsatz war. Er sei zugleich Manager einer Sportmarketingagentur gewesen, die Fußball-Übertragungsrechte vermarktete. „Das heißt, er war ARD-Experte für ein Ereignis, bei dessen Vermarktung der Senderechte unter anderem an ARD und ZDF er vorher beteiligt war.“

Horky plädierte dafür, vermehrt Experten einzuladen, die nicht aus dem Profifußball-Betrieb kommen, etwa aus der Wissenschaft. „Man könnte zum Beispiel einen Trainingswissenschaftler der Deutschen Sporthochschule Köln befragen, wenn es um das Training beim DFB geht“, schlug er vor. In anderen journalistischen Ressorts sei dies viel selbstverständlicher. So kämen beispielsweise in Wahlsendungen häufig Politikwissenschaftler zu Wort.

Die Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA endet am Sonntag mit dem Finale zwischen Spanien und Argentinien. Die Hauptrechte für die Übertragung der Spiele in Deutschland hat der Telekom-Sender MagentaTV. ARD und ZDF erwarben als Sublizenznehmer das Recht, 60 der insgesamt 104 Spiele zu zeigen.